„Murtaza Azizi ist ein Musterbeispiel für gelungene Integration“, sagt Café Hahn-Gastronom Cor van Leeuwen

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Cor van Leeuwen (li.), der Betreiber des Café Hahn am Fritzlarer Marktplatz, freut sich, mit dem Flüchtling Murtaza Azizi eine Arbeitskraft gefunden zu haben, auf die er sich voll und ganz verlassen kann.

23-jähriger Afghane ist die rechte Hand des Chefs im Café am Fritzlarer Marktplatz – jetzt macht er ein Gastro-Ausbildung

Fritzlar. „Ich kann es nicht mehr hören“, sagt Cor van Leeuwen und schüttelt den Kopf, „dieses ständige Geschimpfe auf die Flüchtlinge. Angeblich arbeitet keiner von ihnen. Kommt es zu einer Straftat, dann war’s ein Flüchtling. Und schlussendlich kosten sie uns noch Milliarden.“ Das sind nur einige der Vorurteile, die van Leeuwen auf die Palme bringen.

Van Leeuwen ist Gastronom, er betreibt am Fritzlarer Marktplatz das kultige Café Hahn. Der 59-jährige Niederländer hatte das geschichtsträchtige Haus vor knapp fünf Jahren gekauft, die Räumlichkeiten umgebaut und das dort ansässige alte, traditionsreiche Café Hahn in einen interaktiven Ort der Begegnung umgewandelt. Und Cor van Leeuwen hat dort mehrere Flüchtlinge beschäftigt – Afghanen. „Ohne die geht hier gar nichts mehr“, sagt der ehemalige Business Developer, Personal Coach und Firmenberater, „sie halten den Laden am Laufen. Vor allem ohne Murtaza Azizi wäre ich im vergangenen Jahr völlig aufgeschmissen gewesen.“

Das vergangene Jahr war für van Leeuwen kein besonders schönes. Zahlreiche Krankenhausaufenthalte mit mehreren Operationen, zum Teil im Ausland, sorgten dafür, dass er im Café Hahn nur eingeschränkt einsatzfähig war und viel Unterstützung brauchte. Und die bekam er eben von Murtaza Azizi.

Im Regen vor dem Lidl

Dass der 23-Jährige überhaupt bei van Leeuwen angefangen hat, war purer Zufall. „Ich war im Lidl einkaufen, es regnete, er stand vor der Tür und ich fragte, ob ich ihn mitnehmen könne“, erinnert sich der Niederländer, „sein Englisch war sehr gut und er war sehr nett. So bot ich ihm an, bei mir arbeiten zu können.“ Aus dem anfänglichen „Job“ wurde schnell mehr. „Bei mir muss man einfach alles machen“, beschreibt der Gastronom die Arbeit, „Kochen, Backen, Service, Kasse, Buchführung, Putzen und noch vieles mehr.“

Ausbildungspakt

Und weil sich der junge Afghane sehr geschickt anstellte und sehr fleißig war, entschloss man sich, das Ganze auf „solide“ Beine zu stellen. „Murtaza ist inzwischen Azubi bei mir“, sagt van Leeuwen, „er lernt Fachkraft im Gastgewerbe mit allem, was dazu gehört – natürlich auch die Berufsschule.“

Murtaza Azizi ist mehrfacher afghanischer Meister im Teakwondo. Auch in Bulgarien hat er schon hochkarätig besetzte Turniere gewonnen.

Und Murtaza selbst sagt: „Für mich war es ein wahrer Glücksfall, dass ich Cor van Leeuwen kennengelernt habe. Das hier ist genau mein Ding. Ich kann mir sehr gut vorstellen, mich später einmal in der Gastronomie selbstständig zu machen. Aber jetzt möchte ich erst einmal zusehen, dass ich meine Ausbildung gut beende. “

Im Taekwondo ein Ass

Auch sonst ist Murtaza gut in der Domstadt angekommen. Gern geht er ins Eder-Auen-Erlebnisbad oder trainiert im Fitness-Studio. Und er gibt Taekwondo-Kurse. „In meiner Heimat Afghanistan habe ich mehrere Landestitel im Taekwondo gewonnen“, erzählt Murtaza, „und auch in anderen Ländern – beispielsweise in China, Bulgarien, Russland – war ich bei größeren Turnieren recht erfolgreich. Dieses Wissen und Können gebe ich jetzt gerne weiter.“ Wer Interesse daran hat, kann Murtaza im Café Hahn jederzeit darauf ansprechen.

„Er ist einfach ein Gewinn für unsere Gesellschaft“, sagt Cor van Leeuwen abschließend und hofft, noch länger seine Freude an und mit Murtaza und dessen Landsleuten zu haben.

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