Volontärin Vanessa von Lengerken saß in der Jury beim Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs

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Die beste Leserin aus dem Schwalm-Eder-Kreis: Marlene Schütz

Die besten Leser aus den Schulen des Schwalm-Eder-Kreis kamen zum Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs in die Gustav-Heinemann-Schule in Borken. Volontärin Vanessa von Lengerken war eines der fünf Jurymitglieder und berichtet von ihrem Tag als Jurorin.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Borken. Es ist 6.51 Uhr als mein Wecker an diesem Dienstagmorgen seinen schrillen Alarmton von sich gibt. Genervt will ich ihn weiter vorstellen, als mir der Gedanke in den Sinn kommt, dass heute kein normaler Arbeitstag in der Redaktion ansteht.

Denn die Autofahrt in knapp einer Stunde wird mich nicht ins nahegelegene Homberg führen, sondern an die Gustav-Heinemann-Schule in Borken. Dort findet der Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs statt. Und ich habe die Ehre, eine der Jurorinnen zu sein.

Knappe 18 Kilometer und eine verzweifelte Parkplatzsuche später stehe ich auf dem Gelände der Borkener Schule. Suchend blicke ich mich um, als eine Stimme ruft: „Wollen Sie zum Vorlesewettbewerb?“ Als ich mich umdrehe, erbli­cke ich einen Mann, der sich mir später als Vater der Organisatorin Sonja Lehmann, Inhaberin der Buchhandlung Bücherwurm, vorstellt.

Er führt mich zum Theaterraum der Schule, in dem schon reihenweise Kinder erwartungsvoll sitzen. Direkt vor der Bühne befinden sich aneinandergereihte Tische, an denen schon drei Frauen Platz genommen haben. „Das werden wohl meine Mitjurorinnen sein“, denke ich mir.

Ich sitze zwischen Katja Jankowski, Inhaberin von Buch und Papier Mönch Borken und Akzente Buchhandlung in Bad Zwesten, und Andrea Nagel, die ehrenamtlich in der Bücherei in Jesberg arbeitet. Außen nimmt Sonja Lehmann Platz. Neben ihr grüßt mich freundlich Gudrun Reinbold vom Magistrat der Stadt Borken.

Jeder Schüler erhielt für seine Teilnahme eine Urkunde sowie ein Buch, gesponsert vom Börsenverein des deutschen Buchhandels.

Kurz danach geht es schon los: Nacheinander lesen 17 Kinder aus Schulen des Schwalm-Eder-Kreises jeweils drei Minuten aus ihren vorbereiteten Büchern. Ich sehe einige zitternde Hände, auch die eine oder andere zittrige Stimme verrät die Nervosität. „Die sind ganz schön mutig, da oben zu sitzen“, kommt mir der Gedanke und kurz danach die Erkenntnis, „Und ich muss diesen Mut bewerten. Ich bin diejenige, die über Gewinner und Verlierer dieses Wettbewerbs mitentscheiden wird.“

Vor mir liegen die Bewertungskriterien. Ich soll Punkte von eins bis fünf für Lesetechnik, Interpretation und Buchauswahl vergeben – fünf ist dabei die höchste Punktzahl. Nach der ersten Runde habe ich bereits meinen Favoriten.

„Beim Fremdtext trennt sich aber die Spreu vom Weizen, glaubt mir“, versichert uns Lehmann in der Pause. Ich bin gespannt.

Sie zeigt mir das dafür vorgesehene Buch: „Die verkehrte Stadt“ von Alyson Noël – nie gehört, geschweige denn gelesen. Nacheinander lesen die Teilnehmer aus dem Buch vor. Mir gefällt der Inhalt: etwas Magie, viel Skurriles – sicherlich ein schönes Kinderbuch.

Mir geht durch den Kopf, dass Lehmann Recht hatte. Plötzlich stocken viele beim Lesen. Alltägliche Wörter wie ‘spionieren’ und ‘blasse Haut’ kommen einigen einfach nicht mehr fehlerfrei über die Lippen.

Doch dann tritt das Mädchen der CJD Jugenddorf-Christophorusschule Oberurff auf die Bühne. Blond mit einer geflochtenen blauen Strähne und einem strahlenden Lächeln. Ich schaue auf meine Teilnehmerliste und lese den Namen ‘Marlene Schütz’.

Flüssig trägt sie selbst schwierige Textstellen vor, die Dialoge gestaltet sie spannend. Trotz Fremdtext blickt sie immer wieder auf und sucht meinen Blick. „Bewundernswert“, denke ich mir und umkringel die fünf bei Lesetechnik und Interpretation – besser geht es nicht.

Rund eine halbe Stunde später sind alle Kinder durch. Wir fünf Juroren sitzen am Tisch beisammen und beratschlagen. Schnell zeigt sich, dass wir ungefähr auf gleicher Linie mit unseren Bewertungen liegen. Ich schnappe mir einen Taschenrechner und beginne die Gesamtpunkte auszurechnen.

Ein paar Minuten später ist es dann soweit: mit 115 Punkten holt sich meine Favoritin Marlene tatsächlich den Sieg und damit die Teilnahme am Bezirksentscheid im April, bei dem die Elfjährige aus Uttershausen den Schwalm-Eder-Kreis vertreten wird.

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