Die Unsicherheit im Schwalm-Eder-Kreis wächst

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Sie und ihre Kollegen arbeiten an einer möglichst hohen Aufklärungsquote im Kreis: (v. li.) Der Homberger Dienststellenleiter Michael Stuhlmann, Hubertus Hannapel (Kriminaldirektor der Polizeidirektion des Kreises), Kriminalrat Bernhard Volke und Polizeipressesprecher Markus Brettschneider.

Die Kriminalstatistik belegt den Anstieg von Einbrüchen, die Verdoppelung der verletzten Polizisten durch Angriffe und die Zunahme der Jugendkriminalität. Die Arbeitsgruppe Stadtpark gelang ein Schlag, gegen die Drogenkriminalität in Homberg und Umgebung.

Schwalm-Eder. Die Straßen des Kreises sind im vergangenen Jahr öfter Schauplatz von Verbrechen geworden. So sind die registrierten Straftaten von 2017 auf 2018 um 88 Delikte angestiegen, was 1,4 Prozent entspricht. Insgesamt kam es im Jahr 2018 zu 6.451 registrierten Straftaten. Doch trotz dieses Anstiegs, gibt es auch positive Entwicklungen. „Aus unserer Sicht ist es eine gute Statistik – insbesondere auf langjährige Sicht gesehen“, erklärte der Leiter der Polizeidirektion Schwalm-Eder, Hubertus Hannapel, bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2018.

Aufklärungsquote gestiegen

Zwar gebe es oft und hier insbesondere in den Sozialen Netzwerken das Gefühl, es werde immer unsicherer, doch „die Gesamtschau ‘Es wird immer schlimmer’ stimmt nicht“, so Hannapel weiter. Die Aufklärungsquote stieg um 0,9 Prozent auf 64 Prozent und ist somit die zweithöchste seit Einführung der computergestützten Polizeilichen Kriminalstatistik im Jahr 1971. Und auch im nordhessischen Vergleich kann sich die Aufklärungsarbeit der Polizei im Schwalm-Eder-Kreis sehen lassen. So liegt die Zahl der aufgeklärten Bereich des nordhessischen Polizeipräsidiums bei 61,3 Prozent. Hannappel: „Der Ermittlungserfolg ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Prävention und die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung werden immer wichtiger.“ Daher freue sich die Polizei über das gute Vertrauensverhältnis zwischen Beamten und Bürgern.Ein Beispiel für die gute Vernetzung der Polizei mit den anderen Institutionen der Stadt sei die AG Stadtpark. „Die deliktübergreifende Ermittlung der AG Stadtpark hat sich ausgezahlt“, zog Kriminalrat Bernhard Volke Bilanz und ergänzt: „Die langfristig angelegte Aktion führte zu Festnahmen von zentralen Figuren der Jugend- und Drogenkriminalitätsszene, die dadurch vertrieben und verunsichert wurden.“

Dennoch gebe es im Kreis noch weitere Orte, die ebenso angegangen werden müssen. Volke: „Seit Kurzem hat sich rund um die Totenkirche in Schwalmstadt eine ähnliche Situation entwickelt. Hier konzentrieren sich die Straftaten auf den Verkauf und den Konsum von Heroin.“ Jedoch stehe noch nicht fest wann, wie und mit welchen Mitteln die Situation angegangen wird. „Die Anwohner in Schwalmstadt sind für die Situation vor Ort sensibilisiert und unterstützen uns dadurch bei den Ermittlungen“, lobte Hannappel.

Trotz der guten Ermittlungsergebnisse gibt es in der Jugendkriminalität einen Anstieg von 674 auf 708 Delikte. Beinahe jeder vierte ermittelte Täter (22,7 Prozent) ist minderjährig. Mehr als jeder dritte registrierte Diebstahl (34,6 Prozent) ist von Minderjährigen begangen worden, was einem Anstieg von 6,2 Prozent entspricht. Für jede zweite Sachbeschädigung (47,4 Prozent) und jeden zweiten Raub (46.4 Prozent) ist ein minderjähriger Täter verantwortlich. Ein weiteres Problem, mit dem sich der Schwalm-Eder-Kreis auseinandersetzen muss, ist die gestiegene Zahl an Wohnungseinbrüchen. Insgesamt 143 Mal wurde in eine Wohnung eingebrochen. Ein Anstieg von 10,9 Prozent und einer Zunahme von 14 Fällen im Vergleich zu 2017. Positiv in der aktuellen Kriminalstatistik ist die gestiegene Aufklärungsquote von 10,9 auf 28,7 Prozent.Der Begriff „Straftaten gegen das Leben“ umfasst Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung, deren Anzahl sich zu 2017 mehr als verfünffacht hat. Insgesamt kam es im Kreis zu elf Straftaten. Hierzu zählen zwei registrierte Morde, von denen einer anscheinend während des Dreißigjährigen Krieges passierte, sechs Totschlagsdelikte und drei fahrlässige Tötungen. 2018 sind 64 Polizisten Opfer von Angriffen geworden, was mehr als eine Verdoppelung darstellt.

Eine positive Entwicklung gab es bei den registrierten Raubdelikten, die sich von 44 Fällen auf 25 Fälle beinahe halbiert haben. „Die verbesserten Sicherungen von Spielotheken und Tankstellen sind unter anderem Gründe für den starken Rückgang“, erklärte Polizeihauptkommissar Markus Brettschneider.

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