Ein „Love-Mobil“ sorgt für Unruhe im Waberner Ortsteil Hebel

Im Wohnwagen wird nicht nur gewohnt: Das „Love-Mobil“ ist einigen Bürgern in Hebel ein Dorn im Auge.	Foto: Engelhardt
+
Im Wohnwagen wird nicht nur gewohnt: Das „Love-Mobil“ ist einigen Bürgern in Hebel ein Dorn im Auge. Foto: Engelhardt

In Hebel steht ein sogenanntes „Love-Mobil“ direkt am Ortseingang. Das sorgt für ordentlich Zoff in dem kleinen, beschaulichen Waberner Ortsteil.

Von JULIA ENGELHARDT und KARSTEN KNÖDL

Wabern. Sie stehen meist in einsamen Gegenden, auf Rastplätzen oder an Landstraßen: Wohnmobile, in denen Prostituierte ihre Dienste anbieten – im Volksmund auch "Love-Mobile" genannt. In dem beschaulichen Waberner Ortsteil Hebel ist das anders. Hier begrüßt ein Love-Mobil die Passanten gleich am Ortseingang.

Das Fahrzeug steht seit einigen Wochen auf einem Privatgrundstück an der Alsfelder Straße. Hinter der Frontscheibe liegen Schilder mit der Aufschrift "Bin frei" oder "Besetzt". "Sindy" heißt laut dem Internetportal www.ladies.de die Prostituierte, die hier ihre Dienste anbietet. "Sie sehnt sich nach zärtlichen Berührungen von Dir und kann es kaum erwarten Dich mit ihrer Leidenschaft mitzureißen", ist im Internet nachzulesen.

Einigen Hebeler Bürgern ist das Love-Mobil ein Dorn im Auge. "Ich als besorgte Mutter bin wütend und frage mich, warum eine Prostituierte – auch tagsüber – dort ihrem Geschäft nachgehen darf", empört sich eine Bürgerin, die anonym bleiben möchte.

"

Andere wiederum stört es nicht. "Die Frauen machen dort ihre Arbeit. Andere arbeiten im Büro oder im Einzelhandel. Mich stört es nicht, wenn dieses Wohnmobil dort steht", sagt ein anderer Anwohner, der ebenfalls nicht genannt werden möchte.

Auch die Gemeindeverwaltung in Wabern hat inzwischen Kenntnis von der Situation am Hebeler Ortseingang. Verärgerte Anwohner haben ihrem Unmut Luft gemacht. Das bestätigt Waberns Bürgermeister Günter Jung auf Anfrage unserer Zeitung: "Allerdings sind uns die Hände gebunden. Wir haben keine Handhabe, um das dortige ‘Treiben’ zu unterbinden. Sittenwidriges Verhalten wäre beispielsweise eine Rechtsgrundlage, um eine Unterlassung auszusprechen." Das läge aber nicht vor, davon habe sich auch schon die Polizei überzeugt.

Und einen Platzverweis könne die Gemeinde erst aussprechen, wenn das Wohnmobil auf Flächen stehen würde, auf denen es nicht stehen darf. "Das tut es aber nicht", sagt Jung, "es steht auf einem Privatgrundstück." Jung weiter: "Grundsätzlich ist die Prostitution in Deutschland erlaubt. Die Behörden eines Bundeslandes können aber die Ausübung in bestimmten Gebieten durch Rechtsverordnung verbieten. Das hat Hessen aber bisher für ländliche Gemeinden nicht getan." Die Ermächtigungsgrundlage dafür sei Art. 297 des Einführungsgesetzes zum Strafgesetzbuch (EGStGB). Danach dürfe zum Schutz der Jugend oder des öffentlichen Anstandes die Prostitution verboten werden.

Die Gemeinde Wabern werde die Situation aber weiterhin genau beobachten und gegebenenfalls entsprechende Schritte einleiten.

Neben dem "Love-Mobile" in Hebel stehen noch zwei weitere in der Region, die ebenfalls auf www.ladies.de beworben werden: Auf der A49 am Parkplatz Sonnenborn bei Gudensberg und an der B 3 unweit der Autobahn-Anschlussstelle Borken.

_______________________________

Zu diesem Artikel gibt es ein Kommentar von MB-Redakteur Karsten Knödl: "Ich sorge mich um die Besorgten" (HIER klicken).

-------------------------------------------------

Aktuelle Meldung (von Freitag, 7. August, 17.14 Uhr):

Sindy und ihr Love-Mobil: AusgeHebelt – Prostituierte "Sindy" sorgt für Verkehrsberuhigung in Wabern-Hebel. "Raus aus Hebel, rein in Harle", heißt es jetzt

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Getränke-Sattelzug von A7 in Flutgraben gefahren

Der Fahrer wollte sich nach einer Getränkeflasche im Fußraum bücken, verriss das Lenkrad nach rechts, kam von der Fahrbahn ab und fuhr mit seinem Sattelzug in einen …
Getränke-Sattelzug von A7 in Flutgraben gefahren

Hotpants-Verbot „Ja“ oder „Nein“? Zwei Meinungen...

Ein „Pro“ und „Contra“ zum Hotpants-Verbot von MB-Media-Volontärin Julia Engelhardt und MB-Media-Redakteur Karsten Knödl.
Hotpants-Verbot „Ja“ oder „Nein“? Zwei Meinungen...

Neue Sterne für Bad Zwesten

Der Sternenhimmel über Bad Zwesten leuchtet heller: Silke und Stefan Müller bieten nun barrierefreie Unterkünfte im Kurort an.
Neue Sterne für Bad Zwesten

Oben ohne: Fans des Opel Kadett Aero treffen sich in Borken

Schnurrende Motoren und wunderbare Erinnerungen: Am Wochenende traf sich der Opel-Stammtisch in Borken.
Oben ohne: Fans des Opel Kadett Aero treffen sich in Borken

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.