Tonnenweise Hilfe: 70. rumänischer Hilfstransport des Neuentaler Patenschaftsvereins Siebenbürgen

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Zur 70. Lieferung wurden drei Transporter mit Anhänger gepackt. Die mussten vor Ort dann entladen werden.

Neben den sieben Vereinsmitgliedern fuhr diesmal auch Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm mit. Vor Ort packte er ordentlich mit an und plante zudem eine zukünftige Städtepartnerschaft.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Neuental. Acht Tage, 3.400 Kilometer und 47 Stunden Fahrt – das nehmen Männer aus Neuental immer wieder auf sich. Alles in ihrer Freizeit, um Bedürftigen in Rumänien zu helfen. Denn sie sind Mitglieder im Patenschaftsverein Siebenbürgen und organisieren seit 30 Jahren Fahrten nach Rumänien, um Hilfsgüter an deutschstämmige und rumänische Bedürftige zu verteilen.

Für ein Gruppenfoto vor dem Rathaus von Hermannstadt war auch noch Zeit: (v. li.) Johann Kraus, Wilhelm Lischeid-Bracht, Horst Nickel, Dietmar Kestener, Hubert Schauberick, Dr. Philipp Rottwilm, Otmar Kramer. Es fehlt Johann Wolff.

Die Idee für solch einen Hilfstransport kam vom damaligen Bürgermeister Otto Döhrn. Eines Abends sah er im Fernsehen einen Bericht über die drastische Lage der Kinder in einem rumänischen Heim und beschloss, einmalig einen Hilfstransport zu organisieren. Aus dem einen Mal wurden 70 – Die Männer rund um Vorsitzenden Hubert Schauberick fahren mindestens zweimal, manchmal auch dreimal in die Siebenbürgen-Region. In Dorheim hat der Verein ein großes Depot, in dem alle gespendeten Sachen gesammelt werden: von Möbeln über Kleidung und Lebensmittel findet sich dort alles. Mit ihrem Engagement kamen so in den vergangenen drei Jahrzehnten 1.500 Tonnen Hilfsgüter für die Bedürftigen in Rumäninen zusammen.

15 Tonnen im Gepäck

Im Mai ging es zur 70. Lieferung. Drei Transporter mit Anhängern, vollgepackt mit 15 Tonnen an Dingen, die es zum Leben bedarf. Darunter unter anderem 250 Kilogramm Lebensmittel, anderthalb Tonnen Kleidung aber auch Möbel, Fahrräder und vieles mehr. Am Samstag, 4. Mai, ging es los. Die Uhr zeigte 5.30 Uhr in der Früh, als sich acht Männer auf die zweitägige Fahrt in das 1.700 Kilometer entfernte rumänische Cristian machten. Mit an Bord war dieses Mal auch Neuentals Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm, der sich ein Bild von der Arbeit des Vereins machen wollte.

Kein Vergleich zu Neuental: Die Ortsdurchfahrt des rumänischen Bruiu hat noch nicht einmal befestigte Straßen.

Die Fahrtzeit wurde gut genutzt, um Geschichten der vergangenen 30 Jahre zu erzählen. Schauberick, ein Mann der ersten Stunde, erinnerte sich an Zeiten, in denen die Grenzen noch zu waren. „Da hat man schonmal den halben Tag an der Grenze gestanden, das Ein- und Ausführen von Hilfsgütern war da wesentlich schwieriger als heute.“

Armut ist sichtbar

Doch ihre Hilfe wird in Rumäninen sichtlich gebraucht: „Zwar ist Rumänien in der EU, doch wenn man aufs Dorf rausfährt, gibt es noch nichtmal befestigte Straßen. Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist wirklich enorm. Da kann man froh sein über unseren gut entwickelten ländlichen Raum“, so Rottwilm. Kindergärten, Altenheime, Schulen, Krankenhäuser und Kirchen – mit den Jahren haben sich Schauberick und seine Vereinsmitglieder ein riesiges Netzwerk aufgebaut. So ging es am Dienstag nach Agnita, wo sie dem Krankenhaus zwölf elektrische Krankenhausbetten, 22 Rollatoren, Rollstühle, Toilettenstühle, zwei Untersuchungsliegen und eine Tonne Krankenhausbedarf brachten.

15 Tonnen Hilfsgüter, verteilt auf drei Transporter mit Anhängern.

Die Ankunft der deutschen Helfer wurde überall viel gefeiert und sorgte für schöne Begegnungen. Rottwilm blieb vor allem ein ehemaliger Fußballer aus Făgăraș im Kopf. Ioan Fluieras spielte damals in der zweiten rumänischen Liga, ist mittlerweile 73 Jahre alt, aber noch heute eine wahre Sportskanone. Voller Tatendrang zeigte er der versammelten Gesellschaft, wie viele Liegestütze er mit einem Arm ausführen kann. Als jüngsten und fittestesten in der deutschen Runde suchte Fluieras sich den Bürgermeister als Duellgegner aus und forderte ihn auf, es ihm gleichzutun. „Ich habe dankend abgelehnt und zugegeben, dass ich es nicht schaffen würde“, erzählt Rottwilm lachend bei der Erinnerung.

Städtepartnerschaft geplant

Denn seine Mission in Rumänien war eine andere: „Trotz 30 Jahren Hilfstransporte und einem Patenschaftsverein gibt es keine Städtepartnerschaft. Das soll sich nun ändern. Die Historie des Vereins ist kommunal, ich will Begegnungen schaffen“, weshalb sich Rottwilm am Mittwoch, 8. Mai, mit Cristians Bürgermeister Ioan Seuchea traf, um alles Nötige für eine Städtepartnerschaft zu besprechen. In einem Kindergarten in Mediaș sorgte am Donnerstag eine Spielburg für Freudensprünge, gespendet vom Kindergarten Trockenerfurth. Bei der örtlichen Grundschule freuten sich die Zweitklässler über 80 mit Schulbedarf, Süßigkeiten und Kuscheltieren befüllte Schulranzen „Das war einer meiner liebsten Momente in Rumänien. Wie diese Kinderaugen gestrahlt haben, als sie die Schulranzen in den Händen hielten und voller Aufregung alles auspackten – das war für die Kinder wie Ostern und Weihnachten zusammen. So eine Dankbarkeit sieht man in der heutigen Zeit nur noch selten.“ Die dritten Klassen wurden mit Schultischen und -stühlen ausgestattet, bevor es weiter nach Bruiu ging.

Essen bis zuletzt

Dr. Philipp Rottwilm (li.) und Hubert Schauberick (re.) bei der Übergabe von Fußballtrikots und Bällen – gespendet von der SG Neuental/Jesberg.

Dort wartete die deutsche Minderheit auf Lebensmittel, eine halbe Stunde weiter wurde Speiseöl für das Kirchliche Kronenfest am Johannistag in Cîrța abgeladen. In Rumänien gab es vor allem eine Form der Dankbarkeit: „Überall, wo wir hinkamen, wollten die Leute, dass wir essen: Lammfleisch, Kartoffeln, gute Suppen und Kuchen“, so der Bürgermeister. „Eigentlich konnten wir gar nicht so viel essen, wie uns angeboten wurde, aber es gilt dort als Beleidigung, nichts essen zu wollen, also wurde bis zuletzt gegessen“, ergänzte Schauberick.

Zwei Tage Anfahrt, vier Tage Aufenthalt und zwei Tage Rückfahrt, dann war der 70. Hilfstransport vorbei. Doch nach der Tour ist vor der Tour: Auf dem Heimweg ging es für einen Teil nach Bamberg, denn dort konnte in einer chirurgischen Praxis ein gebrauchtes Ultraschallgerät eingesammelt werden.

Spenden jeglicher Art benötigt

Die Männer des Patenschaftsvereins haben Spaß daran, zu helfen, doch das größte Problem ist die Finanzierung solcher Fahrten. Die Sprit- und Mautkosten zahlen sie aus der Vereinskasse. Verpflegung und Unterkunft werden aus eigener Tasche von jedem Teilnehmer bezahlt. Aber vor allem der Erhalt der Transporter ist eine kostspielige Angelegenheit.

Wer den Verein finanziell unterstützen möchte, kann dies gerne mit einer Spende an Rumänienverein Siebenbürgen Neuental Raiffeisenbank Borken eG IBAN: DE92520613030001818350 oder Kreissparkasse Schwalm-Eder IBAN: DE825205215411774907 tun.

Wer Sachspenden jeglicher Art hat, meldet sich gerne beim Vereinsvorsitzenden Hubert Schauberick unter Tel. 06693-8641 oder per E-Mail: h.schauberick@t-online.de.

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