Nach Entlassung: Ex-Wehrführer und Stadt Felsberg einigen sich

Hartmut Wagner

Ex-Wehrführer Hartmut Wagner sieht sich falschen Vorwürfen ausgesetzt, klagte gegen Entlassung. Einigung brachte ein Vergleich mit der Stadt Felsberg.

Felsberg-Böddiger. Vor Hartmut Wagner liegen dicke Ordner. Alles ist akribisch geordnet. Fotos, die beweisen sollen, dass an den Vorwürfen nichts dran ist. Stellungnahmen, ausgedruckte E-Mails und schließlich das Verhandlungsprotokoll vom Verwaltungsgericht Kassel. "Die haben wohl nicht gedacht, dass ich vor’s Gericht ziehe. Aber ich lasse mich von niemandem einschüchtern", sagt Wagner. Seit 1999 war der 54-Jährige Wehrführer bei der Feuerwehr Felsberg Kernstadt. Nach eigenen Angaben, habe er es geschafft, die Abteilung von 40 auf 70 Mann auszubauen. "Jede Woche gab es Ausbildungseinheiten. Wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft", sagt Wagner.

Doch im Frühjahr 2012 dann der Schock: Der damalige Stadtbrandinspektor und sein Stellvertreter erhoben schwere Vorwürfe gegen den langjährigen Wehrführer, der hauptberuflich als Feuerwehrmann im VW-Werk beschäftigt ist. So soll er sich über Dienstvorschriften hinweggesetzt, bei Einsätzen keine Schutzkleidung getragen oder lebensrettende Einsätze unnötig erschwert haben. "Die Vorwürfe sind falsch und haltlos.  Ich verstehe bis heute nicht, warum diese Lügen über mich verbreitet wurden", betont der Felsberger. Doch die Vorwürfe wurden an den Magsitrat der Stadt Felsberg rangetragen. Daraufhin sieht Bürgermeister Volker Steinmetz das Vertrauensverhältnis als gestört an. Ein Entlassungsgrund, wie es im Gesetz steht.

"Da wurden Lügen über mich verbreitet"

Der Magistrat beschließt am 28. Januar 2013 Wagners Entlassung als Wehrführer (unsere Zeitung berichtete). Mehr als 30 angebliche Dienstvergehen, die bis ins Jahr 2000 zurückreichen, sollen auf Wagners Konto gehen. "Mir wurden Dinge zugeordnet, die einfach nicht stimmen. Und warum diese angeblichen Fehler erst viele Jahre später thematisiert werden, konnten weder ich noch der Richter verstehen", sagt der Felsberger Feuerwehrmann. So soll Wagner 2006 bei einem Brandeinsatz keinen Helm getragen haben. Doch dank der vielen Fotos, die die Felsberger Wehrleute bei jedem Einsatz machen, kann Wagner das Gegenteil beweisen. Und noch mehr: "Das, was mir vorgeworfen wurde, wie beispielsweise fehlende Schutzkleidung, haben die Rädelsführer selbst vorgelebt", beklagt Hartmut Wagner.

Dass Wagner jeden einzelnen Vorwurf widerlegen kann, hat schließlich auch den Richter am Verwaltungsgericht Kassel überzeugt. In einem Vergleich einigten sich der 54-Jährige und die Stadt Felsberg, dass Wagner aus dem Ehrenbeamtenverhältnis auf Zeit als Wehrführer rechtens entlassen wurde. Aufgrund des zerstörten Vertrauensverhöltnis kann Wagner auch nicht mehr als Ehrenbeamter in der Position des Wehrführers, Stadtbrandinspektors oder deren Stellvertreter tätig sein. Auch die Kosten für das Verfahren muss er in Teilen selbst zahlen. Was für Wagner aber viel wichtiger ist: "Die Vorwürfe können nicht mehr aufrechterhalten oder weiterverfolgt werden. Es ging mir stets darum, dass diese Lügen auch gerichtlich widerlegt werden", betont Hartmut Wagner.

Verschwiegenheit gefordert

Hinzukommt, dass es bis heute seitens der Stadt keine offzielle Nachricht zum Ausgang des Verfahrens gab. "Bürgermeister Steinmetz wollte im Vergleich eine Verschwiegenheitsklausel festhalten. Bei Missachtung sollten 5.000 Euro Strafe fällig sein. Aber das hätte mich auch nicht abgehalten, die Wahrheit nach außen zu tragen." Auf Empfehlung des Richters hätten Steinmetz und sein Anwalt von einer solchen Klausel abgesehen.

Hartmut Wagner ist derweil stellvertretender Kassenwart der Freiwilligen Feuerwehr in Felsberg. Auch nach diesem Eklat ist der ehemalige Wehrführer noch mit Begeisterung dabei: "Ich stehe nach wie vor zu meiner Feuerwehr." Mit den Betreffenden, die ihm damals die Vorwürfe machten, spricht er jedoch nur noch das Nötigste.

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