Ziel erreicht: Landwirte düngen verantwortungsbewust – weniger Nitrat im Grundwasser

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Beim Feldbegang: (v. li.) Rainer Morgen (stellvertretender Ortslandwirt), Bürgermeister Michael Köhler, Ortslandwirt Gerhard Hilgenberg, Berater Karl-Heinrich Bickel (Büro Schnittstelle Boden), Matthias Michel (stellvertretender Ortslandwirt), die Landwirte Dominik Götte, Tim Hilgenberg und Wilfried Süße. Sie und ihre Berufskollegen tragen maßgeblich dazu bei, dass immer weniger Nitrat in das Grundwasser einfließt.

Landwirtschaftlich beraten werden die Kommunen Bad Zwesten, Bad Wildungen und Edertal bereits seit sieben Jahren zur Umsetzung der Wasserrichtlinie zum Grundwasserschutz. Dank dieser Unterstützung ist der Nitratgehalt bereits um 20 Prozent zurückgegangen - auf 40 mg/l.

Bad Zwesten/Bad Wildungen/Edertal. Landwirte in den Kommunen Bad Zwesten, Bad Wildungen und Edertal werden seit sieben Jahren im Zuge der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie zum Grundwasserschutz landwirtschaftlich beraten. In Bad Zwesten besteht seit 20 Jahren eine freiwillige Kooperation zwischen Gemeinde und Landwirten. "Ziel dieser Beratung ist es, den Zustand des Grund- und Oberflächenwassers zu verbessern beziehungsweise einen bereits bestehenden guten Zustand der Gewässer zu erhalten", so Stephan Tent, Geschäftsführer der BKW Bad Wildungen als Projektträger.

Zu der Beratung zählen neben Informationen rund um Landwirtschaft, Grundwasser- und Erosionsschutz auch Düngerempfehlungen, Bodenanalysen, Feldbegehungen und ­Sprechtage. "Nach einem recht feuchten Winter und einer zunächst zögerlichen Pflanzenentwicklung veränderten sich die Bestände im Frühjahr schnell und gut. Von Pflanzenschäden im Winter wurden wir weitgehend verschont", berichtete Landwirt Matthias Michel, Bad Zwesten "nun gilt es, die Pflanzen optimal zu versorgen, auch unter dem Gesichtspunkt der Nitratproblematik im Grundwasser."

Für den Landwirt bedeutet dies, sich schnell und flexibel auf die sich veränderten Wachstumsbedingungen einzustellen und entsprechend schnell zu handeln. Damit die Pflanzen nach ihrem Wachstum optimal versorgt werden können, führt der Landwirt eine Düngung durch, die an dem Bedarf der Pflanzen ausgerichtet ist. Um den Bedarf zu berechnen, benötigt er genaue Angaben über den Versorgungszustand der Pflanzen. Damit die aktuelle Ist-Versorgung der Pflanzen festgestellt werden kann, führt das Ingenieurbüro Schnittstelle Boden aus Ober-Mörlen in Zusammenarbeit mit den Landwirten Chlorophyll-Messungen durch, um den momentanen Stickstoffbedarf der Pflanzen zu ermitteln.

Dadurch wird ­ge­währ­leis­tet, dass die Pflanzen keine Überversorgung erfahren. Dafür werden die jüngsten, vollausgebildeten Blätter des Getreidebestandes mit einem Handgerät photometrisch auf ihre Stickstoffversorgung analysiert. Der Landwirt bekommt sofort das Ergebnis und gleichzeitig wird die noch notwendige Düngergabe ausgerechnet. Zeitnah kann der Landwirt pflanzengerecht düngen und somit den optimalen Ertrag erzielen. Zu viel und zu hohe Düngergaben werden vermieden und ein Eintrag des ansonsten zu viel gegebenen Düngers in den Boden oder des Gewässers wird damit ausgeschlossen.

Durch diese Vorgehensweise ist es möglich, dass der gedüngte Stickstoff optimal von der Pflanze aufgenommen werden kann. Es liegt somit nicht ungebunden im Boden und kann nicht als Nitrat ins Grundwasser gelangen. Das schont den Geldbeutel und ist gut für die Umwelt. Der Nitratgehalt im Grundwasser ist seit Beginn des Projekts deutlich um über 20 Prozent zurückgegangen. Derzeit liegen sie bei nur noch 40 mg/l. Bürgermeister Michael Köhler, Bad Zwesten freut sich über den Erfolg und betont: "Durch die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Landwirten haben wir es geschafft, die Nitratproblematik deutlich zu entschärfen. Das Erreichte ist uns Auftrag und zugleich Verpflichtung für die Zukunft. Wir sind unseren Landwirten für ihren vorbildlichen und freiwilligen Beitrag zum Wasserschutz sehr dankbar."

Dieser Beitrag zum Umweltschutz wird mitfinanziert durch das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz über das Regierungspräsidium Kassel, die BKW Bad Wildungen als Projektträger, die das Ingenieurbüro Schnittstelle Boden aus Ober-Mörlen mit der Projektberatung beauftragt haben und durch die Gemeinde Bad Zwesten.

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