Vom Sozialpädagogen zum Goldgräber

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Moritz Gräbe mit seiner Nachbarin Antonia Meinen, die ihm – in ihrer Melsunger Goldschmiedewerkstatt – an der Werkbank einige Tricks und Kniffe zeigt, um aus dem mitgebrachten Gold einen Ring zu fertigen.

Der Melsunger Goldgräber Moritz Gräbe zieht im Interview Bilanz aus seiner Zeit in Yukon.

Melsungen. „Es war schon eine geile Zeit“, schwärmt der Melsunger Moritz Gräbe von seiner Zeit in Kanada. Der 34-Jährige ist seinem Wunsch nach Freiheit gefolgt und hat im Rahmen der DMAX-Sendung „Goldrausch am Yukon - Das Abenteuer deines Lebens“ das Graben nach Gold gelernt und schließlich den Sieg der Sendung – und eine damit verbundene prozentuale Beteiligung in der nächsten Goldsaison – geholt (wir berichteten). Im Interview mit unserer Zeitung hat der Melsunger Bilanz aus seiner Zeit in Yukon gezogen.

Wie kommt man eigentlich darauf, sich für eine Goldgräber-Sendung zu bewerben?

Ziemlich spontan. Auf DMAX lief das amerikanische Original der Sendung und da gab es einen Aufruf zur Bewerbung für eine deutsche Variante. Und dann ging der Bewerbungsprozess los.

Was gehörte denn zum Bewerbungsprozess?

Es gab den üblichen Mail-Verkehr. Dann noch einen Fragebogen der Castingagentur mit ziemlich komplexen Fragen zu Motivation, Verhalten in der Gruppe, Umgang mit Stress und so. Drei bis vier Stunden hat die ehrliche Beantwortung schon gedauert. Ein Bewerbungsvideo gab es auch noch. Ich hatte das Gefühl, dass gute Menschen für die Show gesucht werden. An Kanada war ich schon immer fasziniert. Außerdem lag mein Fokus darauf, Goldschürfen zu lernen und dort zu arbeiten – also eben kein Showtourist zu sein.

Wie kam es schließlich zur Zusage?

Zum Abschluss musste ich mich in München der Produktionsfirma vorstellen. Anschließend war für zwei Wochen erst einmal Ruhe, bevor es das Go gab. Acht Wochen hat der Bewerbungsprozess gedauert – das war Januar oder Februar 2018.

Wann ging dann der Flug nach Kanada?

Am 1. Juli ging der Flug - bis 13. August war ich in Kanada.

Und Ihre Meinung zum harten Goldgräberleben im kanadischen Yukon?

Klar waren die Arbeitstage mit zwölf bis 16 Stunden körperlich anstrengend, aber für mich war es einfach. Da konnte ich durchatmen. In Deutschland ist man immer an ein System angeschlossen, aber am Yukon war ich frei. Es ist ein einfacheres und entspannteres Leben. Man muss schon Bock auf den Dreck haben.

Und was wurde aus dem mitgebrachten Gold?

Das habe ich zusammen mit Antonia Meinen, die neben meiner Melsunger Wohnung eine Goldschmiedewerkstatt hat, zu einem Ring geschmiedet.

Was ist Ihr Ziel für dieses Jahr?

Ganz klar: Ein komplettes Jahr in Kanada zu sein. Doch das sei gar nicht so leicht. Die nächste Goldsaison von Mai bis September ist im groben Umfang zwar schon geklärt, was beispielsweise Arbeitsvisum und Zeitraum angeht, aber nach der Saison will ich in Kanada bleiben. Dafür brauche ich einen Job für die Wintersaison. Wie schnell und ob ich den finde, weiß ich noch nicht. Vielleicht arbeite ich als Sozialpädagoge in einem ‘Wildness Camp’ – einer stationären Jugendhilfe in der Nähe von Dawson. Und wie das mit dem Visum läuft, weiß ich momentan auch noch nicht.“

Bleiben Sie nur für ein Jahr oder wollen Sie auswandern?

Wenn ich die Chance bekomme, bleibe ich in Kanada. Das beste Szenario wäre, dass ich in der Goldsaison so viel Gold finde, dass ich über die Wintersaison komme, aber das ist unwahrscheinlich. Die Betriebskosten von circa 300.000 Euro müssen erst reingeholt werden und so weit draußen ist vieles eine Ecke teurer.

Also können Sie sich vorstellen, jedes Jahr als Goldgräber zu arbeiten? 

Natürlich. Es war eine Arbeit, die mir einfach Spaß gemacht hat, auch wenn wir abends meist nur noch in unsere Zelte gefallen sind. Was sagen Ihre Kinder zu Ihren Auswanderplänen? Meine beiden Jungs kommen mich in den Sommerferien – gemeinsam mit meiner Mutter – in Kanada besuchen. Und, ganz ehrlich, für Teenager ist man als Vater ohnehin nur noch Versorger. Mit mehr Kohle kann ich ein besserer Versorger sein.

Und, wenn sie wollen, können sie nach Kanada kommen.

So wurde aus Moritz’ Gold ein Ring

Eine gar nicht so leichte Aufgabe, wie uns die Melsunger Goldschmiedin Antonia Meinen erzählt: „Moritz hat die 15 Gramm Goldnuggets zu einer Stange gegossen und die dann mit einer Walze zu einem Vierkantprofil gewalzt. Anschließend hat er das Metall weich geglüht und direkt danach mit einer Ringbiegezange zu einem Ring geformt.“

Direkt aus der Erde: Aus 15 Gramm Goldnuggets – geschürft im kanadischen Yukon – hat Moritz Gräbe in Melsungen einen Ring gefertigt.

Zusätzlich gab es noch eine Fazierung mit Buchstabenstempel und dem Wort „Gold“.

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