Pläne nie realisiert: Bahnhof Dagobertshausen nur auf dem Papier

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Die Pläne sind da – ein Zug hat hier jedoch nie gehalten: Der Malsfelder Karl Mihm vor den Toren von Dagobertshausen. Hier sollte ein Bahnhof gebaut werden. Foto: Wiewiorska

Nie realisiert: Anfang des 20. Jahrhunderts sollte eine Kleinbahnstrecke zwischen Wabern und Malsfeld mit Bahnhof in Dagobertshausen entstehen.

Dagobertshausen. Vor den Toren des Malsfelder Ortsteils Dagobertshausen steht der ehemalige Landtagsabgeordnete Karl Mihm auf einer großen Wiese. Nur eine schmale Straße führt auf das 300 Seelen-Dorf zu. "Hier sollten eigentlich mal Schienen verlaufen und ein Bahnhof stehen", erklärt der Malsfelder.

Was im ersten Moment wie eine Räuberpistole  klingt, kann der 82-Jährige mit Dokumenten belegen. "Die Pläne schlummerten über Jahrzehnte auf dem Dachboden des ehemaligen Ostheimer Bürgermeisters Karl Ackermann, bis sie sein Enkel Jochen schließlich gefunden hat und an das Felsberger Stadtarchiv übergeben hat", erklärt Mihm. Offensichtlich habe bis zum Fund niemand von den Plänen gewusst.

"Als Bürgermeister muss er über die Haltepunkte Ostheim und Dagobertshausen informiert worden sein und hat die Pläne dann offensichtlich nicht an seinen Nachfolger weitergegeben", so Karl Mihms Theorie.

Nach dem Krieg hat das Geld gefehlt

Die Pläne für die Bahnlinie zwischen Malsfeld und Mosheim waren bereits im Jahr 1898 fertig, wie ein Stempel der Berliner Continentalen Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Gesellschaft auf den Dokumenten belegt. "Trotzdem ist etwa 15 Jahre lang nichts passiert. Erst 1914 hat der Gudensberger Landtagsabgeordnete Nöll den Bau der Bahn wieder auf die Agenda gehoben", erzählt Mihm. Die Planungen seien zu diesem Zeitpunkt schon sehr konkret gewesen.

Nicht nur der Streckenverlauf war festgelegt, auch Skizzen für die Lokomotiven und Waggons lagen vor."Sie hätten morgen anfangen können, doch dann kam der Krieg. Dann hat natürlich das Geld für ein solches Projekt gefehlt, sonst wären die Bahnstrecke und der Bahnhof in Dagobertshausen gebaut worden", ist sich der 82-Jährige sicher.

Warum die Bahnstrecke überhaupt geplant wurde, entzieht sich Mihms Kenntnis. "Der Umstand, dass so lange niemand von den Plänen Kenntnis hatte, macht es unmöglich, noch mit Zeitzeugen zu sprechen", sagt Mihm. Auch er könne nur spekulieren: "Eine Transportnutzung für Zuckerrüben und Basalt ist denkbar.

Aber vielleicht wollte man auch eine Anbindung für die Leute hier nach Kassel schaffen", erzählt der Malsfelder. Der ehemalige Landtagsabgeordnete hat sich damit abgefunden, dass er den wahren Grund wohl nie erfahren wird.

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