In Niedenstein treibt ein Wilderer sein Unwesen – die örtliche Jägerschaft macht jetzt mobil

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Im Sommer vergangenen Jahres schoss der Wilderer einen Rehbock an. Das Tier schleppte sich schwerverletzt durch den Niedensteiner Wald, bis es von Jost Weber zufällig gefunden und von seinem Leiden erlöst wurde. Das Foto zeigt den Einschuss am Vorderlauf.
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Besichtigten am Sonntag den mutmaßlichen Tatort: (v.l.) Berufsjäger Jost Weber, Revierpächter Arndt Kemper mit Sohn Paul und Jagdaufseher Stefan Kugler.
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Hier stand Arndt Kemper, als in der Nacht zu Freitag die Schüsse fielen. Schon am Ende des abgeernteten Feldes liegt der Kirchberger Sportplatz. Im Hintergrund sieht man den Wartberg.
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Auch dieses Wildschwein erschoss der Wilderer und ließ es liegen. Gefunden hat Berufsjäger Jost Weber die Bache im vergangenen Winter.
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Das andere Wildschwein, das Jäger Jost Weber fand.
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Besichtigten am Sonntag den mutmaßlichen Tatort: (v.l.) Berufsjäger Jost Weber, Revierpächter Arndt Kemper mit Sohn Paul und Jagdaufseher Stefan Kugler.
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Der Unbekannte hat schon mindestens einen Rehbock und zwei Wildschweine geschossen und liegengelassen. Würde er auch auf Menschen schießen, wenn er erwischt wird?

Niedenstein. Es ist 0.34 Uhr in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in der vergangenen Woche, als ein Schuss die Stille der Nacht zerreißt. „Rumms“ macht es an dem kleinen lichten Waldstück unweit des Bächleins Matzoff, das sich zwischen den beiden Niedensteiner Ortsteilen Kirchberg und Metze befindet. Arndt Kemper zuckt zusammen. Der 51-Jährige ist Jäger und Pächter des Reviers südlich von Metze. In dieser Nacht geht Kemper auf die Pirsch nach Schwarzwild. Und der Schuss, den er gerade gehört hat, stammt nicht aus seiner eigenen Waffe. Per WhatsApp erkundigt sich Kemper bei seinem Jagdaufseher und dem Jäger des benachbarten Reviers, ob einer von ihnen geschossen hat. Aber Fehlanzeige.

„Ein Wilderer“, sagt er tags darauf im Gespräch mit unserer Zeitung, „seit rund zwei Jahren haben wir hier in und um Niedenstein jemanden, der wildert – und das hauptsächlich rund um die Vollmondnacht.“

Am Freitagvormittag geht Kemper auf Spurensuche, findet Reifenspuren nahe eines Hochsitzes, der nicht weit entfernt von der Kirchberger Straße liegt. „Von hier aus hat er wahrscheinlich geschossen“, mutmaßt der Waidmann. Am Sonntag schaut man sich den Tatort nochmal gemeinsam an: Arndt Kemper, sein Jagdaufseher Stefan Kugler und Jost Weber. Weber ist Berufsjäger beim Kasseler Holzhandelsunternehmen Jordan. Jörg Ludwig Jordan hat in und um Niedenstein Reviere gepachtet, für die Weber zuständig ist.

Rehbock und Wildschweine gefunden

„So geht das nicht weiter“, sagt er, „inzwischen ist ein Maß erreicht, das es erfordert, gezielte Maßnahmen zu ergreifen.“ Im vergangenen Sommer hat der 41-Jährige im Niedensteiner Stadtwald einen angeschossenen Rehbock gefunden. „Wir haben das Tier dann von seinem Leiden erlöst“, erzählt Weber, „keiner der benachbarten Jäger hatte damals auf einen Rehbock geschossen. Und mit dieser Verletzung konnte das Tier auch nicht weit gelaufen sein. Das deutet daraufhin, dass ein Wilderer auf den Bock geschossen haben musste.“ Im Winter fand Weber zwei weitere Tiere, diesmal Wildschweine, deren Abschuss er ebenfalls dem Wilderer zuschreibt.

„Wie hoch ist seine Hemmschwelle?“

Über die Beweggründe des Wilderers können Kemper und Weber nur mutmaßen. „Ob er geschossenes Wild abtransportiert oder einfach nur aus Spaß tötet, wissen wir nicht“, sagt Kemper, „das ist letztendlich aber auch völlig egal. Wilderei ist kein Kavaliersdelikt. Dieses Subjekt gefährdet Menschenleben.“ Zumal die Schüsse von Freitagnacht nicht weit entfernt vom Kirchberger Ortsrand fielen. Kemper: „Ein Querschläger und jemand stirbt!“ Und Weber ergänzt: „Außerdem wissen wir ja nicht, wie er reagiert, wenn er erwischt wird. Wie hoch ist seine Hemmschwelle? Würde er – in die Enge getrieben – auch auf Menschen schießen?“

1.000 Euro Belohnung

Längst haben Kemper und seine Jagdfreude Anzeige erstattet. Der Fall ist der Polizei bekannt und auch der Unteren Jagdbehörde. Kemper. „Wir werden Wildkameras aufstellen. Und ich statte alle meine Jäger – das sind sieben Begehungsscheinjäger – mit Wärmebildkameras aus.“ Die Niedensteiner Jäger hoffen auch auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Kemper hat eine Belohnung von 1.000 Euro ausgesetzt, für Hinweise, die zur Ergreifung des Wilderers führen. Kemper: „Wer weiß, vielleicht prahlt er ja am Stammtisch mit seinen ‚Glanztaten‘. Und es ist ja absolut im Sinne der Bevölkerung, wenn so jemand dingfest gemacht werden kann.“

Hinweise nimmt die Polizei in Fritzlar unter Tel. 05622/9966-0 entgegen.

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