Schall und Rauch: Freiwillige Feuerwehr Bischhausen aufgelöst

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Nach 111 Jahren hat sich die Freiwillige Feuerwehr Bischhausen aufgelöst. Der Grund: Wehrführer Fritz Schneider durfte nicht im Dienst bleiben.

Bischhausen.Die Luft auf der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Bischhausen hat gebrannt. Löschen wird sie in Zukunft keiner mehr. Denn: Seit Samstag gibt es die Freiwillige Feuerwehr Bischhausen nicht mehr. Nachdem Wehrführer Fritz Schneider, der 23 Jahre lang im Amt war, zurückgetreten ist, folgten ihm sowohl sein Stellvertreter Dennis Schmidt als auch die elf übrigen Kollegen der Wehr.

Der Grund: Der ehemalige Wehrführer Fritz Schneider wird im März 60 Jahre alt und müsste laut dem "Hessischen Brandschutz- und Katastrophenschutzgesetz" (HBKG) einen Nachfolger bestimmen. Das Gesetz wurde jedoch 2013 geändert und räumt damit die Möglichkeit ein, die Amtszeit bis zum 65. Lebensjahr verlängern zu lassen. Fritz Schneider habe im November beim Gemeindevorstand beantragt, die Dienstzeit zu verlängern.

In einer nicht öffentlichen Sitzung des Gemeindevorstandes ist dieser Antrag im Dezember abgelehnt worden. "Ein dienstliches Interesse zur Verlängerung der Dienstzeit als Wehrführer ist für uns nicht ersichtlich, somit endet Ihre Dienstzeit als Wehrführer am 10. März 2016", lautet die Begründung im Schreiben des Bürgermeisters. "Das Schreiben wurde mir nicht einmal persönlich zugestellt. Ich habe es Mitte Januar im Postfach der Feuerwehr gefunden – zwischen belanglosen Werbeblättchen", sagt Schneider. Er habe auch, wie gefordert, seine Leistungsfähigkeit ärztlich bescheinigen lassen.

"Bis heute hat der Gemeindevorstand nicht begründet, warum mein Antrag abgelehnt wurde", sagt der ehemalige Wehrführer. "Nach 23 Jahren Dienstzeit so abgefertigt zu werden, ist ein Schlag ins Gesicht." In einem Brief an den Bürgermeister der Gemeinde äußern Schneider und seine Feuerwehrkameraden ihren Unmut und ihre Enttäuschung.

Besonders prangern sie Aussagen des Gemeindebrandinspektors (GBI) Benjamin Schulte an: "Das Statement, welches Benjamin Schulte in seiner Stellung als GBI über die Gesamtsituation der Freiwilligen Feuerwehr Bischhausen abgab, hat uns gleichermaßen schockiert, wie auch zutiefst getroffen. Seinen Ausführungen zufolge soll die Freiwillige Feuerwehr Bischhausen einen schlechten Ausbildungsstand haben, an gemeinsamen Ausbildungsveranstaltungen nicht teilnehmen, bewusst bei Alarmierungen nicht ausrücken, nicht am Gemeindepokal teilnehmen und sich auch sonst von der allgemeinen Feuerwehrarbeit der Gemeinde Neuental distanzieren."

Das sagt Bürgermeister Kai Knöpper zu den Vorwüfen:

Ganz anders sieht das Neuentals Bürgermeister Kai Knöpper: "Der Gemeindevorstand hat Herrn Schneider schon vor etwa fünf Jahren mitgeteilt, dass er einen Nachfolger bestimmen und ausbilden lassen muss." Daher sei laut Knöpper keine Rechtfertigung der Antragsablehnung erforderlich. "Herr Schneider weiß, dass er früher oder später sein Amt beenden muss. Doch wir sehen seinerseits keine Ambitionen einen Nachfolger auszubilden. Das hat er in den vergangenen Jahren nicht getan und jetzt auch nicht", erklärt Knöpper. Dementsprechend habe der Gemeindevorstand entschieden, Schneiders Antrag abzulehnen.

"Im HBKG  ist auch nur geregelt, dass der Wehrführer beantragen darf, weiterhin im Feuerwehrdienst zu sein – nicht aber weiterhin Wehrführer zu bleiben. Die Einsatzabteilung hätte ihn im Anschluss wählen müssen", sagt Knöpper. Es sei längst an der Zeit, dass ein junger Nachfolger das Amt übernehme, ergänzt Knöpper. "Ich weiß von mindestens zwei Mitglieder, die das Amt hätten übernehmen können. Wir hätten ihnen auch die Karenzzeit der zwei Ausbildungsjahre eingeräumt", betont Neuentals Bürgermeister.

Auch sei Knöpper von seinen Vorstandskollegen enttäuscht. Die Informationen über die Äußerungen von GBI Schulte, die im Brief der Freiwilligen Feuerwehr Bischhausen angeprangert würden, seien nicht nur nach außen getragen worden, sondern auch nicht richtig. "Ein Mitglied des Gemeindevorstandes scheint da die Schweigepflicht missachtet zu haben", sagt der Bürgermeister.

Schultes Aussagen seien die Antwort auf die Frage gewesen: "Ist die Einsatzabteilung Bischhausen durch die Kompetenz der übrigen Wehren ausgleichbar?" Das heißt: Können die übrigen Feuerwehren Neuentals in den gesetzlich vorgegebenen zehn Minuten vor Ort sein.

Der Gemeindevorstand habe nicht mit dem Gedanken gespielt, die Einsatzabteilung in Bischhausen zu schließen – im Gegenteil. "Wenn den Kameraden der Brandschutz am Herzen gelegen hätte, hätten sie an den gemeinsamen Ausbildungsveranstaltungen der Feuerwehr Neuental teilgenommen. Es gibt eine Feuerwehr Neuental. Die Feuerwehr Bischhausen ist Teil davon. Es gehört dazu, dass man sich gemeinsam fortbildet", erklärt Knöpper.

Dass es die Feuerwehr Bischhausen nicht mehr gibt, sei das Resultat der Trotzhaltung der ehemaligen Mitglieder.

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