Niedensteiner Landwirt Sven Damm geht neue Wege und züchtet jetzt Garnelen

+
Landwirt Sven Damm in seiner Halle. Im Hintergrund die Becken, in denen die Garnelen anfangs sitzen, um sich zu „aklimatisieren“.

Im November kamen die ersten 80.000 Larven, und ab Mai kann man die ersten White Tiger Garnelen kaufen.

Niedenstein-Wichdorf. „Wir wollten in jedem Fall weiter etwas mit Tieren machen“, sagt Sven Damm. 27 Jahre jung ist der Niedensteiner, dem die Landwirtschaft sozusagen in die Wiege gelegt wurde. Die Eltern haben einen großen Bauernhof am Ortsausgang Wichdorf in Richtung Metze. Bislang betrieb man „klassische“ Landwirtschaft, sprich Ackerbau und Viehzucht. „Schweine haben wir gehalten“, erzählt Damm, „bis der Pachtvertrag für einen unserer Ställe auslief. Da stellten wir uns die Frage: Machen wir so weiter oder machen wir etwas anderes, um unseren Betrieb so aufzustellen, dass er auch von der kommenden Generation erfolgreich weiterbetrieben werden kann?“ Und Damms entschieden sich für etwas anderes.

Damm, der an der Uni Göttingen Agrarwissenschaft studiert hat, sagt: „2014 fingen wir an, uns zu informieren. Wir haben beispielsweise über Fischzucht nachgedacht. Das kam aus betriebswirtschaftlicher Sicht dann aber nicht in Frage. Schließlich entschieden wir uns für die Garnelenzucht.“

„Wir wollen nachhaltig produzieren“

Gründe dafür gab es einige: Beispielsweise, dass die Wärme für das Wasser, dass die Garnelen benötigen – ca. 28 Grad – quasi schon vorhanden war. Denn dort, wo inzwischen die Halle mit den elf Becken für die Garnelen gebaut wurde – an der Fritzlarer Straße zwischen Wichdorf und Metze – steht schon seit 2012 eine Biogasanlage, die Damm gemeinsam mit drei anderen Landwirten betreibt. „Da fällt Wärme an, die wir gut für das Erwärmen des Wassers verwenden können.“

Die Halle an der Straße zwischen Niedenstein-Wichdorf und Metze als sie sich im Bau befand. Inzwischen ist der Parkplatz vor der Halle fertig.

Nachhaltig beziehungsweise umweltschonend ist auch die Verwendung des Wassers, das benötigt wird. Das kommt aus einem Brunnen vor Ort, wird aber den Becken nicht ständig neu zugeführt, sondern befindet sich in einer geschlossenen Salzwasser-Kreislaufanlage. „Eine integrierte Wasseraufbereitung sorgt dafür, dass nahezu kein Wasseraustausch stattfindet. Der Wasser-Verlust beschränkt sich quasi auf das verdunstete Wasser“, erklärt Damm.

Die ersten 80.000 Larven kamen im November

Richtig spannend wurde es dann im November: Damm holte die ersten 80.000 Garnelenlarven am Frankfurter Flughafen ab – eingeflogen aus Florida. Er transportierte sie dann nach Niedenstein – verpackt in Plastiktüten und Styroporkartons. „Damit das Wasser nicht auf unter 20 Grad abkühlt.“ Die Larven sind nur wenige Millimeter groß und entwickeln sich dann – innerhalb von knapp einem halben Jahr – auf eine Größe zwischen zehn und 13 Zentimeter. „Dann können sie verkauft werden“, so Damm.

Eine Garnelenlarve im Alter von ungefähr sechs Wochen.

Nachfragen gibt es jetzt schon zahlreiche. Damm: „Einige denken sogar, dass wir sie jetzt schon mit Garnelen beliefern können.“ Doch ein wenig Geduld müssen die Kunden noch haben. Die ersten „fertigen“ Garnelen gibt es vermutlich Ende April, Anfang Mai. Aber dann regelmäßig. Denn Monat für Monat werden die Becken in der Halle mit 80.000 neuen Larven bestückt.

Auch Privatkunden werden die Garnelen dann käuflich erwerben können – über den Online-Shop (www.die-landgarnele.de) oder im Hofladen an der Halle (Investitionssumme: 1,5 Millionen Euro). Zwar sind die nordhessischen Garnelen teurer als die, die aus Fernost geliefert werden. „Dafür hat der Kunde aber auch die Gewissheit, dass er eine ‘White Tiger’ auf dem Teller hat, die artgerecht gehalten wurde und frei von Antibiotika sowie ganz frisch ist“, weiß Damm.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Über 235 Ostheimer sind gegen einen Logistiker vor der Tür

Angst um Lebensqualität wegen Unternehmensansiedlung: Eine Entscheidung, wie mit den Flächen bei Malsfeld-Ostheim verfahren wird, kommt wohl erst Ende August.
Über 235 Ostheimer sind gegen einen Logistiker vor der Tür

Geliebter Familienhund von Kasseler Tierheim zurückgeholt

Wegen angeblicher Misshandlung nimmt das Kasseler Tierheim "Wau-Mau-Insel" einer Familie aus Borken ihren geliebten Familienhund weg.
Geliebter Familienhund von Kasseler Tierheim zurückgeholt

„Wespe kriegt keinen Stich“... mit Experte Hans-Joachim Flügel

Hans-Joachim Flügel ist der Mann, den man rufen kann, wenn man eine Wespenplage hat.
„Wespe kriegt keinen Stich“... mit Experte Hans-Joachim Flügel

Getränke-Sattelzug von A7 in Flutgraben gefahren

Der Fahrer wollte sich nach einer Getränkeflasche im Fußraum bücken, verriss das Lenkrad nach rechts, kam von der Fahrbahn ab und fuhr mit seinem Sattelzug in einen …
Getränke-Sattelzug von A7 in Flutgraben gefahren

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.