Nach brutalem Überfall auf dem Fritzlarer Tegut-Parkplatz: Haftstrafen für zwei 19-Jährige

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Wir berichteten über den Fall vom 15. April auf lokalo24 und in unseren

Am 15. April kam es auf dem tegut-Parkplatz in Fritzlar zu einem Vorfall, bei dem der 39-jährige Dr. Christoph Pohl von zwei 19-jährigen verletzt wurde. Jetzt wurden die beiden jungen Männer zu Haftstrafen verurteilt.

Fritzlar. „Jetzt klau ich dir die Kopfhörer!“ Was nach dieser Androhung folgen sollte, hat das Leben von Dr. Christoph Pohl, seiner Frau und seinen beiden Kindern nachhaltig verändert. Es war der Abend des 15. April dieses Jahres, als der promovierte Ingenieur in Fritzlar noch schnell ein paar Eier und Wurst im Tegut-Markt besorgen wollte. Der Einkauf endete mit einem Hämatom am Auge sowie weiteren Blessuren und Verletzungen. Die sollen ihm am besagten Abend zwei 19-Jährige zugefügt haben. Der Grund: Einer der beiden sei scharf auf seine gut 200 Euro teuren Kopfhörer gewesen (siehe EXTRA-INFO). Noch am Abend der Tat wurden die beiden jungen Männer von der Polizei verhaftet und befinden sich seitdem in Haft.

Jetzt kam es zum erneuten Aufeinandertreffen von Pohl und den Männern, die aus Somalia und Äthiopien stammen – diesmal allerdings vor Gericht. Insgesamt zwei Verhandlungstage vor der Amtsgericht Fritzlar waren angesetzt. Zeit, die das Gericht benötigte, um zu einem Urteil zu kommen. Denn einer der beiden Angeklagten hatte sich gleich wegen mehrerer Fälle zu verantworten – darunter gefährliche Körperverletzung, weil er auf einen Mitbewohner in einer Gemeinschaftsunterkunft in Homberg mit einer Eisenstange eingeschlagen haben soll.

Dass sie im April in einer Auseinandersetzung mit Pohl verwickelt gewesen seien, gaben beide Angeklagten vor Richterin Brigitte Schornstein-Beyer zu. Wie sich der Vorfall allerdings genau zugetragen hatte, dazu konnten beide jedoch keine genauen Angaben machen. Schuld seien die großen Mengen Alkohol gewesen, die sie an diesem Tag konsumiert haben sollen. „Ich habe Wodka getrunken und war richtig betrunken. Es kann sein, dass ich ihn geschlagen habe, aber ich weiß es nicht mehr“, erklärte einer der beiden 19-Jährigen.

Sein mitangeklagter Freund räumte zumindest ein, dass er zugeschlagen habe, zuvor sei er allerdings von Pohl angegangen worden. „Ich wollte ihn nur fragen, welche Musik er hört. Daraufhin hat er mich geschubst und dann hat sich die Schlägerei entwickelt“, sagt der Äthiopier aus. Die Kopfhörer habe er Pohl allerdings nie abnehmen wollen und beteuerte: „Ich klaue nicht, das habe ich noch nie in meinem Leben gemacht.“ Zudem soll er mit den Worten „Ich steche dich ab“ und einer abgebrochenen Glasflasche auf den Fritzlarer losgegangen sein. Dies wies der junge Mann aus Äthiopien jedoch entschieden zurück. Erwartungsgemäß anders schilderte der Geschädigte die Situation.

„Einer der beiden hat mich im Markt auf meine Kopfhörer angesprochen. Im Markt fühlte ich mich allerdings nicht bedroht, sondern nur belästigt“, so Pohl bei Gericht. Beim rausgehen sei er allerdings von einer Gruppe Jugendlicher fixiert worden, in der sich auch die Angeklagten aufhielten. „Ich habe nicht mit einer Auseinandersetzung gerechnet, hatte aber ein komisches Gefühl“, erklärte Pohl und sollte sich bestätigt fühlen. Aufgrund seiner Statur habe er sich wehren können. „Wenn ich zu Boden gegangen wäre, hätte das allerdings eine andere Dynamik bekommen“, betonte der 39-Jährige.

Die körperlichen Wunden seien zwar verheilt, verarbeitet sei der Vorfall jedoch noch lange nicht. „Meine Kinder haben noch immer Angst. Und meine Frau geht nicht mehr hinter der Stadthalle lang, wenn sie Jugendliche dort stehen sieht“, so Pohl. Richterin, Staatsanwältin und sogar die Verteidiger stellten der Aussage Pohls hohe Glaubwürdigkeit aus.

Beide Angeklagten wurden mit Haftstrafen belegt: Ein Jahr und sechs Monate für den 19-Jährigen aus Äthiopien sowie ein Jahr und drei Monate für den jungen Mann aus Somalia. Beide Angeklagten wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt, eine Bewährung kam für die Richterin jedoch nicht in Frage. Die Art und Weise der Tat zeige die Gewaltbereitschaft.

„Die Schwere der Schuld führt zu diesem Urteil. Da geht jemand Einkaufen und wird einfach zusammengeprügelt“, zeigte sich die Richterin entsetzt über das Vorgehen der beiden jungen Männer. Der Schock sitze noch immer tief und beeinträchtige die gesamte Familie, führte die Richterin eine weitere Rechtfertigung für das Strafmaß an. „Sie haben sich noch nicht einmal bei dem Geschädigten entschuldigt. Echte Reue konnte ich nicht erkennen“, betonte sie.

EXTRA-INFO

Der Vorfall vom 15. April

Laut Anklage sollen die beiden 19 Jahre alten Männer gegen 21 Uhr Christoph Pohl auf dem Parkplatz des Tegut-Marktes in Fritzlar überfallen haben, mit dem Ziel seine Kopfhörer zu bekommen. Dabei sollen die Männer das Opfer mit Faustschlägen und Tritten malträtiert haben. Der Zeuge habe sich zur Wehr gesetzt und Pfefferspray benutzt. Daraufhin sei er mit einer zerbrochenen Glasflasche bedroht worden. Erst als die Polizei eintraf, habe sich die Lage beruhigt. Die beiden Männer wurden vor Ort festgenommen.

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