Männer(back)runde: In Wenzigerode wird wieder Sauerteigbrot nach alter Tradition gebacken

1 von 31
Die Männerbackrunde: Mike Lauer, Dominique de Bruin, Simon Müller, Sebastian Ebert, Reimund Koch, und Falk Weber präsentieren stolz ihr selbstgebackenes Sauerteigbrot aus dem Backhaus Wenzigerode.
2 von 31
Es braucht gar nicht viel für einen guten Sauerteig: Mehl, ....
3 von 31
...Wasser...
4 von 31
... und Salz...
5 von 31
...sowie etwas fertigen Sauerteig als Katalysator, damit ohne Hefe gearbeitet werden kann.
6 von 31
Das ganze schön durchkneten...
7 von 31
...und dabei nie den Spaß verlieren.
8 von 31
Das richtige Mischverhältnis braucht seine Zeit. Immer mal wieder muss Mehl hinzugefügt werden, "immer nach Gutdünken", haben die Männer gelernt.

Alle drei Monate treffen sich acht Männer im Bad Zwestener Ortsteil, um rund 50 Laiber Brot im historischen Backhaus zu backen. Unsere Zeitung begleitete sie den gesamten Backprozess.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Bad Zwesten-Wenzigerode. Es ist 18 Uhr am Freitagabend. Im Dunkeln stehen bereits eine Handvoll Männer an dem Feuerwehrhaus im Bad Zwes­tener Ortsteil Wenzigerode. Innen herrschen knapp 30 Grad. Doch das ist keine Feuerwehrübung. Die acht Männer treffen sich in dieser Konstellation alle drei Monate – um zusammen zu backen.

Feuermann, Kneter, Teigbeschwörer: Die Rollen in der Männer(back)runde sind klar verteilt. Die Backhaustruppe besteht seit 2015 aus acht Männern zwischen 34 und 48 Jahren. Früher sei auch eine Frau dabei gewesen, die sei aber weggezogen. Grundsätzlich wären weibliche Mitglieder gerne in der Truppe gesehen, „sie sollten aber ein robus­­teres Gemüt haben“, so Raimund Koch lachend.

In einem Backgang entstehen rund 50 Laiber. Darin enthalten sind 15 Kilo Roggenmehl, genauso viele Liter warmes Wasser und mehr als eine Handvoll Salz sowie zweieinhalb Kilo fertiger Sauerteig von der Bäckerei Stübing. „Er dient als Katalysator für den Teig. Sonst müssten wir mit Hefe arbeiten“, erklärt Mike Lauer. Alles wird unter Schweißeskraft zu Sauerteig gemischt. „Immer nach Gutdünken“, sind sich die Männer einig. Mittlerweile haben sie ein Gefühl für das richtige Mischverhältnis und die Konsistenz des Teiges, angelernt von den Eheleuten Clobes, die davor gebacken hatten.

Brotteig kneten ist im wahrsten Sinne des Wortes eine schweißtreibende Arbeit. Es herrscht ein hoher Verschleiß an Kleidung. Bis zu dreimal wechseln die Männer ihre T-Shirts, da sie durchgeschwitzt sind. Zwischenzeitlich tupft einer der Backhausmänner die Schweißperlen mit einem Handtuch von der Stirn. „Kaum vorstellbar, dass das damals die Frauen jedes zweite Wochenende geleistet haben“, staunt Falk Weber jedes Mal. Am Ende wird die Wanne voller Teig mit einem Leinentuch abgedeckt. Vorher ritzt Koch noch ein Kreuz hinein, „damit die Hexen nicht drangehen“ – ein wenig Aberglaube gehöre bei dem traditionellen Brotbacken dazu.

Wieder im Dunkeln treffen sich die Männer am nächsten Tag wieder. Diesmal um 7 Uhr morgens. Ein Blick unter das Leinentuch offenbart zwei Wannen randvoll mit aufgegangenem Sauerteig. Dann beginnt die Feinarbeit: Der Teig wird abgewogen und stückweise zurück in die Wanne gelegt – oder in Dominique de Bruins Fall eher geworfen. „Damit die Bakterien wach werden“, so der 47-jährige Wenzigeröder lachend. Nach einer Stunde ruhen werden die Laiber noch einmal geknetet. „Wichtig ist, darauf zu achten, dass keine Falten im Brot sind, da dort Hohlräume entstehen“, weiß Simon Müller. Das Backen der Brote ist wiederum klare Männerarbeit, auch schon damals, als die Frauen die Laiber geknetet hatten. Verständlich für Lauer: „Die Männer mussten das Backhaus anheizen, die hatten keine Zeit zum Kneten.“ „Oder keinen Bock“, wirft Raimund Koch mit einem Schmunzeln auf den Lippen ein.

Geheizt wird das Backhaus mit trockenen, faustgroßen Buchenhölzern. „das ist rückstandsfrei und enthält kein Harz“, erklärt Sebastian Ebert. Sobald das Buchenholz abgebrannt ist, wird die Glut im Ofen verteilt, um ihn aufzuheizen. Sind die Steine heiß genug, wird die Glut rausgefegt und Ebert schießt ein Laib nach dem anderen in die Tiefen des Backhausofens. Die Stelle als Feuermeister war schnell für ihn gefunden. „Kneten mit einem Arm ist nicht so praktisch“, lächelt der 34-Jährige aus Bad Zwesten verschmitzt über sein Handicap. Dafür zollen ihm die anderen ihren Respekt: „Was er da mit nur einem Arm schafft, bekomme ich nichtmal mit meinen beiden hin“, so Koch. Dann heißt es warten – anderthalb Stunden lang. Dabei kommen typische Männer-themen auf, das eine oder andere Bier wird auch geleert. Wenn die Klamotten nicht voller Mehl wären, würde man nicht denken, dass dies keine Fußball- sondern eine Backrunde ist.

Am Ende liegen 46 Laiber Sauerteigbrot auf den Bohlen im Wenzigeröder Backhaus. Doch nicht lange, denn die selbstgebackenen Brote der Männerrunde sind heiß begehrt. Zurecht, wie Falk Weber anmerkt: „So ein Brot kann man gar nicht mehr kaufen.“

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Vereine für den großen Festzug zum Altstadtfest gesucht

Am Sonntag, 26. Mai, findet der große Festzug zum Altstadtfest statt.  Das Team von Homberg Events freut sich über viele regionale Vereine.
Vereine für den großen Festzug zum Altstadtfest gesucht

„Homeberger“ auf der Handwerksmesse

Bei der Internationalen Handwerkmesse in München sind gleich zwei Vertreter aus dem Schwalm-Eder-Kreis dabei.
„Homeberger“ auf der Handwerksmesse

Fünfjährige Kaweyar aus Guxhagen weiter vermisst: Polizei hofft auf Hilfe aus der Bevölkerung  

Die fünfjährige Kaweyar aus Guxhagen wird noch immer vermisst. Nachdem die Suche auf der Fulda bisher ergebnislos verlief, bittet die Polizei jetzt noch einmal verstärkt …
Fünfjährige Kaweyar aus Guxhagen weiter vermisst: Polizei hofft auf Hilfe aus der Bevölkerung  

In Körle wurde ein Geländemotorrad von einem Grundstück geklaut

Unbekannte Täter haben in Körle ein Motorrad im Wert von 1.900 Euro von einem Grundstück gestohlen.
In Körle wurde ein Geländemotorrad von einem Grundstück geklaut

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.