Tiger-Absturz in Mali: Autopilot unbemerkt abgeschaltet – Fritzlarer Piloten ohne Chance

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Weiterhin in Mali im Einsatz: Derzeit sind vier Tiger-Kampfhubschrauber in Gao stationiert. Im Juli 2017 kam es zu einem Absturz.

Der Absturz des Kampfhubschraubers Tiger, bei dem zwei in Fritzlar stationierte Soldaten ums Leben kam, erschütterte die Nation. In einem Bericht des Verteidigungsministeriums heißt es jetzt, eine "Abweichung im Steuerverhalten" habe den Absturz eingeleitet. 

Fritzlar/Mali. Hat ein technischer Defekt dafür gesorgt, dass die Piloten sterben mussten? Am 26. Juli vergangenen Jahres kam es zu dem tragischen Unglück, bei dem zwei in Fritzlar stationierte Bundeswehrsoldaten beim UN-Einsatz in Mali ums Leben kamen. Die beiden Piloten, ein 33-Jähriger aus Neuental und ein 47-Jähriger aus Gudensberg, stürzten mit ihrem Tiger-Kampfhubschrauber ab.

Der in Gao im „Camp Castor“ stationierte Tiger war am Unglückstag zu Gefechten nahe der Ortschaft Tabankort – circa 150 Kilometer nördlich von Gao – unterwegs. Bereits kurz nach dem Unglück wurde von Seiten des Verteidigungsministeriums ein Abschuss ausgeschlossen.

Schon damals war man von einem technischen Defekt als wahrscheinlichste Ursache für das Unglück ausgegangen. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) jetzt berichtet, heißt es in einem ihm vorliegenden Bericht des Verteidigungsministeriums an den Bundestag, dass eine „Abweichung im Steuerverhalten“ den Absturz eingeleitet haben könnte. Weiter heißt es hier: „Das automatische Abschalten des Autopiloten wurde der Besatzung sys­temkonform nicht angezeigt und von ihr auch nicht wahrgenommen.“

Der Vorfall könne auch nicht auf die extreme Hitze in Mali zurückzuführen sein. Schon vor dem Unglück hatte es Diskussionen darüber gegeben, ob der Tiger überhaupt für den Einsatz in Mali geeignet ist. Denn: Für den Einsatz des Kampfhubschraubers gilt eigentlich die maximale Temperaturobergrenze von 43,26 Grad Celsius. Dieser Wert wurde aber für den Einsatz in Mali um fünf Grad angehoben.

Dr. Volker Bauersachs, Regimentskommandeur des Kampfhubschrauberregiments 36.

Nach dem Absturz hatte ein Pilot, der das Unglück aus einer Maschine hautnah miterlebte, berichtet, dass sich die Nase des abgestürzten Tigers plötzlich nach vorne neigte und er dann – wie im Sturzflug – nach unten schoss. Einen Notruf habe es nicht gegeben. Der, dem RND vorliegende Bericht des Verteidigungsministeriums lautet ähnlich der Aussage. Hier heißt es: „Es ist davon auszugehen, dass die Besatzung von diesem Manöver überrascht wurde und, in Verbindung mit den aufgetretenen Kräften, ihre Handlungsfähigkeit vorübergehend stark eingeschränkt war.“

In der Fritzlarer Georg-Friedrich-Kaserne erklärte Regimentskommandeur Oberst Dr. Volker Bauersachs einen Tag nach der Tragödie: „Das ist ein nicht zu beschreibender Verlust für uns alle.“ Eine Woche später verabschiedeten sich hunderte Menschen von den beiden Soldaten bei einer Trauerfeier im Fritzlarer Dom. Unter den Trauergästen war auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

EXTRA-INFO

Die Mission in Mali

An der UN-Mission MINUSMA (Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali) beteiligen sich aktuell mehr als 50 Nationen mit rund 11.000 Blauhelmsoldaten. Das Fritzlarer Kampfhubschrauberregiment 36 nimmt aktuell mit 79 Soldaten und vier Tiger-Hubschraubern an der Mission teil.

Die gepanzerten Tiger, die mit Luft-Boden-Raketen ausgestattet sind, sollen Konvois beschützen und bei Notfällen schnell eingreifen. Die Mission ist derzeit bis 30. Juni 2018 befristet.

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