Mieses Geschäft mit dem Liebesglück

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Ein Rentner aus Guxhagen hoffte auf die große Liebe im hohen Alter. Doch auf der Suche nach der Richtigen fiel er auf miese Agentur-Abzocke herein.

Guxhagen. Seit 17 Jahren ist er alleine. Als seine Frau starb, blieb er einsam in seinem Haus. Die kleinen Tiere, seine Hühner, Gänse und Enten auf seinem Hof sind alles, was Hans W. aus Guxhagen geblieben sind.

Als der 86-Jährige vor einigen Wochen seinem Alleinsein ein Ende setzen will, wird er vom PKS Partner-Kontaktservice GmbH aus Ulm reingelegt – und die Suche nach einer letzten Liebe kommt dem Senior teuer zu stehen. Rund 1.000 Euro zapft die Vermittlungsagentur dem alten Herren ab. "Ich habe in der Zeitung die Annonce einer 73-jährigen Dame gesehen. Dazu noch ehemalige Tierärztin. Ich dachte, sie passt zu mir, weil ich ja auch Tiere habe", erzählt Hans W. – und schämt sich heute. "Ich war gutgläubig, zu naiv", sagt er. Als er die 73-Jährige kennenlernen möchte, sagt ihm die Agentur, von der Frau wüsste sie nichts. Aber: Das Team könne dem Rentner gegen eine Gebühr weitere Bewerbungen vorschlagen und zusenden. "Sie sagten mir, ich könne nach 14 Tagen kündigen. Also unterschrieb ich den Vertrag ", erinnert sich Hans W.

Teures Vertrauen

Ein Fehler, wie sich ganz schnell herausstellen sollte. "Leider wurde ich zu spät stutzig. Nachdem ich unterschrieben und den Vertrag zurück geschickt hatte, schrieb ich auch einen Widerruf. Doch da hatten sie das Geld schon abgebucht", erklärt der 86-Jährige. Fast 1.000 Euro. "Es ist meine Schuld, weil ich unterschrieben habe. Ich habe eine Dummheit nach der anderen gemacht, weil ich der Vermittlung vertraut habe."

Dann wird Hans W. nachdenklich und vestummt für einen Moment. "Ich hatte eine liebe Freundin, mit der ich reden konnte. Aber die ist letztes Jahr verstorben." Seitdem hätte er gerne wieder jemanden, mit dem er seinen Alltag erleben, jemanden mit dem er sprechen kann. "In jungen Jahren ist es einfacher jemanden zu finden. Im Alter kann man sich nicht so schnell an eine Frau gewöhnen. Es ist schwer, dann die Richtige zu finden", erzählt der Guxhagener. Er habe schon vieles erlebt. Dass er als Landwirt und ehemaliger Soldat auf einen Heiratsschwindel reinfallen würde, hätte er sich nie träumen lassen. "Alle Briefe haben nichts geholfen. Alles was mir geblieben ist, sind meine Tiere. Sie sind meine Medizin."

Keine fühlt sich zuständig

Als wir nachfragen, fühlt sich niemand in der Agentur zuständig. Weder scheint es einen Geschäftsführer zu geben, noch einen anderen Verantwortlichen. Wir konfrontierten das PKS-Team mit den Vorwürfen. Doch es heißt: "Nein, tut mir leid, da können wir nichts dazu sagen."

+++ Vertragsklauseln bei Freizeitclubs: Verbraucherzentrale warnt +++

Viele Kontaktanzeigen in Zeitungen kommen recht persönlich daher. Wer den Mut findet, die angegebene Telefonnummer zu wählen, wird oft herbe enttäuscht. "Immer wieder erleben wir, dass Verbraucher, die ernsthaft einen Lebenspartner suchen, so genannten ,Freizeitclubs’ in die Falle gehen", sagt Thomas Hertwig von der Verbraucherzentrale Hessen, Beratungszentrum Kassel.

Lockende Fallen

Das persönlich gehaltene Inserat einer "bildhübschen Antje" oder eines "verständnisvollen Peter" lässt einen netten Single mit vorzüglichen Eigenschaften vermuten und verweist auf eine Telefonnummer. Ruft man diese an, erreicht man den Vertreter des Freizeitclubs, der meist einen Termin für ein Beratungsgespräch vereinbaren will. Bei genauer Betrachtung des angebotenen Vertrages stellt sich dann heraus, dass es gar nicht um die Vermittlung mit dem in der Annonce angepriesenen Single, sondern um eine Freizeitclubmitgliedschaft geht.

Hinterhältige Machenschaften

Eine Leistung, die die Partnersuchenden eigentlich gar nicht wollen, jedoch in der Folge meist teuer bezahlen. Für eine Jahresmitgliedschaft sollen Beträge um die 2.000 Euro bezahlt werden. Und das Kleingedruckte beinhaltet auch noch eine Vertragsverlängerungsklausel. Im Gegensatz zu Partnervermittlungsverträgen können diese Mitgliedschaften nicht jederzeit fristlos gekündigt werden. Hertwig: "Wer auf Partnersuche ist, sollte etwaige Vereinbarungen nicht unter Druck unterzeichnen und keine hohen Vorauszahlungen leisten." Verbraucher, die später den Vertrag kündigen oder – soweit möglich – widerrufen wollen, laufen dann unter Umständen ihrem Geld hinterher.

Mehr Infos gibt’s in der persönlichen Beratung zur Partnervermittlung in der Beratungsstelle Kassel der Verbraucherzentralen. Für Terminvereinbarungen: Tel. 0561-772934.

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