Wabern-Zennern: Bürgermeister lässt 120 Jahre alte Kastanien fällen – Anwohner wussten von nichts

1 von 16
2 von 16
3 von 16
4 von 16
5 von 16
6 von 16
7 von 16
8 von 16

Zwei Bäume sollten für eine barrierefreie Bushaltestelle und eine Querungshilfe weichen... bis die Zennerner die Fällung stoppten. Bürgermeister Steinmetz sagt jetzt: "Es tut mir Leid!" Und er will neue Bäume pflanzen.

Wabern-Zennern. Als am Dienstag vergangener Woche Mitarbeiter des Waberner Bauhofs in der Mainzer Straße in Wabern-Zennern anfingen, eine von drei dort stehenden Kastanien zu stutzen, ahnten die Anwohner noch nichts Böses.

„Wir dachten, dass alte und kranke Äste entfernt würden“, erzählt Julia Blum, die mit ihrem Mann C hristian direkt gegenüber des Kastanien-Trios wohnt. „Als aber am nächsten Morgen nur noch ein trauriger Rest stand und die Arbeiter bereits damit beschäftigt waren, eine zweite Kastanie umzumachen, haben wir die Arbeiter mal gefragt, was sie dort eigentlich machen würden.“ Sie sollten zwei der drei 120 Jahre alten Bäume fällen war die Antwort. Weil dort, in Höhe des Bahnhofs Zennern, eine barrierefreie Bushaltestelle und eine Hilfe zum Überqueren der stark befahrenen Mainzer Straße entstehen soll.

Die Zennerner fielen aus allen Wolken. „Was?“, fragte sich auch Martina Lorenz, die in Zennern einen Friseursalon betreibt, „rechts und links der drei Kastanien sind hunderte Meter Platz, um eine Bushaltestelle zu bauen. Warum muss man drei so alte tolle Bäume fällen, wenn‘s auch anders geht?“

Und so formierte sich der Widerstand. Zig Anwohner versammelten sich am Bahnhof und sorgten dafür, dass die Bauhof-Mitarbeiter zumindest die zweite Kastanie nicht weiter fällen konnten. „Ich bin sehr traurig über die Entscheidung, die Bäume zu fällen. Man hätte sicherlich noch andere Möglichkeiten gefunden“, ist auf Zetteln zu lesen. Die Forderung der Protestler: „Sofort aufhören mit dem Fällen!“ Die Intervention hatte Erfolg. Noch am Mittwochvormittag vergangener Woche kam Waberns Bürgermeister Claus Steinmetz und versuchte zu erklären: „Es gibt die gesetzliche Vorgabe, bis 2022 alle Bushaltestellen barrierefrei zu gestalten. Hier, in der Mainzer Straße, wollten wir zusätzlich noch eine Querungshilfe bauen.“ Für die Baumaßnahme seien 490.000 Euro vorgesehen, über 300.000 Euro habe man im November bereits einen Bewilligungsbescheid bekommen. „Wir hatten einen Ortstermin mit Hessen Mobil und der Kreisverkehrsbehörde“, sagt Steinmetz, „und nach deren Einschätzung sollten für die Umsetzung der Baumaßnahme zwei der drei dort stehenden Kastanien gefällt werden.“

Aber nicht einmal der Ortsbeirat wusste etwas davon. Das bestätigt Steinmetz: „Stimmt. Das ist mein Fehler. Da habe ich einfach vergessen, den Ortsbeirat mit ins Boot zu holen. Das tut mir auch wahnsinnig leid.“

Was bei den Zennernern nur verständnisloses Kopfschütteln hervorruft. „Wie kann man denn bei einer solchen Maßnahme, mit der man massiv ins Ortsbild eingreift, vergessen, den Ortsbeirat zu informieren“, fragt sich Julia Blum.

Und Martina Lorenz ergänzt: „Gerade heute, wo es um Nachhaltigkeit und Erhaltung geht, sollen hier solch alte Bäume gefällt werden. Da nützt es uns auch nichts, wenn als Ausgleichsmaßnahme neue Bäume gepflanzt werden. Bis die so groß sind wie die alten, das werden noch nicht mal unsere Kinder erleben.“

Und wie erbost die Zennerner sind, lässt ein Satz auf einem der Zettel erahnen, der am Reststamm der abgeholzten Kastanie hängt: „Wenn der Bürgermeister meint, in Zennern müssen die Bäume weg, dann meinen die Zennerner, der Bürgermeister muss weg.“

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Borken: E-Padelec bleibt nach Probefahrt verschwunden

Der 20 bis 30 Jahre alte Täter hatte sich das E-Pedelec in einem Borkener Fahrradladen für eine Probefahrt ausgeliehen und nicht wieder zurückgebracht.
Borken: E-Padelec bleibt nach Probefahrt verschwunden

Junge "Cowboys" fangen Kälber an ICE-Strecke bei Körle ein

Am vergangenen Samstag sind an der ICE-Strecke bei Körle zwei junge Kälber von einer Weide ausgebüxt. Gefangen wurden die Ausreißer von zwei Jungen im Alter von 13 und …
Junge "Cowboys" fangen Kälber an ICE-Strecke bei Körle ein

Melsungen: Explosion im LKW-Führerhaus

Am gestrigen Montagmorgen kam es im Führerhaus eines LKW im Industriegebiet in Melsungen zu einer Explosion. Die Feuerwehr war mit 34 Einsatzkräften vor Ort.
Melsungen: Explosion im LKW-Führerhaus

Illegal entsorgtes Altöl löst Umwelteinsatz für Melsungen Feuerwehren aus

Insgesamt handelte es sich um sieben Behälter, die zwischen einem und 20 Liter fassen. Rund 15 Liter Altöl sind im Boden versickert.
Illegal entsorgtes Altöl löst Umwelteinsatz für Melsungen Feuerwehren aus

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.