Noch zwei Ärzte weg: Borken will Maßnahmenplan umsetzen, um zukünftigem Ärztemangel entgegenzuwirken

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In der Krausgasse 40 wird ab 2019 niemand mehr behandelt, da das Ärzteehepaar die Tätigkeit niederlegt.

Das Ärzteehepaar Gimbel wird zum Jahresende seine Tätigkeit niederlegen. Die Stadt entwickelt nun ein Konzept, um in Zukunft die 13.000 Borkener auf genügend Ärzte verteilen zu können.  

Borken. Mit der bevorstehenden Schließung der Hausarztpraxis Dr. Wilhelm Gimbel zum Jahresende fällt einer der fünf Allgemeinmediziner Borkens weg. Eine geplante Nachfolgerin lehnte die Stelle vor Kurzem ab. Auch Dr. Gimbels Frau Dr. Gudrun Gimbel beendet ihre kassenärztliche Tätigkeit als Frauenärztin. Ihre Praxis wird zwar von Dr. Bettina Spanknebel weitergeführt, jedoch nicht in Borken, sondern in Schwalmstadt-Treysa, Bahnhofstraße 18.

Bürgermeister Marcel Pritsch-Rehm bedankt sich beim Ärzteehepaar Gimbel, die seit Jahrzehnten in der Krausgasse ihre Praxen mit Leidenschaft und großem Engagement geführt haben und bei ihren Patienten sehr geachtet und beliebt waren.

Die rund 13.000 Borkener müssen damit auf die verbliebenen vier Ärzte ausweichen, „die damit aber an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen“, erklärt Stefan Pruschwitz vom Stadtmarketing Borken auf Nachfrage. „Damit erfährt das ärztliche Angebot in Borken eine weitere Schwächung, nachdem nunmehr feststeht, dass auch für die Kinderarztpraxis zurzeit keine Nachfolgelösung gefunden werden kann“, heißt es dazu in einer Stellungnahme. Eine neue Kinderärztin aus Osteuropa war wohl in Aussicht, doch habe diese die Zulassung nicht erhalten, wodurch auch auf einen Kinderarzt weiterhin verzichtet werden muss.

Mit Blick auf die umliegenden Kommunen sei das Ärzteangebot immer noch gut, doch wäre es das Interesse der Stadt, die Ärzte auch im Ort zu halten, so Pruschwitz weiter. „Wir sehen es mit Sorge, was hier passiert. Die Älteren gehen in den Ruhestand, doch es kommen keine Jungen nach.“

Die Stadt Borken bereite aktuell ein Maßnahmen- und Marketingpaket vor, um Ärzte für den Standort Borken zu gewinnen. „Zu wenige junge Ärzte suchen nach Niederlassungen im ländlichen Raum, zu oft ziehen junge Mediziner ein Leben und Arbeiten in der Großstadt vor oder wollen nicht selbstständig arbeiten“, erläutert Wirtschaftsförderer Pruschwitz. „Für Borken bedeutet dies erst einmal eine Einschränkung in der ärztlichen Grundversorgung. Dabei herrscht unter den in Borken niedergelassenen Ärzten eine gute Stimmung, dies hat eine von uns gestartete Umfrage bestätigt“, so Pruschwitz.

Ein gutes Umfeld, gute Arbeitsbedingungen vor Ort und die im Vergleich zur Großstadt niedrigeren Lebens- und Arbeitskosten sprechen für einen Arztstandort in Borken. Pritsch-Rehm verweist auf ein gemeinsames Gespräch der Stadt Borken mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und dem Bundestagsabgeordneten Edgar Franke mit den Borkener Ärzten, das Ende August dieses Jahres stattfand. „Dieses Gespräch war der Auftakt für unser Handeln gegen den drohenden Ärztemangel in der Region. Wir wollen alle zusammen für die Versorgungssicherheit in Borken an einem Strang ziehen.“

Der Maßnahmenplan, der schnellstmöglich umgesetzt werden soll, wird versuchen junge Mediziner direkt anzusprechen und diese für die Stadt Borken zu interessieren. Das Konzept muss noch politisch freigegeben werden.

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