Mangelware Desinfektionsmittel

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Um den Bedarf und die hohe Nachfrage nach Desinfektionsmitteln bedienen zu können, wird im Malsfelder Werk seit Kurzem in drei Schichten und an sechs Tagen produziert.

Egal ob Handgel, Tücher oder Sprays - kaum in die Regale des Drogeriemarktes geräumt, schon sind die Desinfektionsmittel wieder vergriffen. Wir sprachen mit den beiden Geschäftsführern der Dr. Schumacher Unternehmensgruppe, Dierk und Jens Schumacher, über die Wucherpreise für Desinfektionsmittel im Internet und die aktuelle Situation auf dem Markt.

Malsfeld-Beiseförth. Handgel, Tücher und Sprays. Wer in Zeiten von Corona auf der Suche nach Desinfektionsmitteln ist, steht oftmals vor leeren Regalen. Hinzukommt, dass selbst Kliniken und Pflegeheime nicht mehr genügend Vorräte haben. Unter diesem Mangel leiden die Mitarbeiter, die nicht wissen, wie sie die Hygenievorschriften einhalten sollen, wenn keinerlei Desinfektionsmittel vorhanden sind. Der EXTRA TIP sprach mit den Geschäftsführern der Dr. Schumacher Unternehmensgruppe, Dierk und Jens Schumacher, über die Wucherpreise für Desinfektionsmittel im Internet, die aktuelle Versorgungslage und die Situation auf dem Markt.

EXTRA TIP: Wie ist die aktuelle Situation bei lhnen in der Firma?

Dierk Schumacher: Die meisten Veränderungen machen sich in der Produktion bemerkbar. Hier wurden aufgrund der erhöhten Nachfrage an Desinfektionsmitteln mit einem Drei-Schicht-Modell und durchgehender Produktion an sechs Tagen zusätzliche Kapazitäten geschaffen. Möglich wurde das durch das unverändert hohe Engagement unserer Belegschaft. So haben sich kurzfristig Mitarbeiter aus anderen Abteilungen freiwillig zur Verfügung gestellt, um in der Produktion Desinfektionsmittel abzufüllen.

Jens Schumacher: In den letzten Wochen wurden bei uns bereits umfassende Verhaltensregeln und Hygienemaßnahmen eingeführt. Einige Mitarbeiter arbeiten inzwischen aus dem Home Office. Für diejenigen deren Präsenz vor Ort notwendig ist, wurden entsprechende Lösungen gefunden. Unser Krisenstab nimmt täglich neue Risikobewertungen vor.

War die momentane Situation schon länger absehbar?

JS: Eine erhöhte Nachfrage nach Desinfektionsmitteln beobachten wir seit Januar. In den vergangenen Jahren haben namhafte Virologen und Infektionsspezialisten immer wieder darauf hingewiesen, dass es zu einer Pandemie kommen wird. Dennoch muss man sagen, dass der tatsächliche Zeitpunkt so sicher nicht vorhersehbar war. Um trotz hoher Fallzahlen einen ausreichenden Patienten- und Personalschutz gewährleisten zu können, arbeiten wir mit Hochdruck daran unsere Produktionsmengen an Desinfektionsmitteln weiter zu steigern.

DS: Wir müssen uns jetzt vor allem darauf konzentrieren, diejenigen, die an vorderster Front stehen, mit ausreichenden Mengen an wirksamen und hautverträglichen Desinfektionsmitteln zu versorgen. Seit einem Monat beliefern wir deshalb ausschließlich Kliniken, Alten- und Pflegeheime sowie niedergelassene Arztpraxen.

Wie sieht die Marktlage aus, was Desinfektionsmittel angeht?

JS: Die Versorgungssituation ist von Region zu Region offenbar sehr unterschiedlich. Einige Kliniken scheinen noch gut mit Desinfektionsmitteln versorgt zu sein, dagegen fehlt es an Schutzkleidung und Atemschutzmasken für das Personal und umgekehrt.

DS: Versorgungsengpässe bei Desinfektionsmitteln gehen vor allem auf die Verknappung wichtiger Alkohole zurück. Um die Verfügbarkeit der Rohstoffe auch für die kommenden Monate zu sichern, stehen wir in engem Austausch mit Lieferanten und Behörden.

Einige Brenner- und Brauereien liefern überschüssiges Ethanol als Desinfektionsmittel an Kliniken. Wie schätzen Sie diese Situation ein?

JS: Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass in dieser Krise alle dabei helfen, den Gesundheitsschutz der Bevölkerung zu sichern.

Die Geschäftsführer sind vom Fach: Dierk Schumacher (li.) ist Chemiker und Jens Schumacher Apotheker.

DS: Die Standardrezepturen wirken auch gegen das Coronavirus in 30 Sekunden. Patienten und Mitarbeiter im Gesundheitswesen benötigen aber einen umfassenderen Infektionsschutz. Einige der momentan auf dem Markt angebotenen Rezepturen verfügen nicht über eine ausreichende Wirksamkeit gegenüber anderen Krankheitserregern, die in der Patientenversorgung existentiell ist. Zum Teil benötigen die Produkte die doppelten Einwirkzeiten und Desinfektionsmittelmengen.

Online-Händler verkaufen Desinfektionssprays für 19,90 Euro statt 2,95 Euro. Muss in Zeiten von Corona jeder Nordhesse Desinfektionsmittel Zuhause haben?

DS: Das Bundesministerium empfiehlt allgemeine Verhaltensregeln. Dazu gehört das regelmäßige Händewäschen für mindestens 20 Sekunden. In Situationen, in denen das Händewaschen nicht ohne Weiteres möglich ist, kann Händedesinfektionsmittel nützlich sein. JS: Wer derart Preise von Produkten in die Höhe treibt, verhält sich absolut unethisch. Hier wird versucht, mit der Angst der Bevölkerung Geschäfte zu machen.

Welche Auswirkungen haben die Grenzschließungen von und nach Polen, wo ein Teil Ihrer Produktion stattfindet?

JS: Unsere Desinfektionsprodukte werden hauptsächlich an unserem Standort in Malsfeld-Beiseförth hergestellt. In unserem Werk im polnischen Luban fertigen wir Feuchttücher für die Kosmetik und Körperpflege, aber auch Tücher zur Desinfektion. Mit der Inbetriebnahme zusätzlicher Maschinen wollen wir auch in Luban weitere Kapazitäten für Desinfektionsprodukte schaffen.

DS: Die Ausweitung der Produktion wird jedoch von den polnischen Behörden begrenzt. Wir rechnen mit weiteren Restriktionen für den Export von Desinfektionsmitteln. Die Lieferverzögerungen durch strikte Lkw-Kontrollen an der polnischen Grenze haben sich glücklicherweise inzwischen entspannt, trotzdem sind weiterhin Verzögerungen in den Lieferketten spürbar.

Was raten Sie unseren Lesern?DS: Wir alle sollten jetzt mithelfen, die Ausbreitung von COVlD-19 zu verlangsamen und die soziale Distanz zusammen mit den Verhaltensempfehlungen des Robert Koch-Instituts umsetzen. Damit ist schon sehr viel geholfen.

JS: Darüber hinaus kann man anderen helfen, zum Beispiel bei der täglichen Versorgung oder indem einfach wieder mehr miteinander gesprochen wir

d.

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