Terror im Kino: Malteser Nordhessen übten für den Ernstfall

+

Geiselnahme im Kino! – Dieser Notruf ging kürzlich beim Rettungsdienst der Malteser ein. Glücklicherweise handelte es sich in diesem Fall um einen Übungseinsatz in Gudensberg, mit dem sich die Retter auf eine mögliche Terrorlage vorbereiteten.

Gudensberg/Jesberg. Zivile Terrorlage in einem fiktiven Kino im Landkreis: Ein Attentäter ist während einer Kinovorstellung plötzlich aufgestanden und hat mehrere Personen angeschossen. Eine Person befindet sich bei Eingang der Notrufmeldung noch in Geiselnahme und wird vom Täter mit einem Messer bedroht. Das ersteintreffende Rettungsdienstpersonal soll unter Beachtung des Eigenschutzes die Verletzten sichten, eine Erstbehandlung durchführen und zu einer sicheren Patientenablage verbringen.

Dieses Szenario wurde am 28. Oktober in Gudensberg vom Malteser Rettungsdienst unter der Leitung von Dr. Andreas Hettel durchgespielt. Hettel, Chefarzt der Anästhesie im Asklepios Klinikum Schwalmstadt, war vor einiger Zeit selbst Teilnehmer an einem solchen Kurs und ist von dem Kurskonzept überzeugt: „Das Ziel dieser Übung ist es, allen Rettungsfachkräften die besondere einsatztaktische Herangehensweise bei zivilen Amok- und Terrorlagen näher zu bringen.“ Unterstützt wurde Hettel von Hauptfeldwebel Oliver Heine, der für die Bundeswehr als sogenannter Combat Medic bereits in Afghanistan im Einsatz war.

Nach einer theoretischen Einführung am Vormittag stand zunächst der richtige Umgang mit dem Einsatzmaterial im Vordergrund. Vor allem die Blutungskontrolle mittels „Tourniquet“, einem Gefäßabbinder, stand hier im Mittelpunkt. Aber auch andere Materialien wie die „Israeli Bandage“ kamen zur Anwendung. Diese wurde vom israelischen Militär entwickelt und war beispielsweise Standardausstattung der amerikanischen Soldaten während des Irak-Krieges. „Unkontrollierbarer Blutverlust ist die führende vermeidbare Todesursache bei Schuss-, Stich- und Absprengverletzungen. Daher steht die unmittelbare Abwendung dieser Gefahr im Fokus der Erstbehandlung“, so Dr. Hettel.

Am Nachmittag wurde dann die oben beschriebene Einsatzlage unter einsatztaktischen Gesichtspunkten praktisch geübt. So durfte die Einsatzstelle erst betreten werden, nachdem es von der Polizei die Rückmeldung gab, dass die Einsatzstelle sicher sei. Neben dem Eigenschutz musste schnell erfasst werden, welche Personen lebensbedrohlich verletzt waren und es mussten erste notfallmedizinische Maßnahmen ergriffen werden. Um das Stresslevel des Einsatzpersonals zu erhöhen, mussten die Teilnehmer unmittelbar vor der Übung einen kleinen Dauerlauf absolvieren. Unter Stress zeigte sich eher, ob das Team im Einsatzfall einen kühlen Kopf bewahrte und die richtigen Entscheidungen traf.

Zum Abschluss der Fortbildung waren erneut praktische Fertigkeiten gefragt. Am Schweinemodell wurde das „Packing“ geübt. Bei dieser Technik werden zum Beispiel Schuss- und Stichverletzungen mit einem blutstillenden Gaze-Material behandelt. Für den Fall, dass eine herkömmliche Beatmung des Patienten nicht möglich ist, wurde von Hettel die Durchführung eines Luftröhrenschnittes demonstriert. Die Teilnehmer hatten anschließend die Möglichkeit, dies am Modell realitätsnah durchzuführen.

Stephan Frühauf, Bereichsleiter der Malteser im Schwalm-Eder-Kreis, resümiert: „Am Ende des Tages waren sich alle Teilnehmer einig, dass dies ein äußerst praxisnahes und effektives Training war. Deshalb möchten die Malteser in Zukunft an dieses Wissen anknüpfen und weitere Trainings durchführen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

B. Braun gründet Tochtergesellschaft in Sambia

B. Braun erzielt derzeit rund 100 Millionen Euro Umsatz in Afrika, das soll mehr werden.
B. Braun gründet Tochtergesellschaft in Sambia

Weihnachtsgeschenketipp von Vanessa von Lengerken: Lesenswertes für jedermann

Die Volontärin beim MB-Media Verlag in Homberg empfiehlt zwei Bücher mit lokalem Bezug vom Gudensberger Wartberg Verlag.
Weihnachtsgeschenketipp von Vanessa von Lengerken: Lesenswertes für jedermann

Jugendforum "gud so" zieht positive Bilanz beim Jahresabschlusstreffen

Gut zwei Jahre nach Gründung des Jugendforums "gud so" haben die Beteiligten vor wenigen Tagen bei einem Jahresabschlusstreffen auf dem Homberger Mosenberg positive …
Jugendforum "gud so" zieht positive Bilanz beim Jahresabschlusstreffen

Geschenketipp: Weihnachtsmarkt und Innenstadt haben die Lösung parat

Auf dem Weg zum passenden Geschenk kann sich ein Spaziergang durch die Melsunger Innenstadt und ein Besuch des Weihnachtsmarktes lohnen.
Geschenketipp: Weihnachtsmarkt und Innenstadt haben die Lösung parat

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.