„Vorfahrt für Jesberg“ bringt die Mitfahrerbank in die Region

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Mehr Mobilität in der Gemeinde: Der Verein "Vorfahrt für Jesberg" arbeitet an einem umfangreichen Konzept - ein Element ist die Mitfahrerbank.

Jesberg. Den Daumen raus, eine leichte Winkbewegung in Fahrtrichtung und die große Hoffnung: Hoffentlich nimmt mich jemand mit. Wer schon einmal getrampt ist, kennt dieses Gefühl. Die Abhängigkeit der Laune eines Fremden, um ans Ziel zu kommen. Nicht mobil und auf andere angewiesen zu sein. Auch im ländlichen Schwalm-Eder-Kreis ist Mobilität ein Dauerthema. In Homberg oder auch in Frielendorf steht ein Bürgerbus auf der Agenda.

In Jesberg hingegen möchte der im Januar gegründete Verein "Vorfahrt für Jesberg" ("VoJes") das Trampen gesellschaftsfähig machen. Doch: Die Vereinsmitglieder werden nicht etwa Pappschilder und wasserfeste Filzstifte zu Verfügung stellen. Vielmehr strebt der Verein in Jesberg das Trampen 2.0 an. Was man dazu braucht? Eine sogenannte Mitfahrerbank.

Acht Bänke in der gesamten Gemeinde

Die wird an den Ortsausgängen platziert. Daneben: Ein Wegweiser auf dem der Zielort für die vorbeikommenden Autofahrer zu lesen ist. "Die Mitfahrerbänke sind ein gutes Element, um Mobilität hier in Jesberg zu schaffen", erklären Michael Schramek und Daniela Möller vom "VoJes"-Vorstand. Insgesamt acht Bänke sollen bis Ende Mai in Jesberg und vier Ortsteilen stehen. Mit der Raiffeisenbank Borken habe man bereits auch einen Sponsor für die Mobilität schaffende Sitzgelegenheit.

Jetzt gelte es nur noch geeignete Plätze zu finden. "In den Ortsteilen bieten sich die Bushaltestellen an. Hier können Autofahrer gefahrlos anhalten", sagt Michael Schramek. In Jesberg sei man derzeit noch auf der Suche nach geeigneten Plätzen. "Wir sind aber zuversichtlich auch in der Kerngemeinde bald eine Lösung gefunden zu haben", erzählt Schramek.

Vereinsmitglieder mit gutem Beispiel voran

Und so funktioniert’s: Hingehen, Schild drehen, hinsetzen und warten. Neben den Ortsteilen, sei ein Zielort auch der Bahnhof in Schwalmstadt. Die Gefahr, dass die Leute auf der Bank sitzen bleiben, befürchten die Vorsitzenden nicht. "Ich sehe da kein Problem. Hier kennt man sich noch. Aus diesem Grund dürfte die Hemmschwelle an der Bank anzuhalten, nicht so hoch sein", sagt Daniela Möller. Räumt aber auch ein: "Wir, die Vereinsmitglieder, müssen natürlich mit gutem Beispiel vorangehen. Vor allem die älteren Mitbürger müssen wir an die Hand nehmen und ihnen das Prinzip der Mitfahrerbank erklären. Nur so können Zweifel aus dem Weg geräumt werden", betont Möller.

Keine Zweifel an den Plänen von "VoJes" hat die Gemeinde Jesberg, die mittlerweile auch Vereinsmitglied ist. Neben der Mitfahrerbank plant der Verein "Vorfahrt für Jesberg" weitere Mobilitätsangebote, wie etwa Car-Sharing oder auch den Verleih von E-Lastenrädern in der Gemeinde zu schaffen (siehe EXTRA-INFO). Mit Michael Schramek hat "VoJes" zumindest einen Experten in den eigenen Reihen: Der Jesberger ist Geschäftsführer des Mobilitätsberatungsunternehmens "EcoLibro" und verfügt nach eigenen Angaben dementsprechend über ein breites Netzwerk in der Branche. Die Lösung des ländlichen Mobilitätsproblems sieht Schramek vor allem in der Vielfalt der Angebote: "Ich denke, die Mischung der Angebote führt zu einem höheren Erfolg."

+++EXTRA-INFO+++

Die geplanten Angebote von "Vorfahrt für Jesberg"

Seit der Gründung im Januar 2016 engagieren sich mittlerweile 16 Mitglieder im Verein "Vorfahrt für Jesberg". Gemeinsam wollen sie ein multimodales Mobilitätsangebot für die Gemeinde schaffen. Und dabei Alternativen zum privaten Auto bieten. "Die Arbeit des Vereins soll allen Jesbergern zugute kommen", erklärt Daniela Möller vom Vorstand.

Das möchte der Verein mit (E-) Carsharing, Pedelec- und E-Lastenrad- sowie Anhängerverleih, Mitfahrangeboten über Taxi- und Privat-Pkw-Fahrgemeinschaften, einem Mitbringdienst für Einkäufe, Liefer- und Abholdiensten mit E-Lastenrädern (hier kann der samstägliche Weg zum Bauhof zum Wegbringen des Grünschnitts entfallen) und natürlich den Mitfahrerbänken schaffen."Die Angebote finanzieren sich über Sponsoren, Mitgliedsbeiträge und die Nutzungsgebühr", sagt Michael Schramek (ebenfalls Vorstand).

Zukünftig könnten dann die Jesberger alle Angebote in einer App abrufen und somit immer über Verfügbarkeit und Standort informiert sein.

Mehr Informationen zum Verein und dem Mobilitätskonzept gibt es auch im Internet auf www.vorfahrt-fuer-jesberg.de.

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