Melsungen: Kosten für Dauerparker verdoppelt – Angestellte im Einzelhandel sammelten Unterschriften gegen Erhöhung

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Arbeitet seit drei Jahren als Angestellte im Melsunger Einzelhandel und findet die Parkgebührenerhöhung überzogen: Beate Momberg.

Das Parken in Melsungen wird zum 1. Januar 2020 deutlich teurer. Vor allem Dauerparker müssen tiefer in die Tasche greifen. Gegen die Erhöhung haben Angestellte im Einzelhandel jetzt Unterschriften gesammelt.

Melsungen. „Ich habe Verständnis dafür, wenn Gebühren auch mal angehoben werden müssen, aber was die Stadt hier vorhat, ist absolut nicht hinnehmbar“, sagt Beate Momberg. Die 55-Jährige arbeitet seit drei Jahren als Angestellte im Einzelhandel in der Melsunger Brückenstraße. Täglich fährt sie mit dem Auto aus dem Waberner Ortsteil Harle in die Bartenwetzerstadt und stellt ihr Fahrzeug auf dem Parkplatz am Sand ab. Dafür hat sie sich einen Jahresparkschein bei der Stadt gekauft. Der hat bisher 120 Euro gekostet. Die Melsunger Stadtverordneten haben allerdings Ende Oktober entschieden, die Parkgebühren in der Stadt ab kommendem Jahr deutlich anzuheben.

Besonders betroffen sind Dauerparker wie Beate Momberg, die künftig das doppelte bezahlen sollen. „Eine Erhöhung um 40 oder 50 Euro wäre ja absolut in Ordnung gewesen, aber um 100 Prozent, das ist eine Frechheit“, zeigt sich die 55-Jährige empört.

Und damit steht Momberg nicht allein da: Ute Blumenstein und Christina Malm sind ebenfalls Angestellte im Einzelhandel in der Melsunger Innenstadt. Sie haben eine Unterschriftenaktion gestartet, um gegen den „Park-Wucher“, wie die beiden die Gebührenanhebung bezeichnen, vorzugehen. Die Aktion stieß auf breite Zustimmung. Insgesamt sammelten Malm und Blumenstein 444 Unterschriften. „Nicht nur Angestellte haben unterschrieben, auch viele Kunden, die mit der Erhöhung ebenfalls nicht einverstanden sind, haben unsere Aktion unterstützt.“

Momberg, Malm und Blumenstein sehen die Entscheidung der Stadtverordneten als falsches Signal für den Einzelhandel in der Innenstadt. „Die Kundenfrequenz ist ohnehin sehr niedrig. Täglich kommen zudem noch Kunden, die sich über die geplante Erhöhung beschweren. Das erschwert es dem Einzelhandel noch mehr“, betont Momberg. Kurzparker zahlen künftig pro Stunde 1 Euro, statt 60 Cent – der Tagesparkschein wurde von 4,50 Euro auf 8 Euro erhöht. „Hinzu kommt, dass es einfach zu wenige Plätze für Dauerparker gibt. Und dafür sollen wir jetzt das Doppelte zahlen? Das ist nicht okay“, machen Malm und Blumenstein ihrem Ärger Luft.

Übergabe der Unterschriftenliste im Melsunger Rathaus: (v. li.) Christina Malm, Ute Blumenstein, Bürgermeister Markus Boucsein und Elfriede Griesel.

Auch Elfriede Griesel hat ihre Unterschrift auf die Liste gesetzt und hofft, dass sie damit zum Umdenken bei der Stadt beitragen kann. Griesel arbeitet ehrenamtlich in der Melsunger Innenstadt. Die Ellenbergerin habe generell kein Problem damit, Parkgebühren zahlen zu müssen, hält die Erhöhung um 100 Prozent für Dauerparker jedoch ebenfalls für unverhältnismäßig. „Ich habe mich diesbezüglich auch selbst an die Stadt gewendet. Dort wurde mir jedoch deutlich gemacht, dass man auch für ehrenamtlich Tätige keine Ausnahme machen könne“, erzählt Griesel.

In der vergangenen Woche kam es zur Übergabe der Unterschriftenliste und zum Gespräch mit Bürgermeister Markus Boucsein. Das Stadtoberhaupt zeigte Verständnis, machte jedoch auch deutlich, dass man nicht auf die Belange von Einzelpersonen eingehen könne, sondern die Regelung für alle gleich gelten müsse. Die Erhöhung sei eine Entscheidung des Stadtparlaments, die man nicht einfach so ändern könne.

Boucsein zur Erhöhung: „Die Stadt ist mit dem Sandcenter und dem dort entstehenden Parkhaus an einem großen Investment beteiligt. Wir schaffen so neuen Parkraum. Das will aber auch finanziert werden.“ Mit der Fertigstellung rechnet der Bürgermeister in zwei Jahren. An der Steuerschraube habe man nicht drehen wollen, weshalb es zur Entscheidung gekommen sei, eine Refinanzierung über höhere Parkgebühren zu erzielen.

Boucsein gab den Ausblick, dass mit dem neuen Parkraum am Sand auch mehr Platz für Dauerparker vorhanden sei. Zudem versprach er den Anwesenden, die Liste als Grundlage zu nehmen, um die Gebührenerhöhung noch einmal im Parlament in die Diskussion zu bringen.

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