Die Polizei warnt vor „falschen“ Polizisten: „Mit der 110 rufen wir nie an!“

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Silke Lanz, Kriminaloberkommissarin und bei der Polizeidirektion Homberg für die Bearbeitung von Betrugsfällen zuständig, und Polizeipressesprecher Markus Brettschneider im Gespräch mit MB-Media-Redaktionsleiter Karsten Knödl.

Gleich zweimal waren Betrüger mit der „Polizisten-Masche!“ in den vergangenen Monaten im Schwalm-Eder-Kreis erfolgreich und ergaunerten Euro-Beträge im fünfstelligen Bereich. Wir haben mit der Polizei über die Betrugsmasche gesprochen.

Schwalm-Eder. Gleich zweimal waren „falsche“ Polizisten in den letzten Monaten im Schwalm-Eder-Kreis mit ihrer Betrugsmasche erfolgreich. Im Juni ergaunerten die Betrüger in Wabern von einer 77-Jährigen einen fünfstelligen Euro-Betrag. Und Mitte August war eine 79-jährige Melsungerin das Opfer: Auch dort lag die Höhe der Beute im fünfstelligen Bereich. Grund für uns, mit Polizeipressesprecher Markus Brettschneider sowie Silke Lanz, Kriminaloberkommissarin und bei der Polizeidirektion Homberg für die Bearbeitung der Betrugsfälle zuständig, zu sprechen.

HN: Wie erklären Sie sich die Zunahme der Betrugsfälle mit der Masche „falscher“ Polizist gerade in den letzten Monaten?

Brettschneider: Eine Erklärung für die Zunahme haben wir nicht unbedingt. Aber allein die Tatsache, dass wir mehrere „erfolgreiche“ Betrüge – oder auch nur Betrugsversuche – verzeichnen, veranlasst uns zum Handeln. Wir informieren über die Art und Weise, wie die Täter vorgehen und wollen gerade auch älteren Menschen – denn die sind meistens die Opfer – Tipps geben, wie sie es vermeiden können, diesen Betrügern auf den Leim zu gehen.

HN: Wie funktioniert die Masche der „falschen“ Polizisten denn?

Lanz: Zunächst versuchen die Täter, ältere Menschen ausfindig zu machen. Sie suchen im Telefonbuch nach alten Vornamen und rufen dann dort an. Im Display des Opfers erscheint die örtliche Vorwahl und dahinter die 110. Dafür nutzen die Täter eine spezielle Technik. Hat das Opfer abgenommen, behaupten die Betrüger beispielsweise, dass Geld- und Wertgegenstände bei den Opfern zuhause oder auf der Bank nicht mehr sicher seien oder auf Spuren untersucht werden müssten. Schließlich kommt ein vermeintlicher Polizeibeamter beim Opfer vorbei und verspricht dem Opfer Geld oder Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen. Dabei schrecken die Betrüger auch nicht davor zurück, gefälschte Dienstausweise vorzuzeigen.

HN: Und wie kann man sich vor den Betrügern schützen?

Lanz: Die Polizei ruft niemals mit der 110 an! Beim geringsten Zweifel, ob da tatsächlich eine Amtsperson vor einem steht, sollte man dessen Behörde anrufen. Dabei muss man die Telefonnummer der Behörde selbst heraussuchen oder sich diese von der Telefon­auskunft geben lassen. Wichtig: Der Besucher muss währenddessen vor der abgesperrten Tür warten! Außerdem sollte man wissen: Die Polizei bittet niemals um Geldbeträge. Brettschneider: Und niemals sollte man Geld an unbekannte Personen übergeben. Schon am Telefon sollte man keinesfalls etwas zu den eigenen finanziellen Verhältnissen sagen. Wenn man all diese Ratschläge beherrscht, hat man gute Chancen, kein Opfer zu werden

HN: Die Betrüger entwickeln ja immer neue Methoden. Was sind denn die neuesten Maschen, mit denen die Gauner versuchen, „Kasse“ zu machen?

Brettschneider: In Südhessen haben sich Betrüger zuletzt als Mitarbeiter von Pflegediensten ausgegeben, sich so Zugang zu Wohnungen verschafft und dann ältere Menschen bestohlen. Es ist zu erwarten, dass diese Betrugsmasche demnächst auch in Nordhessen ankommt. Ebenfalls neu: Personen kommen an die Haustür und stellen sich als die neuen Nachbarn vor. Wir raten: Grundsätzlich niemals Unbekannte in die eigene Wohnung lassen! Und beim geringsten Verdacht bei der Polizei anrufen.

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