Nordhessens Jäger gegen Vorurteile

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Mehr Transparenz: Jäger der Region kämpfen für mehr Akzeptanz in der Gesellschaft. Denn die Jagd helfe der Natur, das Gleichgewicht zu erhalten.

Melsungen. Die Akzeptanz  und Wertschätzung in der Gesellschaft sind nicht hoch. Zu eingeprägt sind die Vorurteile, dass Jäger wahllos töten, Tiere zum persönlichen Vergnügen erlegen, sie mit Hunden durch den Wald hetzen. Und ihre Trophäen stolz präsentieren, als wären sie Statussymbole.

Doch dem sei nicht so, betonte die Hegegemeinschaft der Rotwildjäger im Riedforst am Samstag in der Melsunger Stadthalle. Die Jahreshauptversammlung lieferte nicht nur einen Rück- und Ausblick auf die vergangene und bevorstehende Abschussplanung.  Vor allem hatte sie zum Ziel: Zeigen und betonen, dass kein Tier sinnlos abgeschossen wird; dass jede Jagd strengen Regeln unterliegt. Und dass es für das Erschießen zu junger Tiere Strafen hagelt. Als Jäger trage man Verantwortung für den gesamten Lebensraum Wald – und gehe eine Verpflichtung für Generationen ein. "In den Wäldern der Region haben wir sehr starke, teilweise zu große Rotwildbestände. Unsere Wälder sind so strukturreich, wie selten zuvor", erklärte Christian-Peter Foet, Geschäftsführer des Forstamts Melsungen (Hessen-Forst). Denn auch die Jäger seien wichtig für das Gleichgewicht in der Natur.

"Ohne uns Jäger geht es nicht. Wir dürfen Wirbeltiere nur mit vernünftigem Grund töten und nur, um das Gleichgewicht zu erhalten", sagte Hilmar Dobslaw, Vorsitzender  der Hegegemeinschaft. "Die Hegegemeinschaft bemüht sich um Rotwild genau wie um den Wolf, Bär und Luchs."   Außerdem nehme die Gemeinschaft durch ihr fachlich qualifiziertes Verhalten eine Spitzenstellung in Hessen ein. "Auch Jäger stellen sich der Ethikfrage. Falsche Bejagungsstrategien und zu kleine Jagdgebiete verursachen Schäden", so Dobslaw. Das Jagdgebiet der Hegegemeinschaft betrage rund 56.000 Hektar, die Fläche des Rotwild-Biotops sei 39.440 Hektar groß. "Damit haben wir einen sehr großen Verantwortungsbereich. Die Leittierart ist das Rotwild, dazu gehören nunmal auch Trophäen. Sie sind der Ausdruck der Leistungsfähigkeit", erklärte Foet.

Die imposantesten und interessantesten Exemplare erklärte Experte Jürgen Goldmann, Revierleiter des Reviers Helsa (Forstverwaltung des Ritterschaftlichen Stifts Kaufungen) in der Trophäen-Schau, darunter auch kolossale Geweihe, 15 bis 16 Jahre alter Hirsche. "Wir müssen Hirsche alt werden lassen. Wir greifen in den Bestand nur so ein, wie er reproduziert werden kann. Wir ändern nicht das Geschlechterverhältnis, wir verwalten es", sagte Goldmann.  Denn Transparenz, um Vorurteile abzubauen, sei das Wichtigste.

+++ KOMMENTAR von JOANNA WIEWIORSKA +++

Keinen Stempel aufrdrücken

Dass die gesellschaftliche Akzeptanz beim Thema Rotwildjagd hinkt, ist nicht zu leugnen. Ich selbst war der Überzeugung, dass Jagd von Lust und persönlichem  Vergnügen angetrieben wird. Auf der Versammlung der Hegegemeinschaft bekam ich die Möglichkeit dazu, meine Meinung zu überdenken – und zum Teil zu revidieren. Viele verschließen sich dem Thema gegenüber und geben sich Vorurteilen hin.

Und wer hat Schuld? Teilweise sicherlich soziale Netzwerke. Man denke an die respektlosen Bilder junger Jägerinnen, die sich durch Afrikas Savanne schießen und  breit lächelnd ihre Trophäen,  getötete Leoparden oder Löwen, auf Facebook zur Schau stellen. So nicht. Dem muss man entgegen wirken. Das will die Hegegemeinschaft. Es mag paradox klingen: In die Natur eingreifen, um das Gleichgewicht in der Natur zu erhalten. Doch so werde ein lebensfähiges Biotop erhalten, heißt es. Und Transparenz muss das Hauptziel bleiben – das finde ich gut. Denn am Ende soll sich jeder seine Meinung selbst bilden können.

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