Verkalkt und windig:Anträge der Bürgerliste Bad Zwesten abgelehnt

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Im Interview mit Lokalo24.de erklärt Bürgermeister Michael Köhler, was es die Gemeinde kosten würde, weicheres Wasser zu haben.

Bad Zwesten. Die Bürger von Bad Zwesten haben eines immer im Schrank: Genügend Entkalker. Denn der Härtegrad des Wassers liegt bei 16,3 Grad deutscher Wasserhärte und setzt Wasserkochern, Waschmaschinen, Kaffeemaschinen und Co. zu. Ein Problem, das etwa dreiviertel aller Bad Zwestener Haushalte betrifft. Die Bürgerliste Bad Zwesten hat daher in der letzten Gemeindeparlamentssitzung vor den Kommunalwahlen beantragt, die Möglichkeiten für kalkarmes Wasser zu prüfen. Ein Vorschlag, der im Parlament auf wenig Gegenliebe gestoßen ist und von den Gemeindevertretern mehrstimmig abgelehnt wurde.

Der Vertreter der unabhängigen Wählergemeinschaft Dr. Uwe Seeger stellte dem Parlament drei Lösungswege vor: Der Vorstand der Gemeinde solle erneut mit der Bad Wildunger Kraftwagenverkehrs- und Wasserversorgungsgesellschaft mbH (BKW) verhandeln, um kalkfreies Wasser nach Bad Zwesten zu liefern. "Um das zu realisieren müssten wir Leitungen von Bad Zwesten nach Bad Wildungen legen lassen", erklärt Bürgermeister Michael Köhler auf Nachfrage von LOKALO24.de. Die Kosten für den Leitungsbau einer siebeneinhalb Kilometer  langen Linie betragen rund 2,6 Millionen Euro. "Die Kosten dafür müsste die Gemeinde tragen. Für die Bürger würde das bedeuten, dass sie einen höheren Wasserpreis zahlen müssten", fügt er hinzu. Köhler habe bereits neu mit der BKW verhandelt: "Der Wasserkaufpreis netto läge jetzt in der günstigsten Variante bei 1 Euro pro Kubikmeter. Das sind fünf Cent weniger als bei den Verhandlungen zuvor", sagt der Bürgermeister. Aus Bad Wildungen könnte Wasser mit dem Härtegrad sechs geliefert werden.

Alternativ wäre es möglich einen neuen Brunnen für kalkarmes Wasser zu bohren. "Das würde 600 bis 800 Euro pro laufenden Meter kosten. Dazu kämen die Kosten für ein Brunnenhaus mit der nötigenTechnik gebaut werden. Dafür liegen der Gemeinde bisher keine Kosteneinschätzungen vor", sagt Köhler. Geologisch käme dafür das Terrain zwischen Niederurff und Bischhausen in Frage. "Vor rund 20 Jahren wurden  bereits Probebohrungen nördlich von Bad Zwesten  durchgeführt. Damals wurde kein Trinkwasser gefunden", erklärt der Bürgermeister. "Bei einer Bohrung ohne Ergebnis wäre das Geld jedoch verloren."

Die dritte Möglichkeit, die die Bürgerliste im Parlament vorgeschlagen hat, wäre eine zentrale Enthärtungsanlage. Die koste jedoch deutlich mehr als eine Leitung von Bad Wildungen nach Bad Zwesten, erklärt der Bürgermeister weiter.

Windkraftanlagen auf der Altenburg?

Auch der zweite Antrag des Vertreters der Bürgerliste Bad Zwesten fand in der Parlamentssitzung keine Zustimmung: Die Altenburg ist im Teilregionalplan des Regierungspräsidiums Kassel als mögliche Fläche für Windkraftanlagen eingeplant. Insgesamt vier Windräder sollen dort entstehen. Das trübe nicht nur die landschaftliche Optik, sondern sei auch aus Kultur- und Naturschutz-Gründen nicht wünschenswert, finden die Mitglieder der Bürgerliste. Daher hat die unabhängige Wählergemeinschaft beantragt, ein Bauleitverfahren zu beantragen, in dessen Verlauf, die Altenburg als Standort geprüft würde.

"Es ist ein schwieriges Thema, mit dem wir immer wieder konfrontiert werden", sagte Bettina Riemenschneider-Wickert von der SPD-Fraktion. "Da das Regierungspräsidium (RP) unsere Gemeinde für Windkraftanlagen eingeplant hat, wäre jeder Versuch das zu verhindern, nur Hinhaltetaktik – die zusätzlich teuer ist." Auch habe die Gemeinde bereits ein Bauleitverfahren gegen die Windkraftanlagen auf der Anhöhe in Wenzigerode angestrengt, ergänzte Fraktionskollege Robert Koch.

Daher komme nun die Altenburg als Alternative in Frage. Zwar sei das Gebiet kulturell und im Hinblick auf die Natur schützenswert; die Einwände habe die Gemeinde jedoch schon beim RP vorgelegt. Die Bürger wären in diesem Fall diejenigen, die dieses Bauleitverfahren über die Steuern hauptsächlich zahlen müssten, erklärte Koch weiter. "Wir kommen nicht um die Vorgaben des RPs herum und müssen Flächen für die Windkraftanlagen zur Verfügung stellen", betonte Riemenschneider-Wickert.

Das Parlament lehnte den Antrag der Bürgerliste mehrstimmig ab.

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