Betriebserlaubnis erlischt 2021: Melsunger Stadthalle muss saniert werden – Abriss des alten Teils kein Thema

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Melsungen. Seit fast 200 Jahren hat die Stadthalle ihren festen Platz in der Bartenwetzerstadt. Der älteste Teil, das Casino, wurde im Jahr 1838 fertiggestellt. In den 70er-Jahren wurde die Halle grundlegend erneuert und umgebaut. Unter anderem wurde in dieser Zeit der große Saal errichtet, der klassizistische Stil blieb jedoch erhalten. Das ist mittlerweile über 40 Jahre her und nicht nur die Fassade der Stadthalle bröckelt. Der Bau weist Brandschutzmängel auf. Die Betriebserlaubnis läuft Ende 2021 aus. Fest steht: Die Stadt muss etwas tun, damit die Halle weiter als Veranstaltungsort genutzt werden kann.

Dessen sind sich auch die Fraktionen im Melsunger Stadtparlament bewusst. Volker Wagner, SPD-Fraktionsvorsitzender, macht im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich: „Die städtischen Gremien müssen dringend, das heißt noch in diesem Jahr, die weitere Vorgehensweise festlegen.“

Allein für das Erfüllen der Brandschutzauflagen rechne der Fraktionsvorsitzende mit Kosten von 2,5 Millionen Euro. Das allein reiche aus Sicht des Kommunalpolitikers jedoch nicht aus, um die Stadthalle für die kommenden 30 Jahre nutzbar zu machen. „Um eine Vitalisierung des Gesamtkomplexes zu erreichen, sehen wir als eine Möglichkeit – neben der Sanierung des ‘Alten Casinos’ Restaurant, College-Raum und Kleiner Saal – die Erneuerung des großen Saals. Vorzugsweise um 90 Grad versetzt, um weiteren Raum für Parkplätze zu schaffen und ausgestattet mit moderner Klima-, Bühnen- und Konferenztechnik“, erklärt Wagner und betont, dass ein Abriss des alten Gebäudeteils nicht in Frage komme. Die Überlegung der SPD, den großen Saal neu- beziehungsweise umzubauen, stehe unter Vorbehalt der Zustimmung der Melsunger und der finanziellen Möglichkeiten. „Die Führung der öffentlichen Diskussion darüber obliegt nach unserer Auffassung dem Bürgermeister. Sie muss jetzt dringend erfolgen“, sagt Wagner.

„Der historische Kern muss erhalten bleiben“ – Danny Wedekind, 2. Vorsitzender der Melsunger CDU, vor dem „großenSaal“, der möglicherweise abgerissen werden soll.

„Es muss etwas getan werden, aber eines ist klar: Der historische Kern muss erhalten bleiben“, schildert der zweite Vorsitzende des CDU Stadtverbandes, Danny Wedekind und ergänzt: „Ob ein moderner Anbau möglich ist – dran oder drauf gesetzt – müssen Fachhandwerker und die Melsunger selbst entscheiden. Da die Stadthalle in den Ausläufern der vom Fachwerk geprägten Innenstadt liegt, passt auch ein klarer architektonischer Bruch, um beide Seiten von Melsungen – die historische und die moderne – zu zeigen.“ Wichtig sei das überparteiliche Handeln, um der Sache gerecht zu werden, so Wedekind weiter.

Was schlussendlich mit der Stadthalle geschieht, sei vollkommen offen. Doch eines steht fest: „Das Casino steht unter Denkmalschutz und wird in der Form erhalten bleiben. Lediglich unter den modernen Brandschutzvorschriften“, so das Melsunger Stadtoberhaupt Markus Boucsein, und betont: „Wir müssen da jetzt ran. Und für den Zweck haben wir bereits Planungsgeld im Haushalt vorgesehen.“

Weitere Stimmen zum Thema Stadthalle

Stadtverordnetenvorsteher Timo Riedemann: „Ich habe bereits vor zwei Jahren zu einer Bürgerversammlung bezüglich der Stadthalle eingeladen. Damals war der Tenor, dass die Halle unbedingt erhalten bleiben soll. Vor allem das Casino, das zu Melsungen gehört wie die Fulda. Wir müssen jetzt in die Planung gehen und dabei die Bürger mit ins Boot holen.“

Citymanager Mario Okrafka: „Dass etwas passieren muss, ist klar. Aber es ist wichtig, dass das Melsunger Kleinod erhalten bleibt. Schließlich hat jeder Melsunger eine persönliche Beziehung zur Stadthalle. Gerade für die Theatersaison ist die Stadthalle essentiell, was auch durch die Kulturfabrik nicht ersetzt werden kann.“

Karin Braun (Kultur- und Tourist-Info Melsungen): „Die Kulturfabrik ist unter anderem teuer in der Anmietung und hat auch keinen Bühneneingang. Daher ist sie kein vollwertiger Ersatz für die Stadthalle. Doch nicht nur kulturell ist die Stadthalle von Bedeutung, sondern auch gastronomisch. In Melsungen gibt es keine Lokalität, in der eine Feier mit 50 Leuten ausgerichtet werden kann. Das geht nur in der Stadthalle. In der Kulturfabrik gibt es nur eine Vorbereitungsküche, um Speisen warm zu halten, was für Konfirmationen, Hochzeiten und Geburtstagsfeiern nicht ausreicht. Wir warten ab, was baulich passiert. Was wir uns aber wünschen, wäre neue Technik am alten Platz.“

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