Perfekt übergeben

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 Die Schlüssel übergeben: (v. li.) Betriebsübergabecoach Viola Müller-Hanke, IHK-Regionalbetreuer Eugen Knoth mit Omar Mayel, der das Taxiunternehmen von Erika Emig in Oberaula übernommen hat.

Die Taxen fahren weiter: Dank Vernetzung die Nachfolge geregelt und ein Unternehmen im Kreis gesichert

Schwalm-Eder. Kaum ein Projekt ist so komplex wie die Unternehmensübergabe. Laut dem Nachfolgereport des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) suchen 150.000 Firmenchefs bis 2022 einen Nachfolger. Viele haben Sorgen: Immer weniger Menschen wollen Unternehmer sein. Im Schwalm-Eder-Kreis möchte Viola Müller-Hanke dafür sorgen, dass passende Nachfolger gefunden werden. Sie ist seit Januar Betriebsübergabecoach und hilft bei der Suche – unter anderem in Kooperation mit Fachleuten der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg. Im Landkreis könnten in den nächsten Jahren rund 800 Betriebe zur Übergabe anstehen. „Vor allem für Klein- und Kleinstbetriebe ist es schwierig“, sagt Müller-Hanke, die ihre Arbeit der IHK-Regionalversammlung Schwalm-Eder vorgestellt hat. Ihre Beratung ist kostenlos: Der Betriebsübergabecoach ist ein Pilotprojekt der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Geschaffen wurde ihre Stelle von den LEADER-Regionen im Kreis, gemeinsam mit IHK, Kreishandwerkerschaft, Wirtschaftsförderung, Zweckverband Knüllgebiet und Landkreis. Ihren Sitz hat sie an der Parkstraße 6 in Homberg. IHK-Regionalbetreuer Eugen Knoth ist überzeugt: „Das Netzwerk ermöglicht schnelle, zielgerichtete Prozesse.“ Müller-Hanke sucht auf Wunsch Betriebe auf und berät. Bei konkreten Fragestellungen vernetzt sie mit den Partnern wie der IHK. „Gerade für jene, die sich keine Unternehmensberatung leisten können, sind wir wichtiger Partner“, sagt sie. Ein Instrument, auf das sie bei expliziter Suche hinweist, ist die Nachfolgebörse nexxt-change.org, bei der die IHK Regionalpartner ist. Dort können Angebote und Gesuche kostenlos eingestellt werden.

Über die Online-Nachfolgebörse hat auch Omar Mayel aus Kassel ein Taxi- und Mietwagenunternehmen gesucht. Uta Wudonig, Referentin Unternehmensnachfolge der IHK, hatte dem 32-Jährigen, der bald seinen BWL-Abschluss macht, dazu geraten. Zur gleichen Zeit wandte sich Erika Emig, Inhaberin von Aulatal-Taxi-Emig in Oberaula an Eugen Knoth, die einen Nachfolger suchte. „Ich wollte den Betrieb nach 25 Jahren nicht einfach abmelden“, berichtet die 67-Jährige. Knoth holte Wudonig, die den Kontakt zu Mayel herstellte, und Müller-Hanke, die die Nachfolge begleitete, ins Boot. Am 1. Juli übergab sie ihren Betrieb schließlich an ihn: „Die Chemie hat gestimmt, wird sind uns schnell einig geworden.“ Beide sind zufrieden. Emig, dass der Betrieb weiter besteht. Mayel, dass er mit Unterstützung der IHK am richtigen Ort fündig wurde: „Von Kassel hat man mir wegen der hohen Taxidichte abgeraten.“ Eine Herausforderung könnten künftig steigende Spritpreise werden: Denn 90 Prozent des Geschäfts machten Krankenfahrten aus, für die Verträge mit den Kassen bestehen. Mehr Informationen über das Pilotprojekt unter www.betriebsuebergabecoach.de.

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