Unter Strom: Rundgang durch das Umspannwerk Borken

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Interessierte Bürger schauen sich im Umspannwerk um und lauschen den Infos von Herbert Blumenstein (4. v. li.).
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Tennet, Avacon und Mitarbeiter des Umspannwerks Borken führten interessierte Bürger durch eben dieses und luden zur Diskussion über Strom ein.

Borken. Es knistert rundherum, als der Strom im Umspannwerk Borken durch die etlichen Leitungen fließt. Der Bürgerdialog Stromnetz aus Berlin hatte interessierte Bürger zu einem zweistündigen Rundgang eingeladen. Dabei gab es reichlich Gelegenheit mit Vertretern der Tennet TSO GmbH und der Avacon Netz GmbH ins Gespräch zu kommen. Um im europäischen Gesamtnetz die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, werde eine Spannung von 50 Hz angestrebt. Denn kaum ein Land könne sich mehr alleine versorgen, heißt es von Matthias Wantia, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei Tennet. Alles in Europa hänge miteinander zusammen. „Mittlerweile werden 44 Prozent erneuerbare Energien verwendet. Doch noch immer lassen sich große Mengen an Strom nicht speichern“, erklärt Wantia, „das führt dazu, dass wir einzelne Stromerzeuger auch zeitweise zu- oder abschalten müssen, um dem jeweiligen Verbrauch gerecht zu werden.“ Bei der Stromerzeugung durch Sonne und Wind entstehen naturgemäß tagtäglich Schwankungen.

War die Zahl der Eingriffe bis 2011 noch überschaubar ist sie seitdem auf über 1.000 pro Jahr gestiegen und mit jedem Eingriff wird auch die freie Marktwirtschaft beeinflusst. Schließlich erwartet jeder Stromerzeuger eine gewisse Menge Strom, die eine entsprechende Menge Geld einbringen könnte. Kann dieses Ziel durch die notwendigen Eingriffe nicht erreicht werden, wird die ausfallende Summe auf die Kunden umgelegt, was zu höheren Strompreisen führt. „Die Kosten für dieses Engpassmanagement werden weiter ansteigen, bis die Energiewende komplett vollzogen ist. Mit Atomkraftwerken war das alles mehr wie mit Autopilot zu fahren“, ergänzt Wantia.

Das Stromnetz könne eine Schwankung von 500 Megawatt ohne Eingriffe aushalten, was dem Verbrauch einer Stadt mit 500.000 Einwohnern entspricht. Erst bei größeren Schwankungen würden Kraftwerke oder Windräder zu- oder abgeschaltet. Des Weiteren wurde erläutert, dass etwa eine Sonnenfinsternis kein Problem für den Stromhaushalt darstelle. „Interessanter wird es, wenn etwa Sturmböen aus dem Norden kommen“, meint Herbert Blumenstein, Gruppenleiter beim Umspannwerk. Auf die größte Probe werde das Stromnetz zudem an Silvester gestellt, wenn viele Leute lange wach sind, um Mitternacht hinausgehen und die Türen offen lassen, sind sich die Redner einig.

Beim Rundgang wurde auch eine sehr neue Anlage begutachtet: ein statischer Phasenschieber. Dieser soll weltweit einzigartig und damit auf der Höhe der Technik sein. Zuständig ist dieser für den Transport des Stroms. Nur in Kanada gäbe es etwas ähnliches. Tennet ist als Übertragungsnetzbetreiber für längere Strecken zuständig und Avacon bzw. die EAM als Verteilnetzbetreiber für den kurzen Weg bis zur heimischen Steckdose. Dementsprechend ist das Gelände des Umspannwerks, das die Tennet einnimmt, auch wesentlich größer, als das der Avacon, was weiter herausstellt, von welch zentraler Bedeutung das Umspannwerk Borken für das gesamte Stromnetz in Deutschland und darüber hinaus darstellt.

EXTRA INFO: Was ist der Bürgerdialog Stromnetz?

Der Bürgerdialog Stromnetz ist eine Initiative für den offenen und transparenten Austausch zwischen allen Beteiligten rund um den Ausbau des Stromnetzes in Deutschland. Dazu stellt dieser grundlegende Informationen bereit und beantwortet Fragen zum Netzausbau. Darüber hinaus zeigt er Bürgern auf, welche Beteiligungsmöglichkeiten es in den unterschiedlichen Planungs- und Genehmigungsverfahren gibt. Gefördert wird der Bürgerdialog Stromnetz vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

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