Speedmarathon: Fünf Prozent der Fahrer im Schwalm-Eder-Kreis geblitzt

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Polizeihauptkommissar Dirk Daniel steht am mobilen Blitzgerät, das am Mittwoch in einer Stunde elf Fahrzeuge mit mehr als 70 Stundenkilometern erwischte.

Auch in diesem Jahr wurden beim Speedmarathon der Polizei weniger Verstöße als bei unangekündigten Kontrollen registriert. Die Aktion soll vor allem für Gefahrenstellen sensibilisieren.

Morschen/Alheim. Es dauert nur wenige Minuten und schon sind die mobilen Blitzer der Polizei für beide Fahrtrichtungen auf der B83 aufgebaut. Die Polizei steht dabei gut sichtbar an einem Parkplatz zwischen Morschen und Alheim, kurz vor der Kreisgrenze.

Zum Speedmarathon am vergangenen Mittwoch wurde im Schwalm-Eder-Kreis über den Tag hinweg an 15 verschiedenen Stellen geblitzt.

„Wir haben überwiegend Messstellen ausgewählt, bei denen die Unfallgefahr besonders hoch ist. 2009 verstarb sogar jemand hier“, erklärt Polizeihauptkommissar Dirk Daniel, der mit seinen Kollegen nachmittags zwischen Morschen und Alheim kontrollierte. „Wir wollen niemanden bestrafen“, betont Daniel, „nur für Gefahrenstellen sensibilisieren.“ Ein Bußgeld erwartet Raser aber trotzdem.

Binnen einer Stunde wurden dort auch 13 Fahrzeuge geblitzt. Der schnellste fuhr 96 Stundenkilometer statt den zulässigen 70. Auffällig ist dabei, dass von den 13 Fahrern elf in Richtung Morschen unterwegs waren. Nur zwei wurden in Fahrtrichtung Alheim geblitzt.

Dies könnte daran liegen, dass das Auto der Polizei in Richtung Alheim maß und auffälliger ist, als ein Blitzer auf einem Dreibeingestell auf der anderen Straßenseite. Dabei geben sich die Polizis­ten mit der Entwicklung sehr zufrieden. „Durch Schilder und Kontrollen wurde die Unfallbelastung mit den Jahren an dieser Stelle spürbar besser“, ergänzt Daniel.

Auf der anderen Straßenseite ist der Blitzer für die Gegenfahrbahn aufgebaut. V.li.: Thomas Junghans, Michael Schade und Dirk Daniel kontrollierten zum Speedmarathon unter anderem zwischen Morschen und Alheim.

Bei den Blitzern wird Technik verwendet, wie sie auch bei den Enforcement Trailern (Autobahnblitzer) und in den modernen Blitzersäulen verbaut ist. Diese Geräte können drei Spuren gleichzeitig erfassen, da sie pro Sekunde breitgefächert 56 Laser aussenden. „Es gibt auch Systeme, die nach hinten blitzen, aber die benutzen wir heute nicht“, berichtet Polizist Michael Schade.

Durch die verwendete Technik entgehe niemand den Kontrollen. „Je nachdem wie viele der ausgesendeten Lasser zurückkommen, weiß das Gerät auch, ob ein Pkw oder ein Lkw vorbeifährt. Das ist besonders praktisch, wenn für Lkw andere Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten, als für Pkw“, so Schade. Auch Überholmanöver sind damit erkennbar.

Das Gerücht, Lkw würden oft nicht geblitzt, ist für die Polizis­ten damit entkräftet. „Vorbeifahrende Lkw können den Anschein erwecken, dass sie viel schneller unterwegs sind als Pkw. Das liegt aber nur an der Größe und dem damit verbundenen höheren Lärmpegel“, sagt Daniel. Wer geblitzt wird und dabei nicht angeschnallt ist oder mit dem Handy am Ohr telefoniert, muss mit einer zusätzlichen Strafe rechnen. „Mittlerweile ist die Bildqualität so gut, wir könnten fast erkennen, welches Handymodell der Fahrzeugführer besitzt“, loben Daniel und Schade die Technik.

Im Schwalm-Eder-Kreis wurden insgesamt 4.286 Fahrzeuge gemessen, von denen 211 zu schnell waren. Prozentual liegt die Quote daher bei 4,9 Prozent. „Bei den nicht angekündigten Messungen liegt die Beanstandungsquote bei circa 15 Prozent“, so Pressesprecher Markus Brettschneider in einer Pressemitteilung.

Der angekündigte Speedmarathon schlägt sich also unmittelbar auf den Fahrstil vieler Fahrzeugführer aus. „Leider verpufft der Lerneffekt meistens nach einer Woche“, resümiert Daniel.

Die höchsten gemessenen Verstöße im Landkreis waren 117 und 129 Stundenkilometer auf der B3, in der 70er Zone bei Sebbeterode.

Die Geblitzten müssen mit einem hohen Bußgeld und einem Fahrverbot rechnen.

Der Speedmarathon in Kassel und Hessen

Das fest installierte Blitzgerät im Fahrzeug hat einen Wabenfilter (rechts zu sehen), wodurch das Blitzlicht nicht blendend auf das Auge trifft.

Von 2.921 gemessenen Fahrzeugen in Stadt und Landkreis Kassel fuhren nur 149 zu schnell, was etwa 5,1 Prozent entspricht. Damit schließt sich die Quote der aus dem Schwalm-Eder-Kreis an. Erfreulich ist zudem, dass die Quote unter der aus dem Vorjahr von 5,8 Prozent liegt.

Trotz der guten Quote gab es dieses Jahr auch wieder einige Ausreißer. Bei Bad Hersfeld schaffte es ein Fahrer die erlaubten 100 Stundenkilometer mit weiteren 56 zu überschreiten. Zwischen Bürstadt und Biblis bei der B44 stellte ein Fahrer mit 189 Stundenkilometern in einer 100er Zone den Tagesrekord auf, was die Kilometerzahl angeht. Der gravierendste Verstoß wurde aber bei Egelsbach an der A661 festgestellt: 150 statt 70 Stundenkilometer.

Neben den Geschwindigkeitsverstößen wurde auch ein Fahrer in Frankfurt mit 1,8 Promille angehalten und in Mittelhessen fuhr ein Biker der Polizei beim Anhalteversuch einfach davon.

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