Auf Miraculix' Spuren: Lothar Klitsch ist der Kellerwald-Druide

Lothar Klitsch hat Anzug und Aktenkoffer gegen Leinenkutte, Druidenstab, Trinkhorn und Tierfell eingetauscht. Seit zwölf Jahren führt der ehemalige Bankkaufmann interessierte Wanderer durch den Kellerwald. Dabei hat sich der 69-Jährige als „Kellerwalddruide“ einen Namen gemacht.

Von JULIA SCHÖNHUT

Jesberg. Seit zwölf Jahren wandert er durch den Kellerwald – mal durch zentimeterhohen Schnee stapfend, mal unter der erbarmungslosen Sonne schwitzend. Dort, wo er früher die Natur im Alleingang erkundete, folgen ihm inzwischen Gruppen begeisterter Menschen. Lothar Klitsch ist der „Kellerwalddruide“.

Regelmäßig bietet der 69-Jährige ganz besondere Wanderungen rund um den Exhelmerstein, die Mausefalle und den Wüstegarten an. Klitschs Wandertouren, etwa sechs pro Jahr, sind äußerst beliebt. Kein Wunder. Schließlich lässt sich der ausgebildete Naturparkführer allerlei für seine Mitwanderer einfallen.

Freut sich schon auf seine anstehende Wandertour durch den verschneiten Kellerwald: Kellerwalddruide Lothar Klitsch.

Kaum am Treffpunkt angekommen, wartet die erste Überraschung auf die Teilnehmer: Zur Begrüßung reicht Klitsch seinen starken Kellerwald-Druidentrank, ein Honigwein, der die Wanderer auf die etwa 20 Kilometer langen Touren einstimmen soll. Vom Flaschenetikett aus begrüßt Klitschs prominentester Kollege: Miraculix.

Nach der Einstimmung und dem Erläutern der drei wichtigsten Kräuter im Leben eines Druiden führt der Weg vorbei an bizarren, geheimnisvollen Felsformationen und durch die wilde Flora und Fauna des Naturparks Kellerwald-Edersee. Die Geschichte(n) des Bergbaus und der umliegenden Walddörfer verkürzen die Strecke.

Faulenzen kam Klitsch nicht in den Sinn

Als Klitsch seinen letzten Arbeitstag als Bankkaufmann bestritt, wusste er längst, dass das einfache Faulenzen auf dem Sofa nichts für ihn sein wird. „Ich war schon immer ein Fan der Kelten. Und ich hatte ohnehin großes Interesse an der Geschichte und Archäologie. Also beschloss ich kurzerhand, eine Ausbildung zum Naturparkführer zu machen und Wanderungen anzubieten“, erinnert sich Klitsch.

Er brauchte nur noch ein Alleinstellungsmerkmal, das seine Wanderungen zu etwas Besonderem machen würde. Auch das ist dem Pensionär gelungen. Seine Markenzeichen haben Klitsch auch über die Grenzen der Region hinaus bekannt gemacht. Anzug und Aktenkoffer tauschte er gegen Kutte, Druidenstab, Trinkhorn und Tierfell. Es war die Metamorphose vom Banker zum Druiden.

Der Druide gibt sein Wissen weiter

Aber was ist überhaupt ein Druide? „Unter den Kelten galten Druiden als Gelehrte in den Bereichen Naturheilkunde, Astrologie, Religion und Philosophie. Laut Caesar dauerte die Ausbildung zum Druiden rund 20 Jahre. Das lag auch daran, dass die Kelten ihr Wissen nicht aufschrieben und es stattdessen mündlich weitergaben“, erklärt Klitsch. Grundsätzlich gebe es keine Überlieferungen über die Kelten aus deren eigener Feder.

„Alles, was wir heute über die Kultur und das Brauchtum der Kelten wissen, wissen wir von ihren Feinden. Die Römer und Griechen haben ganz sicher nicht immer objektiv über die Kelten geschrieben“, sagt Klitsch. Die Weitergabe des Wissens sei auch dem heutigen Kellerwalddruiden wichtig. Seine Kenntnisse über Bräuche, Heilkunde und Astronomie gebe er deshalb anhand plausibler Beispiele und Darstellungen weiter.

„Allwissend bin ich natürlich nicht. Ich lerne bei jeder Wanderung dazu. Es kommt auch vor, dass ich eine Frage der Teilnehmer nicht beantworten kann. Dann recherchiere ich und liefere die Antwort nach. So wird es auch mir nie langweilig“, sagt Klitsch.

EXTRA-INFO: Imbolc- und Mittwinterwanderung am 4. Februar

Bei der nächsten spannenden Veranstaltung des Kellerwalddruiden handelt es sich um eine Mittwinterwanderung durch den verschneiten Kellerwald. Start ist am Sonntag, 4. Februar, um 10.30 Uhr. Treffpunkt ist der Wanderplatz „Kellerwald“ in Jesberg-Densberg. Von dort aus führt Klitsch seine Mitwanderer über den Kellerwaldsteig zum höchsten Punkt des Kellerwaldes – dem 675 Meter hohen Wüstegarten. Hier besichtigen die Teilnehmer den heiligen keltischen Kultplatz, die Ringwallanlage und den 25 Meter hohen Kellerwaldturm.

Das ist der Ort, an dem die Kelten um 300 vor Christus ihre Opferfeste feierten. Bei gutem Wetter haben die Teilnehmer vom Turm aus eine überwältigend schöne Sicht in die Umgebung. Wer mitwandern möchte, wird gebeten, Rucksackverpflegung und Wanderschuhe mitzubringen. Kosten pro Erwachsenem: fünf Euro (der Druidentrank ist inklusive). Kinder und Jugendliche wandern kostenfrei mit. Für Anmeldungen und Infos: Lothar Klitsch, Tel. 06695-649 oder info@der-kellerwalddruide.com

Rubriklistenbild: © Seeger

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