Bizarr: Pferd wird in Garage gehalten - Veterinäramt findet's in Ordnung

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Der junge Hengst wird in einer Fertig-Garage gehalten. Rechts im Hintergrund das zweite Pferd, das auf einer provisorischen Koppel im Garten steht. Die Pferde würden laut Mieterin des Grundstücks täglich ihre Gehege tauschen.

In Felsberg hält ein Besitzer seinen zweijährigen Hengst in einer Fertig-Garage - laut Veterinäramt ist das auch in Ordnung so und habe sogar einen guten Grund.

Felsberg. „Auch wenn ein Pferd strenggenommen ein Fortbewegungsmittel sein kann, muss es deswegen dauernd in einer Garage ,geparkt’ werden?“ – mit diesen Worten wendete sich eine Leserin an lokalo24.de. Denn in Felsberg solle ein Pferd in einer ausrangierten Garage gehalten werden, mitten in einem Wohngebiet. Dem wollen wir nachgehen und fahren zu der angegebenen Adresse. Zwischen einem abgemeldeten Auto und Gerümpel steht auf dem Hof tatsächlich ein braunes Pferd in einer Fertiggarage.

Kaum sind wir vor Ort, kommt die Bewohnerin des Hauses auf uns zu und betont: „Dem Pferd geht es gut. Mein Vermieter will es verkaufen, deswegen steht es so lange hier. Das Veterinäramt hat das genehmigt“, so die Frau die anonym bleiben will. Auslauf bekomme der zweijährige Hengst genug, auch ein zweites Pferd steht hinter dem Haus, das einen größeren Auslauf habe – die beiden Pferde würden täglich ihre Gehege wechseln. Die Tiere müssten im Garten und in der Auffahrt stehen, weil die Besitzer mit den Kaufinteressenten so nicht weit außerhalb zu den angeblichen Koppeln fahren müssten.

Dieses Foto der Garage ließ uns eine Leserin zukommen. Die Garage hat Standard-Größe, davor zumindest ein kleiner, improvisierter „Auslauf“.

 Wie lange die Tiere bereits so gehalten werden, wollte die Mieterin, die auch ein eigenes Pferd besitzt, nicht eindeutig beantworten. Es sei jedoch noch nicht lange. Dass es für Tierfreunde befremdlich wirken kann, dass die Pferde in einer kleinen Garage gehalten werden, könne die Mieterin des Grundstücks nicht verstehen.

Mehr noch: Tierschützer sollten sich lieber über den professionellen Reitsport empören, denn in diesen Kreisen würden die Tiere viel schlechter gehalten werden, wie die Felsbergerin sagt. „Aber da ist ja Geld im Spiel, da schaut dann niemand mehr hin“. Darüberhinaus sei ihrer Ansicht nach auch die Haltung von Pferden auf großen Reiterhöfen nicht artgerecht: „Die stehen da stundenlang, tagein tagaus in den kleinen, engen Boxen. Die Tiere hier haben mehr Platz zur Verfügung.“

Veterinäramt: „Haltung ist so in Ordnung “

Auf Nachfrage beim Veterinäramt des Schwalm-Eder-Kreises bestätigt Dr. Dirk Michael Kusan die Garagen-Haltung der Pferde. Räumt aber ein: „Bei der Haltung gibt es kleinere Mängel, die bei regelhaften Kontrollen aufgefallen sind. Diese sollen laut der Pferdehalterin aber umgehend behoben werden.“

Wir haken nochmals genauer nach: Die letzte Kontrolle soll ganz aktuell am vergangenen Mittwoch, 5. Juli, statt gefunden haben. Hierbei wurde festgestellt, dass die Auflagen von der Mieterin erfüllt wurden: „Aus unserer Sicht ist dort alles im grünen Bereich. Die Mängel, wie etwa die nicht gemistete Garage, wurden beseitigt“, erklärt Stefan Lautenschläger, Verwaltungsleiter vom Veterinäramt. Mehr noch: Nicht nur weil es verkauft werden soll, auch aus gesundheitlichen Gründen könne das Pferd nicht zusammen mit anderen auf einer Weide stehen. Genauere Details dazu dürfe man aus Datenschutzgründen nicht nennen. Wie lange das Pferd also noch in einer Garage stehen muss, bleibt offen.

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