Trotz Ticket: Körler von der Bahn als Schwarzfahrer abgestempelt

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Da sieht die Bahn Schwarz: Trotz seines gültigen Tickets muss der FSJler Janek Giessler aus Körle die Strafe von 60 Euro fürs Schwarzfahren zahlen.

Körle/Mainz. Ärger mit der Bahn ist nichts Neues. Doch was dem Körler Janek Giessler in Mainz passierte, ist der Hammer: Trotz Ticket macht die Deutsche Bahn aus dem 19-Jährigen einen Schwarzfahrer. Im Oktober letzten Jahres verbringt der FSJler aus Mainz einige Tage in seinem Elternhaus in Körle. Dann fährt er mit der Bahn zurück – dort beginnt die kuriose Geschichte. "Dabei wollte ich doch nur nach Hause", beginnt Janek Giessler zu erzählen.

Schwere Last und wenig Platz

Der 19-Jährige hat ein Ticket für die zweite Klasse, einen Platz findet er trotzdem nicht. Die S-Bahn ist total überfüllt. Sogar auf den Gängen stehen die Menschen dicht an dicht. In der ersten Klasse jedoch ist niemand, alle Plätze sind frei. "Ich hatte viel Gepäck und setzte mich dorthin, ohne weiter nachzudenken", erklärt der FSJler. Immerhin habe er mit seinem Ticket doch das Recht auf einen Sitzplatz – das zumindest denkt Giessler. Was er zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß: "Wenn man ein Bahnticket kauft, hat man nicht automatisch auch das Recht auf einen Sitzplatz erworben", erklärt Thomas Bischoff, Pressesprecher der Deutschen Bahn in Hessen.

Als der Kontrolleur nach der Fahrkarte fragt, zeigt Janek Giessler sein Ticket vor. Der Kontrolleur weist ihn auf seinen Fehler hin und brummt etwas von einem Preisaufschlag. Eine falsche Information, wie sich noch herausstellen sollte. "Ich hatte kein Problem damit, den Aufpreis zur ersten Klasse zu zahlen", erklärt der Körler. Auch packt er sofort seine Sachen, um das Abteil zu verlassen.

Unschuldig, weil unwissend?

Am nächsten Tag dann der Schock: 60 Euro – satte 20 Prozent von Janek Giesslers monatlichem FSJ-Einkommen – will die Bahn für das "ungültige" Ticket. "Ich bin doch kein Schwarzfahrer", betont der FSJler entrüstet. Trotzdem zahlt er sofort, denn er möchte keinen Ärger. Sein Vater setzt allerdings sofort ein Beschwerdeschreiben auf, in dem er den gezahlten Betrag zurückfordert. "Die Reaktion der Bahn war der Knaller", sagt Janek Giessler und lacht. Einen Monat meldete sich der Konzern nämlich gar nicht. Doch dann kommt endlich eine E-Mail, in der gefragt wurde, ob der 19-Jährige mit dem Beschwerdemanagement zufrieden sei. "Zu dem Zeitpunkt war ich doch ein wenig verzweifelt", erzählt er. Dann erhält er tatsächlich eine Antwort. In dem Brief schreibt die Bahn, dass sie das Geld nicht zurückerstatten könnte. "Für die erste Klasse muss vor Fahrtantritt ein Aufschlag gekauft werden", heißt es in dem Schreiben. Giessler betont, dass die Info über den nachträglichen Preisaufschlag die Aussage des Schaffners gewesen sei. Auch habe der 19-Jährige  zu keiner Zeit die Absicht gehabt, schwarzzufahren. Für den Kundenservice der Bahn scheint das jedoch trotzdem  Schwarzfahren zu sein. Der Briefwechsel geht weiter – und immer erhält der FSJler dieselbe Antwort. Bis auf das letzte Schreiben: Dort bedankt sich die Deutsche Bahn für Giesslers Zahlung.

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