Zwei Wochen vor der Wahl: Bürgermeister Peter Tigges im Interview

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Am 8. November wählen Spangenberger einen neuen Bürgermeister. Der amtierende Peter Tigges (CDU) tritt erneut an. Wir trafen ihn zum Gespräch.

Von JULIAN KLAGHOLZ und JOANNA WIEWIORSKA

Spangenberg. Fast zwölf Jahre ist es her, als Peter Tigges das Amt des Bürgermeisters in in Spangenberg übernommen hat. Die zweite Amtsperiode neigt sich langsam dem Ende entgegen – ans Aufhören denkt der 53-Jährige jedoch noch lange nicht. Er strebt die dritte Amtsperiode an. Am 8. November ist Wahltag in der Liebenbachstadt – Peter Tigges geht für die CDU ins Rennen. Seine Hauptaufgabe: Haushaltskonsolidierung. Wir haben den amtierenden Bürgemeister vorab zum Gespräch im Rathaus getroffen.

HEIMAT NACHRICHTEN: Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung Spangenbergs?Peter Tigges: Mit der Entwicklung bin ich weitestgehend zufrieden. Da Spangenberg unter dem Kommunalen Schutzschirm ist, bleibt die Hauptaufgabe, weiter an der Haushaltskonsolidierung zu arbeiten. Wirtschaftlich hat sich Spangenberg in den letzten Jahren, mit der Ansiedlung größere Betriebe, sehr gut entwickelt – auch Arbeitsplätze wurden dadurch geschaffen.Im Gastronomiebereich haben wir in der Innenstadt mit dem neugestalteten Ratskeller vor allem qualitativ einen erheblichen Schritt nach vorne gemacht. Woran wir weiter verstärkt arbeiten müssen, ist der Erhalt des Einzelhandels in der Innenstadt.

Was genau würden Sie gerne  in der Innenstadt, sprich im Bezug auf den Marktplatz, ändern wollen?Wie gesagt, gastronomisch ist Spangenberg gut aufgestellt. Beim Einzelhandel haben wir in den letzten Jahren einige Projekte ins Leben gerufen, um diesen zu stärken – bisher leider ohne Erfolg. Das hängt jedoch nicht nur mit dem geänderten Kaufverhalten der Menschen zusammen. In Spangenberg haben wir das Problem, dass sich unsere Innenstadt in Hanglage befindet und deshalb nicht so stark frequentiert wird, wie etwa die Innenstadt der unserer Nachbarstadt Melsungen. Was wir in der Innenstadt ebenfalls unbedingt brauchen, ist ein Hotel, in diesem Bereich gibt es momentan leider gar kein Angebot. Um hier etwas zu verändern, brauchen wir die Bürger und wirtschaftliche Schlüsselpersonen aus Spangenberg. Einen Leitbildprozess über Möglichkeiten und die Zukunft der Stadt, wie wir ihn vor einigen Jahren bereits durchgeführt haben, soll es deshalb auch wieder geben.

Für die Stadt selbst ist der Spielraum jedoch gering, da Spangenberg eine Schutzschirm-Kommune ist. Wie soll es mit dem angeschlagenen Haushalt weiter gehen?Wir müssen ehrlich sein, das wird nicht einfach. Mein größter Wunsch ist ein ausgeglichener Haushalt. Wir müssen uns aber von Jahr zu Jahr hangeln und auch in Zukunft weiter intensiv an der Konsolidierung arbeiten, wie wir es bisher auch getan haben.

Einnahmen aus dem Tourismus könnten da ntürlich weiterhelfen: Wie sieht es da aktuell aus?Das Schloss ist Dreh- und Angelpunkt des Tourismus und auch der einzige Hotelbetrieb. Wir brauchen aber auch ein Hotel für die Wanderer und Pilger, das schlichter und auch kostengünstiger gehalten ist. Ein weiteres Highlight ist der Ars Natura. Spangenberg ist hier die Zentrale. Wir müssen dahin kommen, dass man Ars Natura zwangsläufig mit Spangenberg in Verbindung bringt. Das Reitturnier ist ebenfalls sehr wichtig für Spangenberg. Es hat internationale Strahlkraft und wir können stolz darauf sein, eine Veranstaltung dieses Formats hier zu haben. Insgesamt sind wir touristisch schon sehr gut aufgestellt.

Der Umbau des Schlosses verzögert sich jedoch...Das hat nichts mit den Pächtern zu tun – die sind klasse. Sie stehen zu ihrem Konzept und werden es auch durchziehen. Die Verzögerung hat mit der Dachsanierung zu tun. Das Schloss hat Alleinstellungsmerkmal und ich bin glücklich, dass es wieder bewirtschaftet wird. Mein Traum ist es, irgendwann die unterirdische Gänge für die Öffentlichkeit offen zu legen.

Arbeitet Spangenberg mit anderen Kommunen zusammen, was die Vermarktung angeht?Nein, leider nicht. Die Zusammenarbeit mit Melsungen wurde vom Stadtparlament abgelehnt. Diese Entscheidung ärgert mich und ich halte sie für einen Fehler. Als Bürgermeister werde ich weiter dafür kämpfen, dass Spangenberg und Melsungen in Zukunft bei der Vermarktung zusammenarbeiten.

Thema Energie. Finden Sie, dass es eine gute Entscheidung für Spangenberg war, aus der Fulda-Eder-Energie (FEE) auszusteigen?Melsungen ist auch ausgestiegen. Auch diese Entscheidung halte ich für falsch, respektiere sie aber.

Auch ein schwieriges Thema ist die ärztliche Versorgung im  ländlichen Raum. Wie sieht es in Spangenberg aus und wie soll diese garantiert werden?Wir brauchen junge Ärzte. Um Spangenberg für Mediziner attraktiv zu machen, müssen wir Anreize schaffen. Zum Beispiel mittelfristig städtischen Wohnraum zur Verfügung stellen, in denen Praxen angesiedelt werden können.

Welche Rolle spielen die Ortsteile bei der Attraktivität einer Stadt?Sehr wichtig. Ich bin selbst auf dem Dorf groß geworden, deshalb weiß ich, dass die Dörfer lebendig und attraktiv gehalten werden müssen. Ein Bürgerbus wäre gerade für ältere Menschen auf den Dörfern eine gute Lösung Einkäufe oder Arztbesuche zu erledigen. Das müssen wir anpacken, die Leute haben es da schon schwer genug.

Was fehlt Ihrer Meinung nach dem modernen Spangenberg? Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?Ganz wichtig ist eine schnelle Internetverbindung – die wir auch hoffentlich in naher Zukunft haben werden. Ein ganz großer Traum wäre der Anschluss Spangenbergs an das Schienennetz und den öffentlichen Personennahverkehr, das wäre gut für die Spangenberg und die Bürger.

    Lesen Sie HIERdas Interview mit Bürgermeisterkandidat WILFRIED DRÄGER in voller Länger

    Zum Online-Voting (noch bis Freitag, 6. November) geht es hier.

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