Warten auf die Gelben Tonnen: Im Schwalm-Eder-Kreis wissen viele nicht wohin mit ihrem Plastik-Müll

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Die Gelbe Tonne hat er noch nicht, die Gelbe Säcken werden nicht geliefert: Der Homberger Meik Kulla ärgert sich über die schlecht geplante Umstellung vom Gelben Sack auf die Gelbe Tonne, die es seit 1. Januar im Schwalm-Eder-Kreis geben soll. „Es ist ein Glücksfall, dass ich noch Gelbe Säcke gefunden habe, denn sonst wüsste ich nicht wohin mit dem Abfall.“

Lieferengpässe, das dünne Material oder die schlechte Qualität sind häufige Kritikpunkte am Einsatz von Gelben Säcken. Da kommt die Umstellung auf die Gelbe Tonne gerade recht – außer, wenn es wie in Homberg Probleme gibt.

Bereits Mitte Oktober des vergangenen Jahres kündigte der Schwalm-Eder-Kreis die Einführung der Gelben Tonne an. Eigentlich eine positive Veränderung, denn durch das Ersetzen der Gelben Säcke mittels der Gelben Tonne wird weniger Plastikmüll produziert – zumindest was die Säcke selbst angeht. Ärgerlich, wenn die Einführung dann nicht so reibungslos läuft, wie gedacht. Besonders für Menschen wie Meik Kulla, der weder die Gelbe Tonne noch Gelbe Säcke hat und nicht weiß, wohin mit dem Plastik.

„Wenn die mit den Tonnen nicht hinterherkommen – ok – das kann sich vielleicht verzögern, aber die Gelben Säcke müssen zumindest vorhanden sein“, macht sich der 38-jährige Homberger Luft über die Versorgungslücke. Manuela Volke von der Stadt Homberg erklärt: „Der Bedarf an Gelben Säcken sollte natürlich immer gedeckt sein. Wir haben auch vor Kurzem erst wieder Gelbe Säcke bei Fehr bestellt, aber warum die Auslieferung so lange dauert, kann ich nicht sagen. Eigentlich lief es immer gut.“

Auf Nachfrage schildert die Firma Fehr die Situation wie folgt: „Wir haben in unserem Bestand ausreichend Gelbe Säcke, aber es gab leider eine Misskommunikation zwischen den Städten, Gemeinden und uns.“ So seien die Bestellungen, die zwischen den Jahren bei Fehr eingegangen sind, im E-Mail-Postfach eines ehemaligen Mitarbeiters gelandet, auf das man keinen Zugriff gehabt habe. Dies sei erst im Laufe der zweiten Januarwoche aufgefallen.

„Wir sind momentan dabei, die Bestellungen abzuarbeiten. Zukünftig sollen ohnehin nur noch transparente Säcke benutzt werden – natürlich nur im Ausnahmefall, wenn die Tonne nicht reicht. Gelbe Säcke sind dann nur noch Bewohnern der Altstadtbereiche in Fritzlar, Melsungen und Schwalmstadt vorbehalten“, heißt es von Mitarbeitern des Entsorgungsunternehmens.

Ein paar Gelbe Säcke konnte Meik Kulla noch finden, bevor er auf andere Säcke umsteigen musste. „Es kann doch nicht sein, dass die Stadt das auf uns abwälzt und wir zusehen können, wo wir die Säcke herbekommen“, ärgert sich der 38-Jährige.

Kulla selbst wundert sich über die Aussage: „Eigentlich soll nur noch die Gelbe Tonne da sein, aber wenn es nicht geht, sollen doch wieder Säcke verwendet werden – also Säcke noch zusätzlich. Das kann doch nicht im Sinne des Erfinders sein. Und außerdem habe ich noch nicht eine Gelbe Tonne gesehen,“ sagt Kulla. Mitte Oktober des vergangenen Jahres sollte die Auslieferung starten, doch die verzögerte sich. „Wir haben mit der Auslieferung realtiv spät begonnen, genauer gesagt erst Ende November“, erklärt ein Fehr-Mitarbeiter und nennt auch den Grund: „Da die Tonnen erst seit 1. Januar geleert werden und wir die Sorge hatten, dass die Tonnen schon vorher voll gemacht werden, denn wo Tonnen stehen, werden sie gefüllt.“

Insgesamt sollen bis Ende Februar rund 75.000 Tonnen im Kreis verteilt werden. Laut Fehr ein angemessenes Ziel, doch Kulla bleibt skeptisch. „Niemand rennt für einen Joghurtbecher zur Tonne“ „Es ist ein Glücksfall, dass ich noch Gelbe Säcke gefunden habe“, sagt der 38-Jährige und gibt grundsätzlich zu bedenken: „Das ist totaler Schwachsinn. Niemand rennt für einen Joghurtbecher zur Tonne. Also wird das Zeug doch wieder in der Wohnung gesammelt – und zwar in Müllsäcken. Da habe ich mit der Tonne und den Säcken genauso viel Müll zu Hause stehen wie vorher, wenn nicht noch mehr.“

Stefan Bartels, Geschäftsführer von Fehr, stellt klar, dass die transparenten Säcke nur im Notfall verwendet werden sollen. „Wenn es regelmäßig zu so viel Abfall kommt, dass die Tonne nicht reicht, sprechen wir die Anwohner an und raten zu einer weiteren Tonne.“ Ein Unding für Meik Kulla. „Ich kann mir doch nicht den ganzen Hof mit Tonnen vollstellen. Für unser Mehrfamilienhaus gibt es schon fünf Restmülltonnen, Altpapiertonnen und dann noch die Tonnen für Plastik. Irgendwann ist der Hof voll.“

Bartels bittet um Verständnis: „Nach der Grundverteilung der Tonnen gehen wir auf die Rückmeldungen der Bürger ein. Ob es mehr Tonnen sein sollen oder eine große mit 1.100 Liter sein muss, klären wir dann im Einzelfall. Das kann allerdings noch bis Mitte März dauern.“ Kulla selbst kann darüber nur den Kopf schütteln: „Gerade in einer Kreisstadt sollte so eine Umstellung doch klappen. Und wenn es – wie Fehr sagt – genug Gelbe Säcke gibt, frage ich mich, warum es hier keine gibt.“

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