Der Wolf ist zurück... und hat schon zahlreiche Weidetiere getötet

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Achtung! Warnung! Auf den folgenden Fotos sind zum Teil sehr schwer verletzte Tiere zu sehen.
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Mit dem Wolf ist das so eine Sache: die Tier- und Naturschützer feiern seine Sichtungen in der heimischen Region als großen Erfolg. Nutztierhalter dagegen sehen in der Rückkehr des Wolfes eine Gefahr, die ihr Hobby oder sogar ihre berufliche Existenz bedroht.

Nordhessen. Es ist ein Thema, das polarisiert: Der Wolf ist nachweislich in die heimische Region zurückgekehrt. Die einen, die Tierliebhaber und Naturschützer, feiern das als großen Erfolg. Für andere, beispielsweise Nutztierhalter, stellt die Rückkehr des Wolfes eine Gefahr dar, die ihr Hobby oder sogar ihre berufliche Existenz bedroht. Zu letzteren gehört auch Karl-Heinz Meckbach. Der 70-Jährige wohnt in Homberg-Dickershausen und hatte auf einer Weide im Nachbarort Malsfeld-Sipperhausen bis vor Kurzem 13 Schafe stehen. Jetzt sind es nur noch neun. „Die restlichen vier hat ein Wolf getötet, beziehungsweise so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden mussten“, erzählt Meckbach im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wolf sorgt für vier tote Schafe

Wenn der Dickershäuser von jenem 23. Oktober erzählt, wird seine Stimme schwach und in seinen Augen stehen Tränen: „An diesem Mittwochmorgen bin ich wie jeden Tag zu meinen Schafen gefahren, um nach dem Rechten zu schauen. Gerade als ich ankam, sah ich einen Wolf über den Zaun springen und im gegenüberliegenden Fenchelfeld verschwinden. Auf der Weide fand ich schließlich die verletzten und die toten Tiere.“

Alle 4,5 Tage stirbt ein Tier

Dass es ein Wolf war, hat das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie inzwischen bestätigt. Nachzulesen auf der Homepage www.hlnug.de. Dort sind alle aktuellen Wolfsnachweise sowie die Verdachtsfälle aufgelistet.

Karl-Heinz Meckbach an seiner Weide in Malsfeld-Sipperhausen. Hier sprang der Wolf über den Zaun, tötete zwei Schafe und verletzte zwei so schwer, dass sie eingeschläfert werden mussten. Im Hintergrund sieht man die verbliebenen neun Schafe.

Wer sich die Mühe macht und nachzählt, kommt allein seit September auf 18 Fälle, wo Wölfe in der Region* Rehe und Rotwild aber auch Gänse, Schafe, Kälber und sogar ein Nandu gerissen haben oder zumindest im Verdacht stehen, dieses getan zu haben. Das ist statistisch gesehen alle viereinhalb Tage ein getötetes Tier.

„Sind nur Einzeltiere“

Das Landesamt spricht von Einzeltieren oder durchwandernden Tieren. Allerdings ist die Wölfin, die im Februar in Hersfeld-Kathus einen Rehbock riss, erwiesenermaßen dieselbe, die im September im 70 Kilometer entfernten Ober-Seibertenrod (Vogelsbergkreis) ein Kalb tötete. Und die Wölfin, die am 1. August in Spangenberg-Herlefeld ein Hirschkuh riss, ist ebenfalls für zwei weitere Fälle verantwortlich: Sie riss am 4. und am 14. Oktober in Nentershausen-Dens und Rotenburg-Seifertshausen jeweils Schafe.

„Unsinnige Vorschläge“

„Wie seitens des Ministeriums aktuell mit der Wolfproblematik umgegangen wird, wird der Sache nicht ansatzweise gerecht“, kritisiert Frieder Beyer die Politiker. Der 64-Jährige, der in Soisdorf (Eiterfeld/Kuppenrhön) lebt, ist Berufsschäfer und Sprecher der Arbeitsgruppe Herdenschutz. Beyer: „Beispielsweise sind die Vorschläge zu Schutzmaßnahmen völlig realitätsfremd. Die Politiker fordern wolfssichere Zäune, 90 Zentimeter hoch, stromführend, oder 120 Zentimeter hohe feste Koppeln. Was ein Unsinn. Wolfssichere Zäune gibt es nicht. Vielleicht im Wildpark Knüll. Und selbst da sind im Frühjahr Wölfe ausgebrochen. Oder sie fordern Herdenschutzhunde. Das ist nicht finanzierbar (Anm. d. Red: 2.000 Euro pro Hund pro Jahr).“ Beyers eindringliche Frage an das zuständige Ministerium von Prisca Hinz: „Wie sollen wir unsere Tiere konkret schützen? Ein Antwort darauf ist man uns bislang schuldig geblieben.“

Offiziell ist Hessen noch Wolfserwartungsland. Kritiker bezeichnen diesen Begriff als „verharmlosend“ und sagen: „Der Wolf ist schon lange da, Hessen ist jetzt Wolfsland.“

Nach Beyers Ansicht soll hier auch ein Tier geschützt werden, das überhaupt nicht vom Aussterben bedroht ist. „Der europäische Populationsteil des Grauwolfs liegt bei geschätzt rund 30.000 Tieren. Nur bei uns gab es halt in den vergangenen 200 Jahren keine. Und das war auch gut so, weil das die Weidetierhaltung in der jetzigen Form erst ermöglicht hat“, so Beyer. Außerdem sagt der 64-Jährige: „Und wenn der Wolf schon in die Region zurückkommt, dann muss man Tiere, die Nutztiere reißen, auch schießen dürfen.“

„Wolf unter Jagdrecht stellen“

Ähnlich sieht es auch die heimische Jägerschaft. „Angesichts der zahlreichen Wolfssichtungen sowie der Haustier- und Wildtierrisse durch Wölfe in Nordosthessen liegt es nahe, dass es sich nicht mehr nur um durchwandernde Einzelwölfe, sondern um eine sich in unserer Region etablierende Wolfspopulation handelt“, sagt Dr. Jörg Brauneis vom Jagdverein Hubertus Kreis Eschwege. Und: „Da besonders der Nordosten Hessens zahlreiche Rotwildvorkommen beherbergt, ist hier zuerst mit einer dauerhaften Ansiedlung zu rechnen.“ Deshalb fordert die Jägerschaft, dass der Wolf auch in Hessen unter das Jagdrecht nach dem Vorbild des Freistaats Sachsen gestellt wird. „Das wäre Tier- und Naturschutz“, so Brauneis.

Für den Hobby-Schafzüchter Karl-Heinz-Meckbach kommt diese Forderung, wenn sie denn umgesetzt würde, zu spät. „Denn ich werde meine Schafzucht mittelfristig aufgeben“, sagt der Dickershäuser, „einen solchen Anblick wie an diesem Morgen kann ich nicht noch einmal ertragen.“

* Schwalm-Eder-Kreis, Werra-Meißner-Kreis, Kreis-Hersfeld-Rotenburg, Vogelsbergkreis.

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Dazu ein Kommentar von Karsten Knödl

Romantische Träumereien gepaart mit idiotischen Vorschlägen

Kennen Sie Menschen, die von heute auf morgen ihre Meinung um 180 Grad ändern? Ich kenne einen: Mich! So geschehen beim Thema „Soll der Wolf in der Region wieder heimisch werden oder nicht?“ Bis vor wenigen Tagen war ich folgender Meinung: Och, das wäre ja toll, wenn ein Wildtier, das früher hier lebte und dann ausgerottet wurde, sich hier wieder niederlassen würde. Wildromantisch, dieser Gedanke. Der Wolf würde sich ja vermutlich von Rehwild, Rotwild, Schwarzwild ernähren und nur gelegentlich mal ein Schaf oder ein Kälbchen reißen. Und falls das doch mal geschieht, kann man den betroffenen Weidetierhalter ja entschädigen.

Inzwischen, nach zahlreichen Gesprächen mit diversen Experten, habe ich diese Meinung komplett über Bord geworfen und bin der Überzeugung, dass der Wolf in unserer Region rein gar nichts verloren hat. Und dafür gibt es zahlreiche Argumente. Über allem steht: Eine friedliche Koexistenz mit einem im Rudel jagenden Großraubtier wird es in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland nicht geben, was die bisher erfassten Wolfsrisse jetzt schon belegen. Außerdem: Weidetierhaltung in der Form, wie sie heute in Deutschland praktiziert wird, ist nur deshalb möglich, weil der Wolf in Deutschland vor 200 Jahren ausgerottet wurde.

Dass er, ich nenne es mal, „vertrieben“ wurde, ist auch kein Beinbruch. Der Wolf ist alles andere als vom Aussterben bedroht. In weiten Teilen Europas gibt es tausende von Tieren, nur halt nicht bei uns. Was sich die Wolfsbefürworter, die sich in aller Regel ja auch noch als Tier- und Naturschützer abfeiern, aber mal vor Augen führen sollten: Die wahren Tier- und Naturschützer hüten 365 Tage im Jahr bei jedem Wetter und für nicht einmal den Mindestlohn ihre Schafe und Ziegen und sorgen damit dafür, dass die Natur so bleibt wie sie ist. Beispiel Dreienberg (bei Friedewald) oder Beispiel Dönche (Kassel): Dort halten Schafe und Ziegen das Buschwerk im Zaum damit die Landschaft nicht verwildert.

Und dann kommt noch das Ministerium mit seinen unsäglich dummen Vorschlägen. Die Schäfer mögen ihre Weiden mit mindestens 90 Zentimeter hohen, stromführenden Elektrozäunen (Euronetze oder 5-Litzenzäune, mind. 2000 Volt) versehen. Könnte sein, dass vor sowas demnächst tatsächlich ein toter Wolf liegt – weil er sich totgelacht hat. Oder der Schäfer soll sich Herdenschutzhunde zulegen. Mal angenommen in Kürze würde ein Wolfsrudel mit acht Wölfen resident, dann bräuchte der Schäfer allein um diesem Rudel entgegenzutreten mindestens acht Herdenschutzhunde. Was droht ist, dass Weidetierhalter ihre Tiere in Zukunft nicht mehr draußen halten, sondern dauerhaft in Stallungen. Und das will nun wirklich keiner.

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