"Statttheater" Homberg: Hinter den Kulissen mit Martin Lindow

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Hinter den Kulissen des "Statttheaters" Homberg lernt man die Darsteller des Theaterstückes "Der Vorname" von einer anderen Seite kennen: (v. li.) Martin Lindow, Julia Hansen, Benjamin Kernen, Anita Gramser und Christian Kaiser.

Das "Statttheater" Homberg zeigte als zweites Stück "Der Vorname". In der Hauptrolle spielt Grimme-Preisträger Martin Lindow. Den HEIMAT NACHRICHTEN stand er Rede und Antwort und zeigte, wie es so hinter der Theaterbühne abläuft.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Homberg. Anfang Oktober ist die Stadt Homberg mit ihrem neuen Theaterprogramm "Statttheater" an den Start gegangen. Am Dienstag, 21. November, lockte die französische Komödie "Der Vorname" wieder zahlreiche Theaterbegeisterte in die Homberger Stadthalle.

Ein gemütlicher Abend sollte es werden in der stilvoll eingerichteten Wohnung des Literaturprofessors Pierre und seiner Frau Elisabeth. Außer Elisabeths Bruder Vincent und seiner schwangeren Partnerin Anna haben sie ihren besten Freund Claude eingeladen. Um für "Stimmung" zu sorgen, enthüllte Vincent den Freunden den geplanten Vornamen seines noch ungeborenen Sohnes: Adolphe. Resultat war alllgemeine Fassungslosigkeit. Die Debatte um die Frage, ob man sein Kind so nennen darf, führte dazu, dass unausgesprochene Konflikte ans Licht kamen.

Der aus zahlreichen Fernsehfilmen bekannte Grimme-Preisträger Martin Lindow war dabei in der Hauptrolle des Vincent zu sehen sein.

Die HEIMAT NACHRICHTEN bekamen einen Blick hinter die Kulissen und die Gelegenheit, mit Hauptdarsteller Martin Lindow über Karriere, Kinder und eskalierende Weihnachtsfeste zu sprechen:

Blick hinter die Kulissen:

Noch ist es ruhig in der Wohnzimmer-Kulisse. In wenigen Minuten wird es dort eskalieren.

Es ist Dienstagabend, hinter den Kulissen wird es langsam hektisch. Dennoch ist bei allen Beteiligten die Vorfreude spürbar. "Das ist mal ein Ort, an dem man Theater spielen sollte – und das Beste ist: das tun wir jetzt auch", sichtlich begeistert von der Architektur der Homberger Stadthalle zeigt sich Christian Kaiser, der den Literaturprofessor Pierre in der französischen Komödie "Der Vorname" spielt.

Auf dieser Bühne wird den Zuschauern in weniger als zwei Stunden die zweite Aufführung des "Statttheaters" präsentiert. Anita Gramser (Pierres Frau, die Französisch-Lehrerin Elisabeth) und Julia Hansen (schwangere Lebensgefährtin des Vincent) kommen dazu und staunen über den Raum, der für die Maske und Garderobe der Frauen hergerichtet wurde. Dort wartet schon Maskenbildnerin Johanna Zentgraf, um ihnen den perfekten Lidstrich und roten Kussmund zu schminken. Noch eine Stunde bis zum Auftritt: die Damen platzieren sich vor den beleuchteten Theaterspiegeln. Im Hintergrund ertönen bei der Tonprobe Babyschreie, eine Türklingel und französische Musik.

Das Theaterstück "Der Vorname" tourt durch ganz Deutschland, beinahe 300 Mal wurde es schon aufgeführt. Das funktioniert nur mit einem Team, das sich kennt, mag und vertraut. Von der Anreise im Tourbus über gemeinsames Frühstück, Mittag- und Abendessen, Aufbau, Auftritt und Abbau ist es in jeder Stadt derselbe Tagesablauf. "Es ist Alltag, aber ein schöner Alltag. Wir machen das alle gern", so Kaiser.

Johanna Zentgraf (li.) ist bei der Produktion "Der Vorname" für Maske und Garderobe zuständig. Hier schminkt sie gerade Anita Gramser, die die Rolle der Elisabeth spielt.

Als letztes trudelt auch Vincent-Darsteller Martin Lindow ein – er hatte sich verlaufen. Bevor es für ihn in die Garderobe geht, kontrolliert er seine fünf verschiedenen Requisiten, die er während des Stückes benutzt. Ein Schulheft, zwei Flaschen "Fernet-Branca" mit dem locker sitzenden Korken (die aber nur mit Schwarztee gefüllt ist), ein Ultraschallbild, Handy und ein grüner Schlüssel.

"Wenn man letztendlich auf der Bühne steht, ist alles gut. Der Weg dahin ist die eigentliche Hauptarbeit. Auf Tour muss man sich an jedem Ort neu orientieren, wo die Requisiten und die Garderoben sind, wer wo auf- und abgeht", sagt Lindow und macht sich auf die Suche nach seiner Garderobe, um sein Kostüm anzuziehen.

Gemeinsame Rituale hat das Theaterteam vor dem Gang auf die Bühne nicht. Auch gegenseitiges Textabfragen ist nach rund 270 Aufführungen nicht mehr nötig: "Mittlerweile kann ich den Text so auswendig wie 'Alle meine Entchen'. Man darf nur nicht auf der Bühne darüber nachdenken, was man sagen muss, dann hat man verloren", plaudert Kaiser in seinem Garderobenraum.

Zehn Minuten vor Schluss versammeln sich alle Darsteller hinter der Bühne, wo David Kumpernas schon die Speisen für das auf der Bühne präsentierte marokkanische Abendessen vorbereitet hat. Er ist für Requisite und Ton zuständig und hat wahrscheinlich die längsten Tage vor Ort. Bereits mittags reist er mit einem Lkw an und baut mit wenigen Helfern die Wohnzimmer-Kulisse auf. Alles hat seinen festen Ablauf und Platz. Und wenn der Vorhang fällt, braucht es noch mindestens zwei Stunden , die Homberger Stadthalle wieder zu entzaubern.

Interview mit Martin Lindow

Heimat-Nachrichten: Waren Sie vorher schon einmal in unserer Kleinstadt Homberg?

Lindow:  Ich war leider noch nicht in Homberg, freue mich aber aufs erste Mal.

HN: Wann war Ihnen klar, dass Sie Schauspieler werden wollen: Schon während Ihren ersten Theatererfahrungen in der Schule oder erst später? Lindow:  Ja, schon bei den ersten Theatererfahrungen war mir klar, dass diese Bretter für mich die Welt bedeuten. Das klingt ein bisschen pathetisch, trifft es aber ganz gut.

HN: Sie springen gerne zwischen Dreharbeiten und der Theaterbühne – was ist jeweils die Herausforderung und wie wählen Sie die Stücke und Fernsehrollen aus?

Lindow:  Beide Genre verlangen ein grundsätzlich anderes Spiel, um glaubwürdig in der Rolle zu sein. Vor der Kamera muss das Spiel natürlich viel kleiner und "naturalistischer" sein. Im Theater hingegen muss man mit seinem Spiel auch bis "in die letzte Reihe" kommen. Ich mag beide Genre sehr gerne. Wenn ich lange nur gedreht habe, sehne ich mich nach dem Theater. Und umgekehrt. Beide Genre haben aber eine wichtige Gemeinsamkeit: das Drehbuch/Theaterstück ist das A und O.

"Homberg war ein wirklich tolles Publikum. Danke, dass wir hier sein durften", sagte Martin Lindow direkt nach dem Auftritt in der Homberger Stadthalle.

HN: Sie haben vor der Rolle des Vincent auch eine Zeit lang den Pierre gespielt – was macht beide Rollen jeweils aus und mit welcher können Sie sich am ehesten privat identifizieren?

Lindow: Beide Rollen sind quasi gleichweit von mir entfernt. Sowohl die "Hoppla, hier komm ich"-Mentalität des Vincent, als auch die "intellektuelle Verschrobenheit" des Pierre sind glücklicherweise keine Wesenszüge von mir. Ich bin sehr froh, beide Figuren gespielt zu haben. Sie sind für mich das, was man "Traumrollen" nennt.

HN: Sie sind selbst Vater zweier Kinder – passend zum Thema des Stückes stellt sich da natürlich die Frage, wie Sie und Ihre Frau sich für die Namen entschieden haben?

Lindow: Wir hatten bei den Namen keine besondere Intention – wie im Stück dem Vater vorgeworfen wird. Wir fanden Greta und Oscar einfach nur sehr schön.

HN: Kennen Sie solche Abende selbst: Erst harmonisches Beisammensein, das dann in einem ausufernden Streit endet, bei dem die eine oder andere olle Kamelle wieder zum Vorschein kommt? Wie gehen Sie mit solch einer Situation um?

Lindow: Ich glaube, dass das Stück auch deshalb so gut ist, weil diese Situation niemandem fremd ist. Jeder kann sich doch an zum Beispiel ein Weihnachtsfest erinnern, wo man nur gemütlich, harmonisch und glücklich zusammensitzen wollte und plötzlich kracht es. Ich kenne das natürlich auch. Dann muss man nachher direkt nach der Divise leben: „Beim nächsten Fest wird alles anders..."

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