BI macht gegen Hähnchenmastbetriebe mobil

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Bei Plukon in Gudensberg werden 230 Hähnchen pro Minute getötet. Bürgerinitiative will Ansiedlung weiterer Hähnchenmastbetriebe verhindern.

Gudensberg. "So schmeckt uns die Heimat nicht", mit diesem abgewandelten Slogan eines Hähnchenfleischherstellers als Motto demonstrierten zahlreiche Mittglieder der "Bürgerinitiative Chattengau gegen Massentierhaltung" sowie weitere Mastanlagen-Gegner am Gudensberger Geflügelschlachtbetrieb des niederländischen Geflügelfleischproduzenten Plukon gegen die weitere Ansiedlung von Geflügel-Mastanlagen in der Region.

"Dafür hat Plukon ganz offen geworben", so Andreas Grede, Sprecher der Bürgerinitiative, "und zwar auf einer Veranstaltung in Fritzlar, zu der der Geflügelnahrungsmittel-Hersteller BEST 3 Geflügelernährung rund 130 Landwirte aus der Region eingeladen hatte." Nach Ansicht der BI seien die heimischen Landwirte dort über die "Vorzüge" der Massengeflügelhaltung informiert worden. Barbara Düsterhoft, Vorsitzende der Initiative: "Was hinter dieser Aktion steckt, ist offensichtlich: Plukon braucht dringend weitere Hähnchen-Zulieferer. Und zwar am besten aus der nahen Umgebung." Aktuell bezöge Plukon seine Hähnchen auch aus weiter entfernten Regionen. Aus Niedersachesen beispielsweise. "Weil Plukon aber eine Erweitertung des Schlachtbetriebs schon genehmigt bekommen hat, muss man jetzt seitens des Konzerns auch für dessen Auslastung sorgen", so Düsterhöft.

Aktuell werden in Gudensberg 85.000 Tiere am Tag geschlachtet. Nach der Erweiterung sollen es 125.000 sein. "Das sind dann über 230 Hähnchen pro Minute bei einer Neun-Stunden-Schicht", rechnet Grede vor. Doch das sei nicht alles. "Bei einer Informationsveranstaltung, die im vergangenen Jahr in Gudensberg stattfand, wurde den Bürgern mitgeteilt, dass die tägliche Geflügelfleischproduktion von aktuell 125 Tonnen auf 250 Tonnen steigen soll. Das würde heißen, dass künftig auch schwerere Hähnchen geschlachtet werden."

In dem Zusammenhang wies Jeanette Lange, Tierärztin und selbst Landwirtin und eine der Rednerinnen bei der Demonstration, auf die unwürdigen Zustände hin, unter denen die Tiere gehalten werden. Lange: "Mittlerweile werden Hähnchen gezüchtet, die so ‘fett’ und schwer sind, dass deren Laufapparat das eigene Körpergewicht nicht mehr halten kann."

Neben dem Leiden für die Tiere sorgten Mastbetriebe aber auch für weitere – teilweise irreparabele – Schäden. Grede: "Wir müssen Cloppenburger Verhältnisse verhindern. Dort wurde durch die Gülle der Mastanlagen das Grundwasser verseucht. Darin finden sich Nitrat und Medikamentenrückstände wie Antibiotika. Die Wasserwerke verdünnen es deshalb mit unbelastetem Wasser. Zu viele Ställe, zu viel Gülle. Die wird mittlerweile mit Tanklastern weggefahren."

Und Düsterhöft abschließend: "Die Erweiterung des Plukon-Schlachthofs ist nicht mehr verhinderbar. Sehr wohl aber die Ansiedlung weiterer Mastbetriebe in der Region. Und darauf werden wir alle Kraft verwenden."

Mehr infos unter www.bi-chattengau.de

Fotos: Knödl

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