„Es ist nie zu spät, das Richtige zu lernen“: Rund 200 Besucher bei der Klimakonferenz des Forst- und Umweltdienstes Borken

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Setzen sich für eine lebenswertere Zukunft ein: (v. li.) Dr. Dietrich Schmidt, Landrat Winfried Becker, Manfred Möller-Sauter, Gerald Dunst, Thomas Ranft, Michael Schramek und Michael Möller.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Sozial, ökologisch und nachhaltiges Handeln - mit diesem Motto will Geschäftsführer Manfred Möller-Sauter (li.) und sein Team vom Forst- und Umweltdienst die Welt jeden Tag ein kleines Stück besser machen.

Borken. Es sollte keine übliche Party mit Häppchen und Sekt werden, dieser 30. Geburtstag des Borkener Forst- und Umweltdienstes. Es gab zwar Laugenbrezeln und selbstgepressten Apfelsaft aber das Hauptaugenmerk der rund 200 Gäste lag auf den drei Referenten, die die Geschäftsführer Manfred Möller-Sauter und Michael Müller im Rahmen ihrer Klimakonferenz nach Borken eingeladen hatten.

Begleitet von hr-Moderator Thomas Ranft sprachen sie über ihre ökologischen und ökonomischen Projekte, die gleichsam Beispiel für weitere Regionen sein sollen. „Wenn Sie allerdings erwarten, dass wir Ihnen heute Abend die ultimative Lösung für das Klimaproblem bieten, muss ich Sie leider enttäuschen. Ich hoffe aber, dass wir es schaffen, Einsichten zu vermehren und Sichtweisen zu erweitern“, moderierte Ranft die Klimakonferenz an.

Unter den Gästen war auch Borkens Bürgermeister Marcel Pritsch-Rehm mit seiner Frau.

Gerald Dunst, Geschäftsführer des Kompost- und Erdenwerks Sonnenerde, machte den Anfang mit seinem österreichischen Modellprojekt „Humusaufbau“, bei dem große Mengen an CO² in den Boden gebunden werden können. Mit 14 habe er Gott versprochen, sich um das Heil der Erde zu kümmern. Seitdem sei der Boden und dessen Leben seine Nummer eins. Seine Frau mache das mit, solange sie immer die Nummer zwei bleibe, leitete der Landwirt noch amüsant seine Präsentation ein.

Nach jedem Vortrag konnten Fragen gestellt werden. Auch der Borkener Landwirt Adolf Lux hatte nach dem Vortrag von Gerald Dunst noch eine Frage zum landwirtschaftlichen Anbau.

Kurz danach wurde er aber ernst. Die gezeigten Bilder zeigten die Auswirkungen der Klimakatastrophe deutlich. Seine Lösung: Humusaufbau mit Pflanzenkohle zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit. „Der Bauer ist der, der die Welt retten kann, indem er das CO² aus der Luft in den Boden bringt. Der Landwirt ist so ein Klimawirt“, so die Überzeugung des Österreichers. In der Ökoregion Kaindorf nehmen schon 200 Landwirte auf 2.500 Hektar Fläche an seinem Modellprojekt teil. Die verbesserte Bodenstruktur sowie höhere Wasser- und Nitratspeicherung führen zu höheren Erträgen und gesünderen Lebensmitteln, verdeutlicht Dunst die Erfolge und hofft auf eine Ausweitung nach Deutschland, denn „es ist nie zu spät, das Richtige zu lernen“, so Dunsts Überzeugung.

Während der Pause stand bei vielen hr-Moderator Thomas Ranft im Mittelpunkt.

Michael Schramek vom Jesberger Verein Vorfahrt für Jesberg und Gründer der Firma „Eco Libro“ konnte mit einem breit gefächerten Fuhrpark auftrumpfen: e-Faltrad, e-Las-tenrad, e-Vespa, VW Caddy, e-Smart und sogar ein Ford-Kleinbus stehen ihm zur Verfügung – dank des ­Sharing-Sys­tems in Jesberg. 2016 hatte er die Idee, die oft stehenden Autos in Jesberg sinnvoll zu nutzen. Mittlerweile hat der Verein über 60 Mitglieder und macht Jesberg so zur Sharing-Hauptstadt Deutschlands.

Der letzte Vortrag von Dr. Dietrich Schmidt, Abteilungsleiter vom Kasseler Fraunhofer Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik, befasste sich mit der Wärmewende im Gebäudestand. „Der Gebäudesektor ist mit 40 Prozent der höchste im Endenergiebedarf“, verdeutlichte Schmidt. Der größte Teil wird dabei für die Wärmeerzeugung genutzt.

Um das Klimaziel 2030 zu erreichen, müsse laut Schmidt gänzlich auf fossile Brennstoffe verzichtet werden. Statt der heute vielmals genutzten Ölheizungen will er auf Strom als Primärenergiequelle setzen. Wärmepumpe seien für ihn die beste Heizlösung für die Zukunft.

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