Zahme Rabenkrähe aus Borken brutal erschlagen

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Der zahme Vogel Oskar wurde von einem Nachbarn getötet, angeblich aus Notwehr. Die Polizei kümmert sich nun um den Fall.

Borken. Vor etwa vier Wochen zog bei Familie Andermann aus Lendorf überraschend eine junge Rabenkrähe ein. Schnell war klar, dass der Vogel sehr zutraulich ist und auch ein Name war bald gefunden: Oskar. "Er war ziemlich frech, wobei wir uns nie sicher waren, ob Oskar nicht vielleicht ein Mädchen war", erzählt Corinna Andermann und lacht.

Letzte Woche dann der Schock: Oskar war plötzlich weg. Ein Nachbar hat den freundlichen Vogel erschlagen und hat die Tat bereits gestanden.

Er soll seine Frau mehrfach beim Pflücken von Johannisbeeren so erschreckt haben, dass sie vom Stuhl fiel. Dabei soll sie sich einige Prellungen zugezogen haben. Als die Krähe dann noch die Töpfe im Gewächshaus zerdepperte, sei ihm einfach der Kragen geplatzt: "Er hat Oskar getreten und dann erschlagen. Dabei war Oskar nie aggressiv", beteuern die Andermanns.

Schon kurz nach seinem Auftauchen war der Vogel in der Nachbarschaft bekannt wie ein bunter Hund. "Morgens begleitete er die Kinder zur Bushaltestelle und flog dann seine Runde übers Dorf", erzählt Martin Andermann. Hier und da pickte sich das zahme Wildtier sein Essen zusammen, wurde sogar mit Wurst oder Apfelstückchen gefüttert.

Dass Vögel so selbstverständlich mit menschlicher Nähe umgehen, ist unnatürlich.

"Wir sind uns sicher, dass Oskar als Küken von Menschen verletzt aufgefunden und dann aufgepeppelt wurde", erklärt Martin Andermann. "Wir hatten zwar schon viele Nymphensittiche, aber dass ein Rabenvogel so zutraulich sein kann, das haben wir nicht erwartet", ergänzt seine Frau.

Die Retter wollten ihn wahrscheinlich wieder auswildern, jedoch hat Oskar nicht den Kontakt zu seinen Artgenossen, sondern zu Menschen gesucht. "Er setzte sich auf die Schulter und wollte kuscheln, spielte mit den Katzen und auch mit unserem Hund hat er sich sofort angefreundet", sagt Corinna Andermann.

Jetzt ist Oskar tot. Nachdem Martin Andermann einen Hinweis aus der Nachbarschaft erhalten hatte, fand er den toten Vogel auf der Straße. Andermann stellte seinen Nachbarn zur Rede. Doch dieser soll mit Unverständnis reagiert haben: "Er sagte, er wollte sich verteidigen", erzählt der Borkener.

Das ist jedoch kein Grund, um ein Tier zu erschlagen, sagt die Familie. Sie haben bereits Anzeige erstattet. "Das bringt uns Oskar zwar nicht zurück, dennoch sind wir der Meinung, dass diese Tat Konsequenzen haben muss."

Von MELINA LINDNER

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