Zwischenstopp in Guxhagen: Zwei Schweden reisen mit Wohnwagen per Anhalter

Diesen Wohnwagen haben die lustigen Schweden für drei Monate, da in Risbergs Wohnwagen gerade eine Heizung eingebaut wird. In ihren lustigen Kostümen stehen Mathias Risberg (li.) und Antonio Kärlek mit ihren Trampschildern und Instrumenten am Straßenrand – oder auch mal auf dem Wohnwagen.
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Diesen Wohnwagen haben die lustigen Schweden für drei Monate, da in Risbergs Wohnwagen gerade eine Heizung eingebaut wird. In ihren lustigen Kostümen stehen Mathias Risberg (li.) und Antonio Kärlek mit ihren Trampschildern und Instrumenten am Straßenrand – oder auch mal auf dem Wohnwagen.

Abenteuerlich – mit diesem Wort lassen sich die Reisepläne von Mathias Risberg und Antonio Kärlek wohl am besten beschreiben. Das Ziel der beiden Männer aus Schweden sind die Vereinigten Staaten. Dabei steigen sie nicht einfach in ein Flugzeug, sondern reisen per Anhalter mit einem Wohnwagen.

Diesen Wohnwagen haben die lustigen Schweden für drei Monate, da in Risbergs Wohnwagen gerade eine Heizung eingebaut wird. In ihren lustigen Kostümen stehen Mathias Risberg (li.) und Antonio Kärlek mit ihren Trampschildern und Instrumenten am Straßenrand – oder auch mal auf dem Wohnwagen.Von VANESSA VON LENGERKENGuxhagen.Der Daumen bestimme dabei die Richtung. „Das Beste am Trampen ist, dass man jedes Mal ein neues Abenteuer erlebt. Jedes Öffnen der Autotür eröffnet uns neue Möglichkeiten“, freut sich Kälken. Die Bilanz Ende Juli: 1.579 Autos, 412 Lkw und sogar ein Eiswagen stehen auf der Anhalter-Liste. Thailand, Mexiko, Panama, über 50 Länder hat Risberg in den vergangenen neun Jahren bereist. Mal mit Ex-Freundinnen, mal mit Kärlek. Den lernte Risberg 2009 kennen, als er in einem Park unterwegs war, um dort Saft zu verkaufen. „Aber Bier und Saft schmecken nicht zusammen“, wirft Kärlek lachend ein. Trotzdem kamen die beiden ins Gespräch und verstanden sich auf Anhieb. Und das so gut, dass sie nur drei Monate darauf beschlossen, zusammen die Welt zu bereisen. Zuerst ging es mehrfach durch Schweden und Norwegen. Als sich die Gelegenheit für 20 Euro pro Ticket ergab, flogen sie spontan nach Teneriffa. Doch dann lernte Kärlek seine heutige Verlobte kennen und es war erst einmal Schluss mit der gemeinsamen Welterkundungstour der Männer. Insgesamt sechs Leute können in dem neun Quadratmeter großen Wohnwagen schlafen – Antonio Kärleks liebster Schlafplatz ist die Sitzbank. Der heute 32-Jährige wurde Vater zweier Kinder und blieb vorerst in Schweden. Risberg reis­te weiter, „meine damaligen Freundinnen habe ich einfach mitgenommen.“ Die beiden hielten immer den Kontakt, bis diesen Frühling die Idee der gemeinsamen Reise nach Paris und Hollywood aufkam. Mit dem Wohnwagen, den Risberg vor drei Jahren gekauft hatte, zogen sie los. Doch dieser abenteuerliche/alternative Lebensstil ist nicht nur Spaß. „Diese Reise ist unsere natürliche Therapie. Ich musste raus aus meiner Komfortzone und mich Menschen öffnen, Kärlek suchte nach innerer Stabilität. Außerdem haben wir beide ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). Wir kommen auf dieser Reise zur Ruhe und schaffen es, uns auf die wesentlichen Dinge und uns selbst zu konzentrieren. Wir leben unsere Freiheit, lernen Menschen zu vertrauen und erfahren die schönen oder auch nicht so schönen Lebensgeschichten unserer neuen Freunde kennen. Manche werden auch Familie“, so Risberg. Erst wenige Tage sind die beiden Schweden in Deutschland und jetzt schon begeistert. Die Deutschen seien anfangs etwas reserviert, aber sobald sie sich öffnen, erkenne man ihr riesiges Herz, erzählt Risberg. „Als wir hier ankamen, haben uns zwei Deutsche zwei Stunden lang mitgenommen und das in die völlig andere Richtung, als sie wollten, einfach weil wir uns so gut verstanden haben.“ Auf neun Quadratmetern leben die beiden mit dem Nötigsten. Die beiden Freunde sind für jede Menge Spaß zu haben – wer sie per Anhalter mitnimmt, hat gute Laune an Bord.Risberg massiert, Kärlek malt, das bringt den einen oder anderen Euro in die Reisekasse. Ansonsten finden sie ihr Essen in den Mülleimern von Raststätten und Lebensmittelmärkten. „Gestern erst tauschten wir Kartoffeln gegen Eier. Manchmal laden uns die Menschen auch zum Essen ein, betteln wollen wir aber nicht“, erzählt Risberg. Sich und ihre Kleidung waschen sie auf öffentlichen Toiletten. Auf Facebook und Instagram halten die beiden ihre Fans unter dem Stichwort „Liftarskolan“ auf dem Laufenden. Denn neben der Selbstfindung wollen sie mit ihrer gegründeten Tramp-Schule das Trampen normalisieren, lehren und sicherer machen. Wie lange ihre Reise noch dauern wird wissen sie nicht. „Es ist ein großer Traum mit einer langen Strecke aber wir haben doch Zeit. Die Reise ist unser Ziel. Vielleicht dauert es Wochen, Monate, Jahre oder wir reisen einfach, bis wir sterben. Mit der Hilfe von gutherzigen Menschen wird uns der Weg nach Paris und Hollywood aber sicherlich gelingen“, sind sich die beiden Anhalter einig. Wenn Mathias Risberg und Antonio Kärlek in ihren lustigen Kostümen mit Trommel und Gitarre, am Straßenrand stehen und ihren Daumen rausstrecken, dauert es nicht lange und ein Auto fährt rechts ran. Die beiden schwedischen Frohnaturen finden leicht Platz auf der Rückbank, wäre da nicht ein riesiges Gepäckstück im Schlepptau – ihr Wohnwagen. Mit dem sind sie in dieser Woche auf dem Rastplatz in Guxhagen gestrandet. Das große Ziel: Sie wollen nach Disneyland in Paris und dann mit einem Containerschiff in die Vereinigten Staaten nach Hollywood. „Wir sind gute Straßen-Piraten, wir haken uns wie Captain Hook an die Autos dran“, so der 28-jährige Risberg grinsend.

Diesen Wohnwagen haben die lustigen Schweden für drei Monate, da in Risbergs Wohnwagen gerade eine Heizung eingebaut wird. In ihren lustigen Kostümen stehen Mathias Risberg (li.) und Antonio Kärlek mit ihren Trampschildern und Instrumenten am Straßenrand – oder auch mal auf dem Wohnwagen.
Insgesamt sechs Leute können in dem neun Quadratmeter großen Wohnwagen schlafen – Antonio Kärleks liebster Schlafplatz ist die Sitzbank.
Die beiden Freunde sind für jede Menge Spaß zu haben – wer sie per Anhalter mitnimmt, hat gute Laune an Bord.

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