Mit der Initiative ProAbschluss kann man jetzt den Berufsabschluss nachholen

+
Bei der Firma Lobmeier wurden gerade die Maschinen und Anlagen gründlich gewartet, überholt und verbessert. Hier erhielt Christian Scheliga den Auftrag, sich darum zu kümmern. Firmenchef Jörg Lobmeier: „Das hat er mit Bravour gelöst.“

Das Land Hessen hat jetzt eine Initiative auf den Weg gebracht, mit der ungelernte Arbeitskräfte eine Berufsabschluss nachholen können. Wir sprachen mit einem, der das gerade macht.

Edermünde. In Edermünde bereitet Bautechnik Lobmeier e. K. Abbruchmaterial aus dem Bau auf und macht daraus neue Baustoffe. Mit seinen innovativen Methoden hat sich das mittelständische Unternehmen deutschlandweit einen Spitzenplatz erarbeitet. Die modernen Anlagen müssen gut bedient und gewartet werden, doch Fachkräfte sind nicht leicht zu finden. Lobmeier kam daher auf die Idee, einen ungelernten Mitarbeiter zur Fachkraft nachzuqualifizieren. Christian Scheliga arbeitet seit zwei Jahren beim Unternehmen. Ende Herbst 2016 begann er damit, seine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer nachzuholen. Mit Beratung und finanziellen Hilfen unterstützt dabei die Initiative ProAbschluss des Landes Hessen.

Wir sprachen mit den Beteiligten über die aktuelle Situation, über ihre Motive, das Programm in Anspruch zu nehmen und über erste konkrete Ergebnisse.

Herr Scheliga, Sie haben mit 29 Jahren eine Berufsausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer angefangen, während sie parallel ihren Beruf ausüben. Wie kam es dazu?

Scheliga: Mein Chef, der Herr Lobmeier, hat mich da mehr oder weniger ins kalte Wasser geworfen. Ich habe ja leider noch keinen Berufsabschluss.

Lobmeier: Christian Scheliga kam vor zwei Jahren als ungelernter Radladerfahrer und Verlader in unser Unternehmen. Schnell haben wir festgestellt, dass er eigentlich mehr ist als nur Radladerfahrer. Er hat sich sehr für unsere Anlagen- und Maschinentechnik interessiert, ein Bereich, in dem wir gerade eine qualifizierte Kraft gesucht haben. Also haben wir uns zusammengesetzt, um Möglichkeiten zu besprechen, ob und wie er eine Ausbildung als Maschinen- und Anlagenführer machen könnte.

Bildergalerie zur Initiative „ProAbschluss“

 © Kontrast Fotodesign (nh)
 © Kontrast Fotodesign (nh)
 © Kontrast Fotodesign (nh)
 © Kontrast Fotodesign (nh)
 © Kontrast Fotodesign (nh)
 © Kontrast Fotodesign (nh)
 © Kontrast Fotodesign (nh)
 © Kontrast Fotodesign (nh)
 © Kontrast Fotodesign (nh)
 © Kontrast Fotodesign (nh)
 © Kontrast Fotodesign (nh)
 © Kontrast Fotodesign (nh)
 © Kontrast Fotodesign (nh)

Und wie kam die hessische Förderinitiative ProAbschluss ins Spiel, die berät und einen Teil der Ausbildungskosten übernimmt?

Lobmeier: Durch Frau Asel haben wir vom Programm ProAbschluss erfahren. Wir kamen dann mit der Jugendwerkstatt Felsberg in Kontakt, die einen Plan zur Ausbildung gemacht hat, der sich mit unseren Betriebsabläufen verträgt.

Asel: ProAbschluss hat hier viel besser gepasst als andere Förderprogramme, weil es so flexibel ist. ProAbschluss übernimmt zwar einen Teil der Ausbildungskosten, aber Lobmeier wird den anderen Teil tragen. Außerdem unterstützt das Unternehmen Herrn Scheliga in der Form, dass es ihn einen Tag in der Woche für die Nachqualifizierung freistellt.

Wie läuft die Ausbildung neben dem Beruf denn eigentlich genau ab? Wie muss man sich das vorstellen?

Scheliga: Jeden Tag nach der Arbeit setze ich mich zu Hause hin, eine Stunde oder zwei, mit den Büchern und lerne. Erst dann habe ich Zeit für meine Familie. Und jeden Freitag bin ich von 8.30 Uhr bis 13.30 Uhr im Unterricht.

Scholz: In unserer Bildungsstätte vermitteln wir fachtheoretische Kenntnisse und führen praxisbezogene Übungseinheiten durch. Wir halten uns an den Ausbildungsrahmenlehrplan zum „Maschinen- und Anlagenführer“ und haben fünf Module entwickelt, die wir Herrn Scheliga im individuellen Einzelunterricht vermitteln.

Lobmeier: Für die Dauer seiner Ausbildung haben wir Herrn Scheliga am Freitag komplett aus dem praktischen Betriebsablauf herausgenommen. Das ist sein Ausbildungstag. Wenn er dann nach dem Unterricht gegen 14 Uhr wieder ins Unternehmen kommt, frage ich nach, was behandelt wurde und wir sprechen manches noch mal durch.

Herr Scheliga, fällt Ihnen das Lernen eigentlich schwer? Sie sind ja schon einige Zeit aus der Schule heraus. 

Scheliga: Das war in den ersten Wochen ungewohnt, inzwischen habe ich mich aber reingefuchst.

Was sagen eigentlich die Kollegen dazu, dass Sie jetzt plötzlich eine Ausbildung machen, wo Sie doch schon seit zwei Jahren im Unternehmen arbeiten?

Scheliga: Alles sehr positiv. Ich bekomme großen Rückhalt, meine Kollegen stehen alle hinter mir. Lobmeier: Er wird höchstens mal scherzhaft auf den Arm genommen, dass er jetzt der „Lehrling“ ist.

Was hat sich praktisch im Betrieb für Sie verändert, seit Sie Ihre Ausbildung machen? Konnten Sie schon neue Kenntnisse anwenden?

Scheliga: Mit dem was ich jetzt schon durchgenommen habe, ist vor allem meine Sicherheit gewachsen im täglichen Arbeitsablauf.

Sie stehen für die ProAbschluss-Berufsausbildung: (v.l.) Martin Scholz (Bildungsträger Jugendwerkstatt Felsberg), Christian Scheliga (ungelernter Mitarbeiter bei Bautechnik Lobmeier), Jörg Lobmeier (Unternehmensinhaber Bautechnik Lobmeier e. K.) und Susanne Asel (Bildungscoach Schwalm-Eder-Kreis).

Lobmeier: Die ersten Erfolge haben sich schon ganz klar gezeigt. Gerade haben wir wie jedes Jahr unsere Maschinen und Anlagen gründlich gewartet, überholt und verbessert. Hier erhielt Christian den Auftrag, sich darum zu kümmern. Und sehr schnell hat er andere Messtechniken und andere Rechentechniken angewandt und wusste, wie das alles zu machen ist, da konnte ich nur noch sagen: „Mach das mal so.“

Gibt es einen Tipp für die, die darüber nachdenken, eine Ausbildung nachzuholen?

Scheliga: Einfach machen, so wie ich auch. Das ist der einzige Rat. Man muss nur den Mumm dafür haben, sich zusammenreißen, dann wird das schon.

Scholz: Es verlangt natürlich eine hohe Einsatzbereitschaft, übrigens nicht nur für die Teilnehmenden, sondern auch für die Bildungsträger. Auch ich kann aber nur allen empfehlen, es einfach auszuprobieren. Ein Berufsabschluss ist ein gutes Ziel, das sich lohnt, anzustreben. Die Unterstützung vom Betrieb ist dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Lobmeier: Unternehmen kann ich meinerseits empfehlen, etwaige Vorbehalte beiseite zu schieben. Mit einer Berufsbildung entwickelt man doch seine Leute und schafft den Interessierten eine Perspektive im Unternehmen. Man sollte überhaupt immer darüber nachdenken, vorhandenes Personal zu qualifizieren. Das zahlt sich auf jeden Fall aus.

Asel: Viele Menschen in Hessen stehen an der gleichen Stelle. Soll ich mich in meinem Arbeitsgebiet jetzt noch qualifizieren? Die Antwort lautet in den meisten Fällen „Ja“. Hier kann die Initiative ProAbschluss helfen, denn Interessierte werden individuell beraten, es werden Bildungsangebote zusammengestellt, es gibt finanzielle Unterstützung und die Beratungskräfte stehen ihnen, über die ganze Qualifizierungszeit, mit Rat und Tat zur Seite.

Weitere Infos bei Susanne Asel (Landkreis) unter Tel. 05681-775478 oder im Internet unter: www.proabschluss.de

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Vier Tage Party – Kirmesteam Wichdorf lädt zur 16. Zeltkirmes ein

Großen Hütten-Gaudi am Freitagabend und Burschenschaftsabend mit „The Tequilas“ am Samstag sind die Highlights.
Vier Tage Party – Kirmesteam Wichdorf lädt zur 16. Zeltkirmes ein

Gudensberg: Carin Gruddas „Blau Miau“ ist umgezogen

Skulptur der Gudensberger Künstlerin steht jetzt nicht mehr an der Bushaltestelle am Rathaus sondern am Ortsrand auf dem Firmengelände von Rudolph Logistik.
Gudensberg: Carin Gruddas „Blau Miau“ ist umgezogen

Neunjähriger hat Tetraspastik – jetzt soll Geld für neue Delphin-Therapie zusammenkommen

Am kommenden Samstag findet in Fritzlar-Haddamar ein „Benefiztag“ für den kleinen Tamino statt.
Neunjähriger hat Tetraspastik – jetzt soll Geld für neue Delphin-Therapie zusammenkommen

In Niedenstein treibt ein Wilderer sein Unwesen – die örtliche Jägerschaft macht jetzt mobil

Der Unbekannte hat schon mindestens einen Rehbock und zwei Wildschweine geschossen und liegengelassen. Würde er auch auf Menschen schießen, wenn er erwischt wird?
In Niedenstein treibt ein Wilderer sein Unwesen – die örtliche Jägerschaft macht jetzt mobil

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.