„Sondergebiet Hygiene“: Dr. Schumacher geht von positiver Entscheidung für Unternehmen in Beiseförth aus

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Deutlich vergrößert: Die Dr. Schumacher GmbH in Beiseförth hat ihr Betriebsgelände erweitert, unter anderem, um die Produktion zu erhöhen. Die Grünen sehen ein erhöhtes Gefahrenpotenzial für die Anwohner, die Bürgerschaft fürchtet zu viel Verkehr.

Die Diskussionen um die Erweiterung der Beiseförther Dr. Schumacher GmbH reißen nicht ab. Zu viel Verkehr und zu hohe Gefahren für die Bewohner lautet der Tenor von Bürgerinitiativen und Grünen. Jetzt bezieht Dr. Schumacher Stellung.

Malsfeld-Beiseförth. Der Desinfektions- und Hygienemittelhersteller Dr. Schumacher im Malsfelder Ortsteil Beiseförth hat sein Betriebsgelände am Stammsitz deutlich von 6.500 auf 13.500 Quadratmeter erweitert. Das Unternehmen möchte damit die Produktion um 50 Prozent steigern. Das Problem: Der Neubau darf aktuell lediglich als Lager und Büro genutzt werden. Die Erweiterung der Produktion liegt auf Eis.

Der Grund: Das Bundesimmissionsgesetz hat sich geändert und das Gebiet muss zuerst in ein sogenanntes „Sondergebiet Hygiene“ umgewandelt werden. Dafür müsste der Bebauungsplan für das Areal geändert werden. Das Verfahren läuft noch, wie uns Dr. Schumacher bestätigt.

Gegenwind von Bürgern und Grünen

Mit der Erweiterung des Betriebes erhöht sich auch das Verkehrsaufkommen. Mehrere Varianten einer Umgehungsstraße wurden lange diskutiert. Das Thema ist aktuell auch noch nicht vom Tisch. Vor Kurzem hat die Gemeinde Malsfeld ein Verkehrskonzept erarbeitet, das unter anderem einen Kreisverkehr in der Dorfmitte am Gasthaus „Zum Goldenen Löwen“ sowie ein Leitsystem für Lkw-Verkehr bei Dr. Schumacher vorsieht (siehe EXTRA-INFO).

Seit Monaten sieht sich das Unternehmen heftigem Gegenwind ausgesetzt. Bürgerinitiativen haben sich im vergangenen Jahr im Ort und im benachbarten Dagobertshausen gegründet, die gegen den Bau einer Umgehungsstraße und die Schaffung eines „Sondergebietes Hygiene“ mobil machen.

Zudem hagelt es Kritik von der Kreistagsfraktion der Grünen. Die äußerte vor einigen Wochen in einer Anfrage an den Kreistagsvorsitzenden Michael Kreutzmann unter anderem Sicherheitsbedenken. Ebenso wird Dr. Schumachers Einstufung als meldepflichtiger „Störfallbetrieb“ thematisiert.

„Störfall-Betrieb“ nicht gleich besonders „störanfällig“

Das Beiseförther Unternehmen bezog kürzlich gegenüber unserer Zeitung Stellung zur jüngsten Kritik aus der Politik. Dr. Schumacher bestätigt, tatsächlich als sogenannter „Störfall-Betrieb“ seit Oktober 2017 eingestuft zu sein.

Das Unternehmen erklärt: „Aus der Einordnung kann aber nicht geschlossen werden, dass es in ‘Störfall-Betrieben’ bereits zu ‘Störfällen’ oder Unfällen gekommen oder ein ‘Störfall-Betrieb’ besonders ‘störanfällig’ ist.“ Es gehe lediglich darum, ob in einem Betrieb mit gewissen Mengen von als gefährlich eingestuften Stoffen umgegangen werde.

Nach den Gemeindeplänen soll  die Straße aufgefräst werden, damit auch vier Meter hohe Lkws durchpassen.

Die Umwandlung in ein „Sondergebiet Hygiene“ sei hingegen existenziell. „Mit der Ausweisung als ‘Sondergebiet Hygiene’ soll langfristig die Zukunft des Betriebes am Standort mit Erweiterungsmöglichkeiten gesichert werden. Für jede beabsichtigte Betriebsänderung, sei es die Errichtung von Gebäuden oder die Änderung der Nutzung, werden von der Dr. Schumacher GmbH die erforderlichen Genehmigungen eingeholt“, so das Unternehmen.

Man halte sich sehr genau an die Richtlinien und Vorgaben und erfülle alle rechtlichen Anforderungen. Aus diesem Grund gehe man davon aus, die entsprechenden Genehmigungen erhalten zu können, macht der Hygienemittelhersteller deutlich.

EXTRA-INFO

Teile des Verkehrskonzeptes der Gemeinde

Das Verkehrskonzept der Gemeinde Malsfeld sieht unter anderem vor den Wirtschaftsweg hinter dem Bahndamm zur Einbahnstraße in Richtung Dr. Schumacher zu machen. Eine Zufahrt für das Unternehmen am Bahndamm soll folgen. Zuvor müsste jedoch unter dem Viadukt die Straße aufgefräst werden. Weiterhin sieht das Konzept vor, dass alle Verkehrsteilnehmer, die von der B 83 über die Fuldabrücke kommen, nicht mehr in die Brunnenstraße fahren können. Sie werden über den geplanten Kreisel am „Goldenen Löwen“ geleitet und gelangen so in Richtung Malsfeld.

Zwischenruf von Ulf Schaumlöffel

Wie ein Bürgermeister eine Dorfstruktur verändert

Da fragt man sich doch langsam, ob sich Malsfelds Bürgermeister ein Denkmal setzen will. In dem er aus einem ehemaligen Luftkurort ein Industriedorf machen will. Damit ein örtlicher Chemiebetrieb seine Erweiterung zum Sondergebiet Hygiene bekommt, gehört es zu den Voraussetzungen, dass ein Verkehrswegekonzept geschaffen wird, dass den Lkw Zu- und Ablieferverkehr regelt.

Enge Straße: Das Verkehrskonzept der Gemeinde Malsfeld sieht einen Kreisel vor der Gaststätte "Zum Goldenen Löwen" vor.

Mit dem von der Gemeinde beabsichtigten Konzept soll also nun nicht nur ein Bahndamm-Viadukt unterfräst werden, damit künftig auch vier Meter hohe Lkws durchkommen. Nein, der Bürgermeister möchte in dem kleinen Dorf Beiseförth auch den Ortskern nachhaltig verändern – einen Kreisel einrichten – direkt vor dem Restaurant „Zum Goldenen Löwen“. Und die abfahrenden Lkws sollen durch eine enge Straße.

Nicht nur der Wirt vom Löwen, sondern auch die Anwohner der Straße werden das ihrem Bürgermeister sicherlich danken. Merkt der eigentlich noch, wie er nach und nach eine komplette Dorfstruktur verändert? Und all das nur, weil er es versäumt hat (vielleicht vergessen?!), einen Industriebetrieb bzw. dessen Ausweitung rechtzeitig ins Industriegebiet nach Ostheim zu schicken! Da Ostheim zu Malsfeld gehört, hätte er noch nicht mal sinkende Gewerbesteuereinnahmen fürchten müssen!

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