Ein Stück Heimat verschwindet

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Körler „Lädchen für alles“ muss schließen. Foto: Wiewiorska

Körler „Lädchen für alles“ muss schließen

Körle. Für viele Körler war das "Lädchen für alles" in der Nürnberger Straße mehr als nur eine bequeme Einkaufsmöglichkeit. Für ebenso viele aber war das Lädchen auch nur dann eine Option, wenn man beim Supermarkt-Riesen noch etwas vergessen hat. Jetzt muss das Lädchen mit dem besonderen Konzept schließen. Einem sonst doch so bewährten Konzept, das an anderen Standorten aufgeht: Es hilft Menschen mit geistigen und psychischen Behinderungen, im Berufsleben durchzustarten.

"Es ist so schade. Es gibt viele, die gut funktionieren. Die Voraussetzung ist jedoch, dass in dem Laden eingekauft wird. Davon lebt er", sagt Claudia Lieberknecht von der Baunataler Diakonie Kassel (bdks). "Leider war die Akzeptanz in der Körler Bevölkerung für das Lädchen zu gering", ergänzt Armin Gutwald, Geschäftsführer der INTEGRA gGmbH, der Lädchen-Betreiberin. Vordergründig gehe es darum, Arbeitsplätze zu schaffen, die nun entfallen. "Wir haben sogar Zusatzleistungen angeboten, wie einen Lieferservice, weitere Angebote oder ein Seniorenfrühstück im Café. Doch der Umsatz sank weiter", bedauert Lieberknecht.

Den inzwischen nur zwei von ehemals vier Mitarbeiterinnen fällt der Abschied schwer. "Der Laden war mehr als nur ein Arbeitsplatz, er hat mir viel bedeutet. Ich finde es unbeschreiblich traurig, vor allem für unsere lieben, älteren Kunden", erklärt Anja Stöcker. Sie war von Anfang an dabei, hat die Entwicklung und nun den Untergang miterlebt. "Im Gegensatz zum Großmarkt haben wir hier eine persönliche Beziehung zum Kunden aufgebaut. Aber es waren einfach zu wenige. Darauf haben wir leider keinen Einfluss", so Stöcker.

Auch Kundin Ute Heidemüller bedauert den Schritt: "Ich finde es vor allem für Ältere sehr schade. Ich war gerne hier." Zwei ältere langjährige Kunden, die nicht namentlich genannt werden möchten, sind ebenfalls traurig. "Ich habe immer gerne hier eingekauft. Aber leider war die Auswahl nicht so groß", sagt ein Senior.

"Aber bequem war’s. Hier konnte ich alles auf einmal erledigen. Dass das Lädchen schließt, hat mich berührt", wirft eine Rentnerin ein. Auch der bdks sei die Entscheidung nicht leicht gefallen. "Wir hätten es uns anders vorgestellt und auch anders gewünscht. Aber irgendwann kann man keinem Kostenträger mehr erklären, wie Arbeitskosten zu decken sind", so Lieberknecht. Der Laden war mit viel Engagement und Mühe entstanden. In Körle hat es nicht funktioniert.

Was kommt danach? Lieberknecht: "Wir sind da offen und wollen unser Wissen weitergeben. Wie es aber genau weitergeht, wissen wir noch nicht."

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EXTRA INFO

Das Lädchen in Körle

Seit dem 8. August 2012 konnten Kunden im Ortszentrum von Körle wieder ihren kompletten Lebensmitteleinkauf erledigen. 3.500 Artikel gab es im Lädchen. Der Mini-Supermarkt wird noch bis Ende März von der bdks betrieben in Zusammenarbeit mit der Supermakt-Kette tegut. Mehr Infos: www.bdks.de und www.koerle.de.

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