Mögliche Auswirkungen des Brexits sind auch bei Unternehmen der Region spürbar

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Der Brexit ist beschlossene Sache. Wann und in welcher Form er vollzogen wird ist allerdings noch immer nicht klar.

Noch sind sich die EU und Großbritannien nicht darüber einig, wie der Brexit vollzogen werden soll. Wir haben bei Unternehmen aus der Region nachgehakt, wie sie sich darauf vorbereiten.

Schwalm-Eder. Eigentlich sollte der 29. März der Tag sein, an dem Großbritannien die Europäische Union verlässt. Wie der Brexit vonstatten geht und ob Großbritannien auch in der EU-Zollunion bleibt, ist bis dato also weiterhin unklar. Nachdem sich die britischen Politiker um Premierministerin Theresa May über Monate hinweg nicht mit der EU über die konkreten Details des Austritts einigen konnten, beantragte May am vergangenen Mittwoch nun eine Verschiebung. Um einen chaotischen Brexit zu verhindern, hat die Europäische Union jetzt grünes Licht für einen Aufschub bis mindestens zum 12. April gegeben.

Faubel profitiert von Großbritannien

Holger Herbig von Faubel.

Das Melsunger Unternehmen Faubel exportiert schon seit 2005 Etiketten nach Großbritannien. „Sollte sich das Vereinigte Königreich mit der EU nicht auf eine Übergangsphase in Bezug auf die Zollunion und den Binnenmarkt einigen, sind nach dem 30. März alle Exporte dorthin Exporte in ein Drittland“, erklärt Holger Herbig, Kaufmännischer Leiter und Prokurist bei Faubel. Zwar ist Faubel durch Exporte nach China mit Sendungen in Drittländer vertraut, doch kann ein chaotischer Brexit zu Lieferverzögerungen führen: „Unsere generellen Vorkehrungen für dieses Worst-Case-Szenario sind eine versierte Handhabung des Exports in Drittländer, eine transparente Kommunikation und ein schneller Informationsfluss“, betont Herbig.

Faubel beschäftigt sich seit 2018 mit möglichen Folgen, die über den üblichen Export in ein Drittland hinausgehen können. Eine Änderung des Exportverhaltens sieht Faubel aber nicht vor. Herbig dazu: „Für unsere positive Umsatzentwicklung in den letzten Jahren ist auch der solide Exportanteil nach Großbritannien und Nordirland verantwortlich. Wir denken nicht darüber nach, unser Export-Verhalten einzuschränken – im Gegenteil, Faubel möchte die dortigen Handelsbeziehungen stabilisieren und ausbauen.“

Vorsorge und Sorgen bei Wikus

Dr. Jörg H. Kullmann von Wikus.

Beim Sägebänderhersteller Wikus aus Spangenberg wird Metall aus Großbritannien importiert und das fertige Produkt möglicherweise wieder dorthin exportiert. So stammt aktuell etwa jedes vierte Sägeblatt in Großbritannien von Wikus. Gesellschaftender Geschäftsführer Jörg H. Kullmann erklärt: „Wir haben unsere Rohmaterialversorgung hochgefahren, wodurch wir mindestens vier bis sechs Wochen durch diese kritische Zeit hindurch auch Verfügbarkeit haben, um unsere Kunden zu versorgen.“

Michael Möller, Geschäftsleitung Finanzen, beschäftigen vor allem die vielen Unsicherheiten: „Wie wird sich das Pfund gegenüber dem Euro verhalten? Wie wird es Einschränkungen gegenüber dem Zollverkehr geben?“ Auch die Wettbewerber aus Asien und den USA bereiten ihm Sorgen, um in Großbritannien konkurrenzfähig zu bleiben.

Eine Million Pfund an Mehrkosten für B. Braun

Der weltweit agierende Konzern B. Braun aus Melsungen unterhält in Sheffield auch einen Standort in Großbritannien, wodurch nicht nur der Export vom Brexit betroffen wäre. Um die möglichen Auswirkungen eines Brexits, betreffend der Rohstofflieferungen, Produktions- und Vertriebs­prozesse sowie regulatorische Anforderungen zu berücksichtigen, analysiert B. Braun bereits seit 2016 die Lage. Um möglichen Problemen vorzubeugen, wurden Lagerkapazitäten aufgebaut. Dadurch seien Mehrkosten von über einer Million Britischer Pfund entstanden – Geld, das sonst der Patientenversorgung zugute gekommen wäre. Für die rund 1.300 Mitarbeiter, die bei der englischen Tochter B. Braun Medical Ltd arbeiten, sieht der Konzern insgesamt einen unkomplizierten Verlauf durch den ­Bre­xit vor.

Entspannte Aussichten bei der DS Smith Group UK

Anja Röhrle von der DS Smith Group UK.

Trotz allem steht etwa die DS Smith Group UK aus Witzenhausen dem Brexit positiv gegenüber, wie Anja Röhrle, Marketing & Communication Manager, auf Nachfrage mitteilt: „Wir sind aktiv mit der Regierung zu diesen Angelegenheiten im Gespräch und haben robuste Pläne, um reibungslose Abläufe während des Brexit-Prozesses sicherzustellen.

In Anbetracht unseres lokalen Geschäftsmodells und unserer Lieferkette erwarten wir nur minimale Auswirkungen auf unsere Geschäftstätigkeit in Deutschland.“

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