„Unterstützung sieht anders aus“

Normalerweise könnte für diese beiden das Leben eine ganze Ecke einfacher sein... „wenn die Krankenkasse sich nicht immer gegen alles quer stellen würde“, meinen Susanne und Luca Schulze.
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Normalerweise könnte für diese beiden das Leben eine ganze Ecke einfacher sein... „wenn die Krankenkasse sich nicht immer gegen alles quer stellen würde“, meinen Susanne und Luca Schulze.

Gudensberger Familie kämpft für ihren behinderten Sohn mit der Krankenkasse

Gudensberg-Maden. „Es ist einfach nur noch nervig... Es ist ärgerlich und unserer Ansicht nach auch unnötig“, das sagt Susanne Schulze, wenn sie davon erzählt, welchen Ärger sie mit der Krankenkasse BKK Herkules hat.

Es geht um Luca, den achtjährigen Sohn von Susanne und Marko Schulze. Luca ist behindert, er kann nicht richtig sprechen und auch das Gehen fällt ihm schwer. Das liegt daran, dass Luca an einer Entwicklungsstörung leidet, hinzu kommt Muskelrückgang sowie Spastiken. Aufgrund seiner Behinderung muss Luca – er hat den Pflegegrad 4 – eine Förderschule besuchen, die Schule am Dom in Fritzlar.

„Luca kann nicht richtig sprechen, maximal ‚Mama‘ oder ‚Papa‘ sagen, und den Namen seiner Schwester kann er auch noch“, erzählt Susanne Schulze, „dann hört es aber auch schon auf. Er sagt nur unverständliche Worte.“ Deshalb hat Luca in der Schule eine Kommunikationshilfe. Susanne Schulze: „Die sieht aus wie ein Tablet. Dort kann Luca auf bestimmte ‚Kärtchen‘ drücken – beispielsweise eine Toilette – dann sagt die Navigationshilfe, dass Luca auf Toilette muss.“

Eine solche Kommunikationshilfe Kostenpunkt ca. 3.500 Euro) wäre für Familie Schulze auch zuhause eine enorme Erleichterung. Allerdings weigert sich die Krankenkasse von Schulzes, die BKK Herkules in Kassel, diese Kommunikationshilfe zu bezahlen. „Wir haben sie schon mehrfach beantragt; aber sie wurde immer abgelehnt“, erzählt Susanne Schulze, „dabei ist die Krankenkasse – nach unserem Kenntnisstand – von Gesetzes wegen dazu verpflichtet, die Kommunikationshilfe zu bezahlen. In der Ablehnung stand dann noch der Satz, man könne ja gegen die Ablehnung klagen.“

Ähnlich verhält es sich mit dem Rollstuhl. Den braucht der Achtjährige, weil er keine langen Strecken gehen kann. „Er schläft beispielsweise nachts mit Orthesen. Und auch tagsüber braucht er welche.“ Susanne Schulze: „Im Frühjahr hatte er neun Wochen lang eingegipste Beine, um seinen Zehenspitzengang zu korrigieren. Dafür mussten wir jede Woche nach Göttingen fahren. Ein Rollstuhl ist absolut nötig, um Luca das Bewältigen von längeren Strecken zu ermöglichen.“ Doch auch den Rollstuhl Kostenpunkt ca. 500 Euro) hat die Krankenkasse abgelehnt. „Angeblich würden immer irgendwelche Unterlagen fehlen, mal die Berichte der Ärzte, mal war der komplette Antrag nicht angekommen.“

Das sagt die BKK

Auf Anfrage unserer Zeitung äußert sich Stephan Huhn, Geschäftsführer der BKK Herkules in Kassel, wie folgt zu dem Fall: „Die Anfrage auf Genehmigung des Rollstuhls ist bei uns am 27. Mai dieses Jahres eingegangen. Schon am 28. Mai haben wir zurückgeschrieben, dass wir den Antrag prüfen. Gedauert hat das ganze möglicherweise deshalb so lange, weil uns beispielsweise noch Unterlagen des Arztes gefehlt haben. Am 25. August haben wir den Rollstuhl genehmigt. Den kann Familie Schulze jetzt erhalten.“

Und auch in Sachen Kommunikationshilfe gibt Stephan Huhn, nachdem ihn Susanne Schulze von der Schweigepflicht entbunden hatte, Auskunft. „Wir als Krankenkasse prüfen ja lediglich die gesetzlichen Voraussetzungen bei solch einem Antrag. Die medizinischen Voraussetzungen prüft der Medizinische Dienst. Und wenn von Gesetzes wegen Krankenkassen die Kosten für Kommunikationshilfen nicht übernehmen können, dann ist das halt leider so. Familie Schulze hat ja schon Widerspruch gegen unsere Entscheidung eingelegt. Der wurde vom Widerspruchsausschuss abgelehnt. Nun bleibt Familie Schulze leider nur noch der Klageweg.“

Zusammenfassend ist es Stephan Huhn wichtig zu sagen, „dass wir hier grundsätzlich alle unsere Kunden gleich behandeln. Es liegt uns überhaupt nichts daran, jemanden zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Im Übrigen werden wir – beziehungsweise unsere Arbeit – ja auch überprüft.“

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LETZTE MELDUNG

Rollstuhl genehmigt

Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns von Susanne Schulze die Nachricht, dass die Krankenkasse den Rollstuhl jetzt endlich genehmigt hat... hier ein Auszug aus der Mail: „... Hallo Herr Knödl, ich wollte nur kurz Bescheid geben, dass der Rollstuhl nun endlich genehmigt wurde. Ich denke mal deswegen, weil die Kasse Angst vor negativer Presse hat. Das ändert aber nichts daran, wie andere Dinge gehandhabt werden, z.B. die Ablehnung der Kommunikationshilfe...“

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