Lesermeinung: „Brauchen wir Wölfe in der freien Wildbahn?“

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So berichteten wir am 22. Mai.

Ein Leserbrief von Rainer Wackerbarth aus Fritzlar-Lohne zum Artikel „Der Wolf rückt den Schafen auf den Pelz“ im EXTRA TIP vom 20. Mai.

Die Ansiedelung der Wölfe wird in den Medien meist positiv dargestellt. In Diskussionssendungen werden überwiegend Personen eingeladen, die diese Wiedereingliederung mit Hilfe von Steuergeldern aus den Ministerien vorantreiben. Bei Abschuss werden hohe Strafen angedroht, weil die Wölfe strengstens geschützt sind. Es werden in Zukunft grüne Brücken über Autobahnen gebaut, mit hohen finanziellen Kosten, damit die Tiere unbeschadet die Autobahnen überqueren können.

Soll die Kulturlandschaft uns erhalten bleiben, dann brauchen wir weiterhin Nutztiere wie die Schafe, Ziegen und Fleischrinder, die diese Flächen beweiden und für unsere Kleintier- und Pflanzenarten (Artenvielfalt) offen halten. Wenn ein Rudel Wölfe – bestehend aus fünf bis zehn Tieren – in eine Schafherde einbricht, dann kann es vorkommen, dass bis zu 20 Schafe gerissen werden. Auf den qualvollen Tod, den die Tiere erleiden müssen, wird kaum hingewiesen. Hier sehe ich ein ethisches Problem, weil die Schafe in den Weidenetzen eingesperrt und diesem Gemetzel ausgesetzt sind. Die noch verbleibenden Tiere zeigen sich dann völlig verhaltensgestört und brechen oft aus ihrer Koppel aus. Aus verschiedenen Gründen ist es nicht möglich, die Nutztiere – sei es eine große oder kleine Herde – abends in eine feste, geschlossene Unterkunft zu bringen.

In der freien Wildbahn sind die Abschusszahlen für Hirsche und Rehe durch die Jagdbehörde geregelt, so dass den Wildtieren durch einen gezielten Blattschuss kein zusätzliches Leid zugefügt wird. All diese Punkte werden von den Wiedereingliederungsfanatikern nicht erwähnt, weil die Jägerschaft und die Nutztierhalter keine Lobby besitzen und die Jäger nur als Trophäensammler hingestellt werden, wo doch das Aufgabengebiet sehr weitreichend ist. Wie schön ist es zur jetzigen Jahreszeit abends von einem Feldweg aus am Waldrand ein Reh mit ihren Kitzen zu beobachten. Es wird dann nicht mehr so sein, wie es mal war.

In den Informationsveranstaltungen wird darauf verwiesen, dass vom Wolf auf den Menschen keine Gefahr ausgeht und dass bei getöteten Nutztieren ein finanzieller Ausgleich stattfindet, aber nur bei vorschriftsmäßiger Haltung mit Spezialnetzen, die sehr teuer, unhandlich und schwer zu stellen sind, weil diese in das Erdreich zum Teil vergraben werden müssen. Die Frage stellt sich über das Aufbauen der Spezialnetze nach ständigem Umtrieb der Herde, von einer Weidefläche zur nächsten.

Besondere Herdenschutzhunde eignen sich nur für große Schäfereien. Der Kostenvoranschlag eines Herdenschutzhundes wird jährlich mit 1.300 Euro beziffert. Das sprengt für manchen Schafhalter den finanziellen Rahmen. Da man die Wölfe in freier Wildbahn kaum zu Gesicht bekommt, bieten Wildparks beste Möglichkeiten, diese Raubtiere aus nächster Nähe zu beobachten. Bei dieser Haltungsform werden die Raubtiere den Menschen auch viel näher gebracht.

Neben den Wiederansiedlungsprogrammen aus den Ministerien der einzelnen Bundesländer aus Steuermitteln für Wolf, Luchs und Wildkatze werden weitere Spezies bei uns heimisch. Es geht um den aus Amerika eingeschleppten Waschbär und Mink (eine Marderart) sowie den aus Asien eingewanderten Marderhund. Diese Raubtierarten sorgen in der Natur für ein immer größeres Ungleichgewicht. Man sieht Feldhasen, Fasanen, Rebhühner und Wachteln – um nur einige zu nennen – immer seltener. Viele Singvogelarten stehen auf der „Roten Liste“, vor allem sind Langstreckenzieher, die bei uns als Sommervögel bezeichnet werden, oft gar nicht mehr zu beobachten. Alle Freibrüter, ob Boden- oder Baumbrüter sowie auch höhlenbrütende Vogelarten sind den Gefahren des Ausräuberns ausgesetzt. Hier werden von den verschiedenen Naturschutzverbänden die eingeschränkten Lebensräume durch die angeblich intensiv betriebene Landwirtschaft und den damit verbundenen zurückgehenden Nahrungsangebot beklagt.

Unsere Mittelgebirgskulturlandschaft in Nordhessen ist mit seinen Wäldern, Hecken, Sträuchern, Büschen, Rainen, Flüssen, Bächen und Gräben eigentlich ein idealer Lebensraum für die gesamte Fauna: Ackerflächen werden still gelegt, Ackerrandstreifen säumen die Felder und Gräben, Grünflächen werden durch das Greening ausgeweidet, mehrere EU-Grünlandsonderprogramme wurden aufgelegt usw. Die wechselnde Fruchtfolge mit vielen Pflanzenarten wirkt sich ebenfalls positiv auf die Lebensräume aus. Für mich ist überhaupt nicht nachvollziehbar, warum die Landwirtschaft für den Artenrückgang von den Naturschutzverbänden immer verantwortlich gemacht wird.

Rainer Wackerbarth, Fritzlar-Lohne

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