Wenzigeröder Karl-Heinz Schröder züchtet seit 40 Jahren in seinem Garten Bonsaibäume

Früher standen Karl-Heinz Schröders 600 Bonsai wie die Spargel in einer Reihe in seinem Garten. Mittlerweile sind es ‘nur noch’ 100 Exemplare.

Kleine Bäume, große Kunst: Karl-Heinz Schröders Leidenschaft begann vor 40 Jahren. Seitdem zwickt und zwackt er an einheimischen und exotischen Bäumen herum, um sie über Jahrzehnte zu Bonsai zu kultivieren.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Bad Zwesten-Wenzigerode. Die Bäume in dem Wenzigeröder Garten sind schon mehrere Jahre alt, manche sogar Jahrzehnte, doch nur zehn bis 30 Zentimeter groß, denn Karl-Heinz Schröder hat sie als Bonsai gezogen.

Beim Wort „Bonsai“ weiß fast jeder, dass kleine Zierbäume gemeint sind, die in Schalen wachsen. Genau das ist die Bedeutung des japanischen Begriffs: „Baum in der Schale“.

Der 64-Jährige steht mit einer Schere im Garten und zwickt in die kleinen Äste der Bonsai-Hainbuche. Fast 40 Jahre alt ist die Minipflanze. Sie wirkt wie das Miniatur-Abbild eines ausgewachsenen Baumes. Rund 100 solcher Bäumchen hat er in seinem Garten – darunter ein paar wertvolle Schätze.

Hinter jeder seiner Pflanzen verbirgt sich eine Geschichte: „Den Ahorn auf der Terrasse wollte mir die Gärtnerei nicht verkaufen. Er sei umgetopftes Material und der Verkauf für sie zu kritisch wegen der Garantie. Das müsse der Chef entscheiden, wurde mir gesagt, der sollte aber erst am Nachmittag kommen. Ich habe mich dann auf den Boden im Hof gesetzt und gewartet“, erzählt Schröder, „man muss die Herausforderung in solch einem Baum sehen.“ Heute ist er einer der wertvollsten Bonsai, den er besitzt.

Bildergalerie: Kleine Bäume ganz groß

Seit 40 Jahren kultiviert Karl-Heinz Schröder einheimische und exotische Bäume zu Bonsai zurück. © von Lengerken
Früher standen Karl-Heinz Schröders 600 Bonsai wie die Spargel in einer Reihe in seinem Garten. Mittlerweile sind es ‘nur noch’ 100 Exemplare. © von Lengerken
Feine Wurzeln und akkurat geschnittene Zweige – Für seinen Mini-Wald in Schalen braucht der Hobby-Züchter viel Zeit und Muße, denn es braucht Jahre bis Jahrzehnte Rückschnitt, bis ein Bonsai modelliert ist. © von Lengerken
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Links steht ein Hainbuchen-Steckling von zwei Jahren. Daneben der gezüchtete Bonsai mit fast 40 Jahren. © von Lengerken
Die nächste Generation Bonsai wächst schon heran. © von Lengerken
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Schröders große Leidenschaft begann vor 40 Jahren. Damals sammelte er noch Kakteen. In einem der Bücher über die stachelige Pflanze war ein Artikel über Bonsai. Er las sich in die Materie ein und fühlte sich nach fünf Jahren bereit, mit der Bonsai-Aufzucht zu beginnen. Drei Jahre ging er dazu in die Lehre von Bonsai-Experte Wolfgang Kawollek aus Kassel, der ihn anleitete, wie er durch Schneiden, Drahten und Formen aus einem Baum den perfekten Bonsai entstehen lassen kann.

Mit der Zeit wuchs seine Sammlung – mitunter auf 600 Exemplare. „Die standen wie Spargel in einer Reihe in meinem Garten“, so der Familienvater und muss in Gedanken daran schmunzeln. 1985 gründete er mit 26 anderen die Bonsai-Interessengemeinschaft und war mit seinem Mini-Wald landesweit auf Ausstellungen unterwegs.

1997 kam dann der Rückschlag. Der gelernte Koch wurde krank und sah sich gezwungen, seine Sammlung abzubauen. Der Verein schrumpfte auf drei Mitglieder zusammen, rund 100 Bonsai standen noch in Wenzigerode. Zehn Jahre trat Schröder mit seinen Bäumchen nicht in Erscheinung. Erst bei der 1.200 Jahrfeier von Bad Zwesten im August 2017 präsentierte er sie in einer kleinen Ausstellung. Recht schnell wuchs der Verein wieder auf zwölf Mann, denen er die Kunst des Zurückkultivierens beibringt.

Aus jeder Pflanzenart kann ein Bonsai gestaltet werden, solange sie stammbildend ist. Linde, Feuerdorn, Feigenbaum, Heckenkirsche – gerne kultiviert Schröder einheimische Pflanzen zu Bonsai um, die sind an die klimatischen Bedingungen angepasst, weiß der Experte. Um sein Rohmaterial zu finden, stöbert er durch Gärtnereien in Deutschland und auch Holland: „Ich gehe durch die Reihen und warte, dass der Baum mich findet“, so Schröder.

Damit die Pflanzen zu so besonderen Stücken werden, brauchen sie viel Zeit und der Züchter einiges an Geduld. „Ich richte die Pflanzen ja nicht hin, sondern her.“ Ihr außergewöhnliches Aussehen entsteht durch geschicktes Schneiden. Spezielle Drahttechniken bringen die Äste in den optimalen Winkel. Die passende Schale ergibt sich nach Ästhetik – „eine bizarre Pflanze braucht eine bizzare Schale. Habe ich keine passende, töpfere ich sie selber“, erklärt der Sammler.

Seine Bäumchen sind alles Unikate, einige sogar mehrere tausend Euro wert. In seiner Sammlung finden sich auch Exoten wie die 35-jährige koreanische Hainbuche. Aber er hat auch schon einen Efeu als Bonsai gestaltet – eine echte Rarität, für die ihm viel Geld geboten wurde.

Doch verkaufen kommt für Karl-Heinz Schröder nicht in Frage, seine Schätze haben ihren Platz in seinem Garten.

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