Oliver Seipp ist Extremwanderer – er wandert auch mal 100 Kilometer und stößt dabei an Grenzen

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Ohne Training ist es schwer, mit Oliver Seipp Schritt zu halten.

Der Borkener läuft dabei bis zu 15 Stunden mit einer Geschwindigkeit von 6-7 km/h.

Borken. Oliver Seipp fühlt sich müde und kaputt, als er mit seinen zwei Mitstreitern endlich im Ziel ankommt. Ihn erfüllt aber auch ein Glücksgefühl, da er 101 Kilometer wandernd zurückgelegt und sich das monatelange Training ausgezahlt hat. „Es tut schon weh und natürlich bin ich nach so einem Marsch auch müde, aber die Erleichterung und das Glücksgefühl überwiegen die negativen Seiten allemal“, freut sich Seipp, der den Hollenmarsch in Bödefeld im Sommer erfolgreich beendete.

Sich selbst bezeichnet er als Sportwanderer oder gar Extremwanderer, was sich vor allem durch die Durchschnittsgeschwindigkeit von 6-7 km/h zu Fuß und die langen Strecken auszeichnet. Zur besseren Vorstellung: Läuft man schnellen Schrittes durch die Fußgängerzone, erreicht man Geschwindigkeiten von circa 3-4 km/h. Bei den organisierten Wander-Events, an denen Seipp teilnimmt, gibt es regelmäßig Verpflegungspunkte, um eine Pause einzulegen. Die Zeit läuft dabei weiter.

Fröhlich nach über 15 Stunden Wanderung in Bödefeld: (v.li.) Hermann Fischer (60, aus der Nähe von Chemnitz), Oliver Seipp (50, aus Borken) und Thomas Fritsch (50, aus Solingen).

Seipp nahm 2017 schon das vierte Mal teil und konnte seine Zeit für die 101 Kilometer verglichen mit 2014 um zwei Stunden verbessern. Dies hat zum einen mit dem regelmäßigen Training zu tun und mit dem Wechsel auf leichtere Schuhe. Dennoch dauert so ein Marsch immer noch über 15 Stunden. Alle Teilnehmer starteten gegen 19 Uhr in Bödefeld und die schnellsten kamen am Vormittag wieder in Bödefeld an. Der Borkener und seine „verrückten Mitstreiter“, wie er sie scherzhaft betitelt, tragen bei dem nächtlichen Teil der Wanderung Stirnlampen.

„Mir ist es wichtig, auf Strecken zu laufen, die markiert sind. Ich will mich beim Wandern nicht um den Verlauf der Strecke, über GPS-Daten oder Karten kümmern, sondern einfach loslaufen“, erklärt Seipp. Außerdem erklimmt Seipp auch Berge mit über 4.000 Metern. So gefährliche Berge, wie das Matterhorn im Jahr 2010 macht er aber nicht mehr.

Teilnehmer sind teilweise über 70 Jahre alt

Beim Extremwandern sind die Besten meistens über 50 – er kann also absolut mithalten und bewies dies bereits mit vier ersten Plätzen in Folge bei der Edersee Extremwanderung. Sogar einige mit über 70 Jahren nehmen teil. Darunter sind auch Frauen, wobei der Großteil der Wanderer männlich ist. Neben dem Training und der Ausdauer gehört auch Willensstärke dazu. „Bei einigen Events wird die Zeit gemessen und es gibt auch online eine Rangliste. Dass man die Strecke schafft sowie das Gemeinschaftsgefühl stehen aber im Vordergrund“, sagt Seipp und weiter, „außerdem wird jeder, der durch das Ziel schreitet, gefeiert.“

Seine Mitstreiter helfen ihm das Ziel zu erreichen

Doch der Weg bis zum Ziel ist lang. Seipp erinnert sich an ein weiteres Wanderevent, da mussten ihn seine Mitstreiter bei jeder Raststation überzeugen, doch noch bis zur nächs­ten mitzukommen. Am Ende haben sie ihn bis ins Ziel motiviert, aber „es war nur noch eine Qual“, erinnert sich Seipp, der am Edersee einen 159 Kilometer langen Marsch mit 3.700 Höhenmetern in 32 Stunden zurücklegte.

Ebenfalls eine beachtliche Leis­tung war der Acht-Gipfel-Marsch mit 25 Kilometern und 3.300 zurückgelegten Höhenmetern. Den Anfang der Wandersaison macht jedes Jahr der Bilsteinmarathon in Großalmerode mit 42 Kilometern und 1.150 Höhenmetern, bei dem Seipp 2015 und 2016 mit einer Zeit von fünf Stunden und 47 Minuten jeweils erster in seiner Altersklasse war. Am Ende stehen die Wanderungen am Edersee Mitte September und beenden die Saison. „Mittlerweile sind die Events auch sehr gut organisiert und es gibt mehr davon, als man wahrnehmen könnte“, lobt Seipp die Entwicklung.

Auch den Acht-Gipfel-Marsch in Südtirol für jede Altersklasse kann Seipp empfehlen. Seipp geht das ganze Jahr über trainieren. Zu seinen favorisierten Plätzen gehören der Thüringer Wald sowie der Kellerwald. Beim Training packt Seipp noch Gewichte in seinen Rucksack und geht eine Steigung auch mehrmals auf und ab. Wer auf den Geschmack gekommen ist, um bei der nächsten Saison auch mitzustarten, kann sich per E-Mail an Oliver Seipp wenden: uhurupeakk2@aol.com „Man trifft immer wieder nette Menschen auf den Events, aber ich möchte noch mehr dazu begeistern, ebenfalls beim mitzumachen“, so Seipp abschließend.

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