Nach Verbot von Zusammenkünften über 20 Personen: Verstärkte Kontrollen – Polizei rechnet mit mehr Familienkonflikten

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Die Ordnungsbehörden werden ab sofort stärker Konrollen durchführen. Wer sich an die Anordnung des Kreises nicht hält, muss mit saftigen Strafen rechnen.

Seit Mittwoch sind Zusammenkünfte über 20 Personen verboten. Wer sich nicht daran hält, dem drohen harte Strafen. Ordnungsämter und Polizei sollen hier rigoros durchgreifen.

Schwalm-Eder. Seit Mittwoch sind im Schwalm-Eder-Kreis Zusammenkünfte mit mehr als 20 Personen untersagt. Zu der drastischen Maßnahme äußerten sich Landrat Winfried Becker und Vize-Landrat Jürgen Kaufmann bereits am Dienstag in einer Pressemitteilung und machten deutlich, dass dieser Schritt zwingend notwendig sei.

„Wir bitten die Bevölkerung weiterhin um Verständnis und rufen dringend dazu auf, sich an die nun geltenden Vorgaben zu halten und die sozialen Kontakte im Öffentlichen sowie im Privaten auf ein Mindestmaß zu begrenzen“, so Becker und Kaufmann.

Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren drohen

Bei der Aufforderung der Kreisverwaltung handelt es sich jedoch keineswegs um eine Bitte. Wer gegen die Verfügung vom 17. März verstößt, muss mit harten Konsequenzen rechnen. Ganz konkret: Wer die Vorgaben der Anordnung, die im Detail auf der Internetseite des Kreises einsehbar sind, missachtet, dem droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren. Doch es kann noch schlimmer kommen: Widersetzt man sich den Vorgaben und sorgt dadurch für die Verbreitung des Coronavirus, sieht der Gesetzgeber Freiheitsstrafen zwischen drei Monaten und fünf Jahren vor. Die Anordnung gilt nicht nur für den öffentlichen Bereich (Spielplätze, Parks etc.), auch private Feiern mit mehr als 20 Teilnehmern sind davon nicht ausgenommen, wie der Kreis erklärt.

„Wir stehen in Kontakt mit den Ordnungsbehörden der Kommunen, die für die Einhaltung zuständig und dazu angehalten sind ab sofort verstärkt zu kontrollieren“, erklärt Kreispressesprecher Stephan Bürger auf Nachfrage. Dabei macht Bürger deutlich, dass es sich dabei nicht um ein Kavaliersdelikt handele, sondern ausnahmslos bestraft werde. Landrat Becker und Vize-Landrat Kaufmann dazu: „Gegen Regelverletzungen werden wir nicht zögern, alle rechtlich möglichen Schritte einzuleiten. Es wird Zeit, dass alle verstehen, wie ernst die Lage ist.“ Besonderes Augenmerk lege man auch auf Personen, die unter häuslicher Quarantäne stehen. Bis Donnerstagabend belief sich laut Schwalm-Eder-Kreis die Zahl der am Virus infizierten Personen auf 62. 

Auch die Polizei sorgt mit dafür, dass die Auflagen eingehalten werden. „In erster Linie sind die Ordnungsbehörden vor Ort zuständig. Wir können aber jederzeit hinzu gerufen werden“, sagt Polizeipressesprecher Markus Brettschneider. Ein Beispiel sei ein mögliches Einschreiten bei sogenannten Corona-Partys mit sehr vielen Teilnehmern. „Die Polizeipräsenz ist in jedem Fall gewährleistet. Ich kann jedoch nur an die Bürger appellieren, sich bitte an alle Auflagen zu halten“, macht Brettschneider deutlich.

Konflikte innerhalb der Familie werden zunehmen

Der Pressesprecher sieht indessen eine „Veränderung der Kriminalität“ in den kommenden Wochen auf die Polizei zukommen. „Es ist davon auszugehen, dass sich Konflikte innerhalb der Familien oder auch mit Nachbarn in einem Haus häufen werden“, erklärt Brettschneider. Es komme darauf an, wie lange die Situation andauere.

„Wir haben keine Erfahrungen dahingehend. Tendenziell ist aber davon auszugehen, dass es vermehrt zu Konflikten kommt, wenn Personen über einen längeren Zeitraum auf engem Raum zusammen sind. Ähnlich ist es jährlich an Weihnachten zu beobachten“, so der Pressesprecher und fügt an, dass die Polizei auch in diesen Zeiten immer über die 110 erreichbar ist.

EXTRA-INFO

Zulassungsstellen: An- und Abmeldungen weiter möglich

In Abstimmung mit den Städten Fritzlar, Melsungen und Schwalmstadt stehen alle Zulassungsstellen des Schwalm-Eder-Kreises mit ihren Dienstleistungen der An- und Abmeldung selbstverständlich grundsätzlich auch weiterhin zur Verfügung. Wegen des eingestellten Publikumsverkehrs sind alle Kunden aufgefordert, sich zunächst telefonisch bei den Standorten der Zulassungsstellen zu melden und ggf. Verständnis aufzubringen, dass die Bearbeitung nach einer Priorisierung erfolgt. Vorrangig werden Vorgänge aus wichtigen Infrastrukturbereichen bearbeitet. Am Standort im Behördenzentrum in Homberg wird voraussichtlich ab Montag im benachbarten „Schilderdienst“, im Gebäude Triangel, ein Schalterdienst eingerichtet, wo zunächst alle Unterlagen entgegengenommen werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

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