Müll ist nicht gleich Müll: Von Fehlern bei der Trennung bis zu illegaler Entsorgung im Wald

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Was wird wo und wie entsorgt: Die Experten Markus Diehl und Katharina Bätz von der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda (ALF) erklären, worauf zu achten ist.

Im Gespräch mit Experten der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda (ALF) in Wabern: Wenn Müll sauber getrennt wird, kann auch viel davon recycelt werden.

Wabern. Bei der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda (ALF) in Wabern läuft ein Großteil des Mülls aus dem Schwalm-Eder-Kreis zusammen. Zwar zeigt sich Geschäftsführer Markus Diehl zufrieden mit der Mülltrennung, doch immer wieder fallen beliebte Fehler auf.

Der Restmüll wird verheizt

„Der gesammelte Restmüll soll das sein, was nach ordentlicher Sortierung übrig bleibt“, erklärt Diehl und warnt, „Akkus und Batterien gehören nicht da rein. Bei diesen Gegenständen bestehe sogar Brandgefahr!“ Zwar werde der Restmüll im Müllheizkraftwerk Kassel ohnehin verfeuert, doch nütze es diesem wenig, wenn der Müllhaufen sich schon vorher entzündet. Auch zu warme Asche könne einen Brand verursachen, so der Experte. „Elektrogeräte dürfen nicht in den Hausmüll – aber auch nicht zum Sperrmüll. Dafür gibt es ein extra Holsystem für die sogenannte weiße Ware. Das ist ganz einfach per Internet anmeldbar“, wirft Katharina Bätz vom Umwelt- und Ressourcenmanagement bei ALF ein. „Da die Abholung an der Grundstücksgrenze kostenfrei geschieht, gibt es überhaupt keinen Grund, irgendetwas im Wald abzustellen“, so Bätz weiter. Außerdem besteht die Möglichkeit weiße Ware beim Recyclinghof Borken und kleine elektrische Geräte beim ALF vorbeizubringen. Auch das sei kostenfrei.

Mit schwerem Gerät: Der Restmüll wird von einem Bagger zusammengeschoben.

Altpapier muss sauber sein 

„Nicht jedes Papier gehört ins Altpapier, etwa wenn noch zu viele Essensreste daran hängen, wie bei Backpapier oder Pizzakartons. Generell muss aber individuell entschieden werden, wie groß die Verschmutzung ist“, erklärt Diehl. Auch bei Brötchentüten mit Folie müsse entschieden werden, welcher Anteil überwiegt. Bei mehr Folie gehöre die Verpackung in den gelben Sack, ansonsten ins Altpapier. Die Sortierung laufe dabei weitestgehend maschinell.

Vernünftig trennen im gelben Sack

Um die Entsorgung der gelben Säcke kümmern sich Unternehmen wie Fehr. „Solange es eine Verpackung für etwas ist, das man gekauft hat, gehört es in den gelben Sack“, erzählt Diehl, ergänzt aber, „Verbundstoffe wie sie bei Plastikeimern Verwendung finden, können nicht mehr recycelt werden, weshalb sie eigentlich nicht in den gelben Sack gehören.“ Diese würden dann auch verbrannt oder landen durch Schlupflöcher – auch aus Deutschland – in den Weltmeeren, weiß Diehl. „Die Vermeidung solcher Stoffe beginnt, wie ich finde, bei den Herstellern. Wenn die Verbraucher dann vernünftig trennen, schaffen wir eine hohe Recyclequote“, so der Geschäftsführer. Metallene Gegenstände gehörten eigentlich auch nicht in den gelben Sack, jedoch würden diese per Magnet leicht vom Rest getrennt werden. Ein häufiges Beispiel dafür seien etwa Kronkorken. Kleine Verschmutzungen durch Essensreste wie in Joghurtbechern seien übrigens nicht relevant für den Recyclingprozess. Man müsse sie daher nicht erst ausspülen.

Bei diesem Container nahmen die Bürger die Beschilderung nicht so ernst und warfen Pappe falsch weg.

Biotonne soll 2021 kommen

„Der Bioabfall ist ein energiereicher Stoff, den man in die Kreislaufwirtschaft zurückführen kann“, meint Diehl. Bislang werde dieser noch mit dem Restmüll verfeuert. Dies solle sich 2021 mit der Einführung der Biotonne im Landkreis aber ändern. „Einmal ist es preisgünstiger, den Bioabfall zu kompostieren, und außerdem ist es eine gesetzliche Vorgabe“, ergänzt der Geschäftsführer. „Unsere Gebühren sind seit 2007 stabil und das streben wir auch trotz einer weiteren Tonne vor dem Haus an“, zeigt sich Diehl überzeugt. Entsprechende Flyer, was in die Biotonne gehört und was nicht, gibt es jetzt schon.

Weitere Informationen sollen zeitnah erfolgen. Verschmutztes Küchenpapier vom Aufwischen einiger Essensreste könne zum Beispiel bedenkenlos auch in den Biomüll geworfen werden. Auch Eierschalen und gespritztes Obst seien kein Problem. Lediglich Bioplastiktüten, wie aus Maisstärke hätten dort nichts verloren. „Die müssen erst aufwendig aussortiert werden“, so Bätz. Denn der Kompostierungsprozess sei für eine kürzere Dauer angelegt, als diese Art Bioplastik zum Zersetzen bräuchte. Durch die Umstellung entstehe dann nicht so viel Restmüll, der insgesamt trockener wäre und damit eine bessere Qualität für das Müllheizkraftwerk darstelle.

Ein Blick in den Holzcontainer.

Schadstoffe fürs Mobil

Im Müllkalender jeder Gemeinde sei außerdem vermerkt, wann das Schadstoffmobil vor Ort ist. Für viele weitere Abfallarten gibt es den Kleinanlieferplatz der ALF im Industriegebiet Tannenhöhe in Wabern.

Ausgehärtete Wandfarben oder Reifen können ebenfalls dort abgegeben werden, die damit nicht im Wald landen müssten, macht Diehl deutlich. Wer sich bei einer CD, Sekundenkleber oder anderen Produkten unsicher ist, findet im Netz Hilfe unter www.a-lf.de.

EXTRA INFO: Was ist ALF?

Die ALF ist ein gemeinsamer Verband der beiden Landkreise Schwalm-Eder und Marburg-Biedenkopf. Seit 2011 organisiert sie die Entsorgung aller Abfälle aus privaten Haushalten und ist Ansprechpartner für fast 440.000 Einwohner.

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